Frankreich
Neue Krawalle gegen Arbeitsmarktreform in Paris

In Frankreich sind die Proteste gegen die Arbeitsmarktreform der konservativen Regierung Villepin erneut in gewaltsamen Auseinandersetzungen eskaliert. Inzwischen deutet sich ein partielles Nachgeben der Politik an.

HB PARIS. Nahe der Sorbonne-Universität kam es am Dienstagabend zu fünfstündigen Straßenschlachten. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, die mit Steinen, Flaschen und Absperrgittern warfen. Mindestens neun Teilnehmer wurden den Behörden zufolge festgenommen. Neun Polizisten erlitten Verletzungen; ein Beamter wurde von einem Pflasterstein im Gesicht verletzt.

Den Zusammenstößen ging ein spontaner Marsch von etwa 4 000 Studenten zur Sorbonne voraus. Anschließend begannen mehrere hundert teils vermummte Jugendliche, unter anderem Brandsätze zu werfen. Die Universitätsleitung hat die Sorbonne für einige Tage geschlossen, nachdem eine mehrtägige Besetzung des Gebäudes durch Studenten in der Nacht zum Samstag von der Polizei gewaltsam beendet worden war. Gewerkschaften, Studenten, Schüler und die linken Parteien laufen seit Wochen Sturm gegen ein Gesetz zur Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufseinsteiger.

Präsident Chirac rief die Regierung und die Sozialpartner am Mittwoch zu Beratungen über das Angebot Villepins auf, den umstrittenen Erstanstellungsvertrag (CPE) mit zusätzlichen Garantien abzusichern. Das Gesetz sieht für Berufseinsteiger bis 26 Jahre eine zweijährige Probezeit vor, die dem Arbeitgeber eine Entlassung ohne Angabe von Gründen erlaubt.

Zugleich verteidigte Chirac den vom Parlament mit der bürgerlichen Regierungsmehrheit bereits verabschiedeten Gesetzentwurf, der die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen soll. Der CPE ziele darauf ab, „den Teufelskreis aus Praktika, kleinen Jobs und Arbeitslosigkeit“ zu durchbrechen, sagte Chirac nach Angaben eines Regierungssprechers in einer Sitzung des Ministerrats.

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