Frankreich nach dem Attentat: „Ich wusste, ich würde den Abend nicht überleben“

Frankreich nach dem Attentat
„Ich wusste, ich würde den Abend nicht überleben“

Eingezwängt in einem winzigen Schrank versteckte sich ein Mitarbeiter des Druckereibetriebs vor den „Charlie Hebdo“-Attentätern. Acht Stunden lang. Dass er überlebte, verdankt er der Courage seines Chefs.
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ParisAcht Stunden saß der Mitarbeiter des Druckereibetriebes in Dammartin-en-Geöle, in dem sich die „Charlie Hebdo“-Attentäter am vergangenen Freitag verschanzt hatten, in einem winzigen Schrank eingequetscht. Aus Angst, die Terroristen könnten ihn hören, wagte er keine Bewegung. Erst nach Stunden konnte er über sein Handy mehrere SMS absetzen. Sein Leben verdankt er dem Inhaber der Druckerei: Der trat den schwerbewaffneten Brüdern entgegen und redete mit ihnen, verschaffte seinem Mitarbeiter damit kostbare Zeit, sich im Betrieb zu verstecken. Zwei Helden ohne Waffen und Schutzwesten, die jetzt im Fernsehen über Stunden zwischen Leben und Tod berichteten.

Während die Regierung, Parlament und Parteien nach Wegen suchen, das Land vor neuen Anschlägen zu schützen, bleibt Frankreich ein Land in emotionaler Hochspannung. Vieles überlagert sich nun. Da ist die Angst vieler Juden, die sich nicht vorstellen möchten, über Monate oder vielleicht Jahre mit dem Gefühl der Gefährdung leben zu müssen. Manche von ihnen denken über Auswanderung nach Israel nach – und vergessen, dass sie dort nicht sicherer leben würden.


Auf der anderen Seite hört man von Schulen, in denen in der vergangenen Woche die Trauerminute nicht stattfinden konnte, weil viele Jugendliche sich weigerten: Die Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“ seien zu Recht gestorben, weil sie den Propheten verhöhnt hätten. An 60 Schulen im ganzen Land soll es zu solchen Reaktionen gekommen sein. Die Bildungsministerin berät mit Lehrerverbänden und Gewerkschaften über Schritte gegen diese unfassbaren Reaktionen. Gleichzeitig kommen immer mehr Details über die Anschläge und das Schicksal der Geiseln hoch. Sie zeigen das Bild von Attentätern, die zwischen extremer Brutalität und kühler Zurückhaltung schwankten. „Nehmt euch ruhig was zu essen“, sagte Geiselnehmer Amedy Coulibaly zu den Leuten im Pariser Supermarkt „Hyper Casher“, nachdem er dort vier Menschen erschossen hatte.

Zu welchen selbstlosen Reaktionen manche Mitbürger in Extremsituationen fähig sind, zeigt der Fall des Druckereibesitzers Michel Catalano. Als er am vergangenen Freitag zwei mit automatischen Waffen und Panzerfaust ausgerüstete Männer, die seit zwei Tagen auf der Flucht waren, auf seinen Betrieb in Nordfrankreich zukommen sah, war ihm blitzschnell klar, dass das die Attentäter von „Charlie Hebdo“ sein mussten. Statt zu fliehen, drehte er sich zu seinem Mitarbeiter Lilian Lepère um: „Hau ab, versteck Dich, ich rede mit ihnen.“ Im Fernsehen berichtete Lepère jetzt, was er in den achteinhalb Stunden erlebte, die er in Embryohaltung in einem Schrank unter einem Waschbecken verbrachte.

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Er wirkt gelassen, dann bricht er in Tränen aus

Kommentare zu " Frankreich nach dem Attentat: „Ich wusste, ich würde den Abend nicht überleben“"

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  • Sorry, sollte unter dem Beitrag von H. Wienand stehen bzw. eine Frage an ihn sein.

  • Wie kommen Sie zu diesem Schluß?
    Das sind Muslime und aus deren Sicht haben die Täter richtig gehandelt. Wir wollen Multikulti und das sind dann halt die Schattenseiten.Denken Sie an unsere Missionare, die waren/sind auch nicht gerade zimperlich mit den Heiden.

  • Siehe auch:
    http://www.news.com.au/world/africa/islamic-extremist-attack-in-nigeria-named-the-deadliest-massacre-in-history/story-fnh81gzi-1227180726580

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