Frankreich nach den Terroranschlägen
Pakt mit dem Islam

Nach dem islamistischen Anschlag in einer französischen Kirche gingen Muslime in katholische Sonntagsmessen. Doch die Regierung verlangt ein stärkeres Engagement der Islam-Institutionen. Es geht um Imame und Gelder.

ParisDer Aufruf von Frankreichs Premierminister Manuel Valls ließe sich auch als Drohung verstehen. „Falls der Islam der Republik nicht hilft, diejenigen zu bekämpfen, die die Grundrechte infrage stellen, wird es für die Republik immer schwerer sein, die freie Ausübung der Religion zu garantieren.“ Nach den neuen islamistischen Anschlägen wird der Ruf nach mehr Engagement der französischen Muslime lauter, um extremistischen Auslegungen ihrer Religion Paroli zu bieten.

Valls will einen „echten Pakt“ mit der zweitgrößten Glaubensgemeinschaft des Landes. Es geht um die Frage: Wie kann sichergestellt werden, dass in Frankreichs Moscheen ein Islam gepredigt wird, der mit den viel beschworenen „Werten der Republik“ vereinbar ist? Etwa 20 Moscheen wurden seit Ende 2015 geschlossen, 80 Hassprediger ausgewiesen. „Unser Land muss der ganzen Welt den durchschlagenden Beweis liefern, dass der Islam mit der Demokratie vereinbar ist“, fordert Valls.

Die Regierung will vor allem zwei Probleme angehen: Die Ausbildung der Imame und die Frage der Finanzierung. Nach offiziellen Schätzungen haben nur 20 bis 30 Prozent der etwa 1800 Imame die französische Staatsbürgerschaft. 300 Imame sind von der Türkei, Algerien und Marokko geschickt. Zum Teil fließt von dort auch Geld an französische Moscheen, auch aus Saudi-Arabien.

Doch die Vertretung der vier bis fünf Millionen Muslime in Frankreich ist eine Dauerbaustelle – ein Problem, das aus Deutschland bekannt vorkommt. Dem Islam ist eine hierarchische Organisation fremd. Der 2003 gegründete Dachverband CFCM leidet unter Spannungen zwischen den Verbänden, oft unter dem Einfluss verschiedener Herkunftsländer von Einwanderern. Zudem sehen Kritiker ein Generationenproblem, der CFCM sei weit weg von der Lebensrealität junger französischer Muslime.

„Die Mehrheit der (aus dem Ausland) entsandten Imame ist niemals über die Shoah, die Homophobie, die Todesstrafe unterrichtet worden“, kritisierte die Senatorin Nathalie Goulet, Autorin eines Berichts zum Thema, in der Zeitung „Le Monde“. Der CFCM arbeitet nun an einer Charta für Imame, um diese auf einen toleranten und moderaten Islam zu verpflichten. Es gibt bereits Universitätskurse für staatsbürgerliche Kenntnisse.

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Pakt mit dem Islam

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Trennung von Kirche und Staat

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