Frankreich in der Krise: Der ungeliebte Hollande

Frankreich in der Krise
Der ungeliebte Hollande

Ein Jahr nach Amtsantritt haben die Franzosen keine gute Meinung mehr von ihrem Präsidenten. Inzwischen halten sie François Hollande für unfähig, das Land aus der Krise zu führen. Doch Hollande gibt sich gelassen.
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ParisZehntausende Menschen gehen in Frankreich aus Protest gegen die Politik der Regierung auf die Straßen. Die Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu, und die schwierige wirtschaftliche Lage des Euro-Landes gilt manchen Beobachtern als potenzielle Zeitbombe im Herzen Europas. Doch Präsident François Hollande, der mittlerweile zu den unbeliebtesten französischen Staatschefs der jüngeren Geschichte zählt, bewahrt die Ruhe. Ihm eilt weder der Ruf pragmatischer Nüchternheit einer Bundeskanzlerin Angela Merkel voraus, noch besitzt er das Charisma, das US-Präsident Barack Obama zu Beginn seiner Amtszeit ausgezeichnet hatte. Hollande gelangte vielmehr durch seine verbindliche, vermittelnde Art an die Spitze der Sozialisten - jemand also, der Konfrontation um jeden Preis vermeiden will.

Doch die Freundlichkeit, die ihn vor einem Jahr ins Präsidentenamt katapultierte, gereicht Hollande nun zum Nachteil. In Umfragen äußern sich viele Menschen zutiefst enttäuscht über ihn. Sie halten ihn für unfähig, Frankreich entschlossen aus der Krise zu führen, von der er selbst sagt, dass sie künftige Generationen bedrohe. „Ich bleibe beständig und gelassen“, sagt Hollande vor Journalisten im Präsidentenpalast, während vor dem Gebäude eine Menschenmenge gegen die Legalisierung der Homo-Ehe demonstriert. Er räumt ein, dass das vergangene Jahr eine Herausforderung für ihn war. Doch sei es die Aufgabe des Präsidenten, langfristig zu denken. „Man nennt es Ausdauer.“

Das Urteil über seine Politik will Hollande erst zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit gefällt sehen. Er wolle seinem Land die Zuversicht zurückgeben, und dies brauche Zeit. „Sie können meine Entscheidungen kritisieren, glauben, dass ich auf dem falschen Weg bin, sagen, dass ich scheitere. Aber wenn es etwas gibt, dessen ich sicher bin, dann, dass ich im vergangenen Jahr wichtige Entscheidungen getroffen habe.“ Hollande verweist dabei auf die Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Unternehmen vom Januar, einige strenge Arbeitsgesetze zu lockern, die der Wettbewerbsfähigkeit des Landes nach Ansicht des Präsidenten schadeten. Doch die Arbeitslosigkeit stieg seither weiter und erreichte Ende April 10,6 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 1999.

Hollande spricht viel über die französische Militärintervention in Mali, der bislang populärste Schritt seiner Amtszeit. Doch so sehr sich der Präsident bemühte: Andere europäische Staaten entsandten für den Kampf gegen islamistische Rebellen keine Soldaten in die frühere französische Kolonie in Westafrika. „Ich wurde zu einer außergewöhnlichen Zeit Präsident“, sagt Hollande. Dies betreffe sowohl die schwere Wirtschaftskrise als auch das Engagement in Mali. Darüber hinaus setze sich in Frankreich und in ganz Europa der Populismus durch.

Kommentare zu " Frankreich in der Krise: Der ungeliebte Hollande"

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  • Na ja, alles wird auch nicht gut, wenn der Euro das Zeitliche gesegnet hat aber vieles wird besser, unter anderm kann sich die Wettbewerbsfähigkeit der Problemländer verbessern, wenn sie wieder das Instument Währungsabwertung in der Hand haben. Der relativ starke Euro ist zu stark für den Süden, während er Deutschland in Sachen Export zu überdimensionierten "Erfolgen" verhilft, die allerdings nur Scheinerfoge sind, da diese "Erfolge" über das Target2 System kreditfinanziert sind und keine realen Werte zurückfließen.
    Eigentlich sind die deutschen "Exporterfolge" innerhalb der Euro-Zone zum Teil nichts anderes als "tributäre" Leistungen ohne Gegenleistungen.

  • @Sarina
    Wahl-O-Meter Prognose 1. Mai 19:00h
    AfD bereits 7,1 %.
    Die Partei legt ungefähr täglich um 0,1 % zu.
    Man kann sich ausrechnen wo sie angekommen ist, wenn der Semptember und damit die Wahl vor der Tür steht.

  • Herr Hollande möchte warten. Soll er, das geht noch ein Weilchen, dann gibt es eine andere Regierung...

    was solls - Merkel wartet, Hollande wartet - und der Weihnachtsmann kommt einfach nicht :-)

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