Frankreich Industrie
Auf dem Weg zum Comeback

In Frankreich wird um jeden Standort gekämpft: Während sich Präsident Hollande dazu entschlossen hat, die Steuern zu erhöhen und Sozialabgaben zu senken. Er will der Präsident des Wiedererstarkens der Industrie werden.
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ParisKaum ein Euro-Land hat einen so niedrigen Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung wie Frankreich. Knapp 14 Prozent beträgt die Quote laut EU-Kommission heute noch. Für die technikbegeisterten Franzosen ist das eine Schande, denn sie zählten einst zur Weltspitze: Die ersten Daimler-Motoren baute Panhard-Levassor in Paris.

Doch in den 80er- und 90er-Jahren begann das Land, seine Industrie zu vernachlässigen, folgte der Mode, nur Dienstleistungen und vor allem den Finanzsektor zu fördern. Andere Faktoren kamen hinzu: Über Jahrzehnte hinweg wurden große Konzerne begünstigt und Mittelständler kaum beachtet. Ende der 90er-Jahre warf die von den Sozialisten eingeführte 35-Stunden-Woche die Industrie weiter zurück. Die Löhne samt Sozialabgaben begannen deutlich schneller zu steigen als beim Wettbewerber Deutschland. Angesichts schrumpfender Margen vernachlässigten die Unternehmen ihre Forschung und Entwicklung.

Staatspräsident François Hollande hat sich das Comeback der Industrie auf die Fahnen geschrieben: "Ich werde der Präsident des Wiedererstarkens unserer Industrie sein", versprach er schon im Wahlkampf. Mit der Aufgabe betraut hat er Industrieminister Arnaud Montebourg, der voller Dramatik ankündigte, "die Franzosen wieder mit ihrer Industrie versöhnen" und "bis zum letzten Blutstropfen um jeden Standort kämpfen" zu wollen.

Ruhiger, aber vielleicht effektiver geht Ex-EADS-Chef Louis Gallois zu Werke. Den hat Hollande zum Verwalter eines Fonds von rund zehn Milliarden Euro ernannt, der noch von Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy geschaffen wurde, um die Hochtechnologie zu fördern. Außerdem soll Gallois bis zum Herbst einen "Pakt für die Industrie" vorbereiten. Vor zehn Tagen sagte er bereits, was er für vordringlich hält: eine Kostenentlastung der Unternehmen um rund 50 Milliarden Euro.

Nach langem Zögern hat Hollande sich im Prinzip dazu durchgerungen, die Sozialabgaben zu senken und dafür Steuern zu erhöhen.

Mit Hochdruck arbeitet Frankreich an der Stärkung seiner Hochtechnologie: Acht neue Forschungsinstitute, die ähnlich wie die deutschen Fraunhofer-Institute arbeiten, werden eingerichtet, um speziell den Mittelständlern den Zugang zu neuen Werkstoffen, Technologien und Herstellungsverfahren zu erleichtern. Noch eine ganze Weile wird Frankreich wohl Industriearbeitsplätze verlieren - doch das Land ist entschlossen, jetzt für sein Comeback zu kämpfen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Frankreich Industrie: Auf dem Weg zum Comeback"

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  • Toll, was uns der Sozihollande da auftischen will.
    Wiedererstarken der Industrie und Erhöhung der Wirtschaftsleistung. Schlagworte aus dem sozialistischen Wahlkampf der Vergangenheit.Die Realität für Frankreich sieht indes düster aus. " Bonjour Tristess " kann man da nur sagen.Die Ankündigungen stehen im krassen Widerspruch zu der tatsächlichen Politik Hollandes.
    Durch zusätzliche Belastungen für die Unternehmen egal, ob es Steuern oder Sozialabgaben heist, bedeudet Hollandes Politik mehrkosten in Milliardenhöhe für die Industrie.Geld für Forschung und Inovation, das die Regierung nicht hat und die Industrie nicht leisten kann.
    Hollandes Politik vertreibt derzeit schon täglich mehr
    Firmen und Privarpersonen aus Frankreich, was das Land noch weiter in den Abgrund führen wird.
    Das große Dilemma Hollandes und seinen Sozialten ist, daß sie nicht verstehen können, wie Wirtschaft tatsächlich funktionieren.
    Die letzte große gesellschaftliche u.wirtschaftliche Niederlage Frankreichs war die Zeit unter Mitterrand ebenfalls von der glorreichen Sozialistischen Partei Frankreichs. Die Schulden von damals, sind auch noch die Schulden von heute in Frankreich.Und daran wird auch Hollande nichts ändern.gez.walter werner.de

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