Frankreich
Niedrige Wahlbeteiligung bei Parlamentswahlen

In Frankreich hat die Parlamentswahl nur schleppend begonnen. Nach zwei Präsidentschaftswahlgängen sind viele Franzosen des Urnengangs überdrüssig.
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ParisBei der ersten Runde der Parlamentswahl in Frankreich hat sich eine schwache Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bis Mittag gaben 21,06 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab und damit rund 1,5 Prozent weniger als vor fünf Jahren, wie das Innenministerium mitteilte. Rund einen Monat nach dem Amtsantritt des sozialistischen Präsidenten François Hollande wird eine linke Mehrheit auch in der Nationalversammlung erwartet.

Hollande gab seine Stimme am Vormittag in seiner Wahlheimat Tulle in Zentralfrankreich ab. Er hatte vor dem Urnengang die Franzosen aufgerufen, ihm eine "breite, solide Mehrheit" im Parlament für seine Reformpolitik zu geben. Sein Vorgänger als Staatschef, der Konservative Nicolas Sarkozy, ging im 16. Pariser Arrondissement wählen, begleitet von seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy. Die sozialistische Parteichefin Martine Aubry, die im nordfranzösischen Lille ihre Stimme abgab, äußerte sich etwas besorgt angesichts der Wahlbeteiligung.

Traditionell liegt die Wahlbeteiligung bei Parlamentswahlen in Frankreich niedriger als bei der Präsidentschaftswahl. Bei der ersten Runde zur Präsidentschaftswahl am 22. April hatte die Wahlbeteiligung am Mittag bei 28,3 Prozent gelegen. Bei der Stichwahl zwischen Hollande und Sarkozy am 6. Mai gaben insgesamt rund 80 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Für die Parlamentswahl wird eine Beteiligung von rund 60 Prozent erwartet.

Den Umfragen zufolge können die Sozialisten, die im Mai die Präsidentschaftswahl gewonnen hatten, auch mit einer Mehrheit im Parlament rechnen. Offen war jedoch, ob die Sozialisten zusammen mit verbündeten Einzelkandidaten und den Grünen eine eigene absolute Mehrheit schaffen. Möglicherweise brauchen sie die Unterstützung links von ihnen stehender Parteien in der Nationalversammlung. Laut Umfragen liegen die Sozialisten und verbündete Einzelkandidaten bei 31,5 bis 32 Prozent, die Grünen bei rund fünf Prozent. Den Konservativen werden zwischen 33,5 und 35 Prozent vorhergesagt.

Rund 46 Millionen Wähler sind aufgerufen, über die 577 Sitze in der Nationalversammlung zu entscheiden. 6603 Kandidaten bewerben sich um ein Mandat. Anders als in Deutschland werden in Frankreich alle Abgeordneten in einer Persönlichkeitswahl nach dem Mehrheitswahlrecht bestimmt. Dadurch werden in der Regel zwei Wahlgänge nötig: In der ersten Runde ist nur gewählt, wer auf Anhieb die absolute Mehrheit schafft.

In der zweiten Runde, die am kommenden Sonntag stattfindet und in die alle einziehen, die mindestens 12,5 Prozent der Wahlberechtigten für sich gewinnen konnten, gewinnt der Kandidat mit den meisten Stimmen. Vor allem für die Rechtsextremen von der Front National geht es darum, mit möglichst vielen Kandidaten in die zweite Runde zu kommen. Den Umfragen zufolge liegen sie zwar bei 15 bis 16 Prozent, wegen des Wahlrechts, das größere Parteien begünstigt, werden den Rechtsextremen aber höchstens bis zu drei Mandate im Parlament vorhergesagt.

Die letzten Wahllokale schließen in den großen Städten um 20 Uhr.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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