Frankreich
Opposition stellt Arbeitslosenzahlen in Frage

Endlich konnte die französische Regierung wieder positive Nachrichten über den Arbeitsmarkt vermelden: Erstmals seit zwei Jahren sind die Arbeitslosenzahlen zurückgegangen – doch die Opposition wittert Betrug.
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ParisDie französische Opposition hat die offiziellen Zahlen zum ersten Rückgang der Arbeitslosigkeit seit mehr als zwei Jahren in Frage gestellt. „Die Franzosen dürfen nicht länger belogen werden“, sagte der Chef der konservativen UMP, Jean-François Copé, am Donnerstag den Sendern BFMTV und RMC. So seien viele geschaffene Stellen staatlich subventioniert und meist nur auf kurze Dauer angelegt. Copé verwies zudem auf eine sehr hohe Zahl von Arbeitslosen, die von den Listen der Arbeitsämter gestrichen wurden. Die Statistik sei daher nicht aussagekräftig.

Das französische Arbeitsministerium hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, dass die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich im August um 50.000 auf 3,23 Millionen zurückging. Zuvor war die Arbeitslosigkeit 27 Monate in Folge gestiegen und hatte den historischen Höchstwert von 3,28 Millionen erreicht.

Das Arbeitsministerium räumte aber ein, dass es einen „außergewöhnlichen“ Anstieg bei der Streichung von Arbeitslosen von den Listen der Arbeitsämter wegen Nicht-Rückmeldung gegeben hatte. Von den Listen werden jene Arbeitslosen gestrichen, welche die Arbeitsämter nicht wie vorgeschrieben über ihre aktuelle Situation informieren.

Der UMP-Politiker Guillaume Larrivé warf der Regierung "statistische Manipulation" vor und erklärte, die Sozialisten hätten womöglich „Anweisungen“ gegeben, Arbeitslose von den Listen zu streichen und so die offiziellen Zahlen zu senken. Frankreichs Präsident François Hollande hat die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu seiner obersten Priorität erklärt und wiederholt bis Jahresende eine Trendwende am Arbeitsmarkt versprochen.

Arbeitsminister Michel Sapin sagte am Donnerstag dem Sender France Inter, es gebe „keine statistische Widersinnigkeit“. In Phasen eines Wiederanspringens des Arbeitsmarktes könne es aber „von einem Monat zum nächsten etwas unstete Bewegungen geben“. Er betonte, neben der Streichung von Arbeitslosen von den Listen habe es auch eine deutliche Abnahme der bei den Ämtern neu Gemeldeten gegeben. Sapin mahnte aber wie bereits am Vorabend, von einer Trendwende am Arbeitsmarkt könne noch keine Rede sein.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Na, da haben die Franzosen mal von den Deutschen gelernt...

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