Frankreich Paris will Fraunhofer nacheifern

Der französische Staat will mit unternehmensnahen Forschungszentren die Industrie stärken. Es wird Jahre dauern, bis das Mammutprojekt Ergebnisse liefert, denn Innovationen wurden in Frankreich lange vernachlässigt.
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Airbus A 380: Leichtbau mit neuen Materialien wie Karbonfasern ist eines der Forschungsthemen. Quelle: ap

Airbus A 380: Leichtbau mit neuen Materialien wie Karbonfasern ist eines der Forschungsthemen.

(Foto: ap)

ParisFrankreichs Industrie schrumpft: Ihr Anteil an der Wirtschaftsleistung ist in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozentpunkte gesunken. Besonders die kleinen und mittleren Unternehmen sind zu wenig innovativ. Abhilfe sollen neue Forschungszentren schaffen, die sich am Beispiel der deutschen Fraunhofer Institute orientieren.

Die Fraunhofer Gesellschaft in Deutschland mit ihren 20.000 Mitarbeitern betreibt anwendungsorientierte Forschung: In enger Zusammenarbeit mit der Industrie entwickelt sie Produkte und Herstellungsverfahren. Sie gilt als einer der wichtigsten Treiber von Deutschlands Exporterfolgen. Frankreich verfügt bislang über nichts Vergleichbares.

In einem ersten Schritt werden nun acht „Institute für technologische Forschung“ (IRT) geschaffen. Das „IRT Jules Verne“ in Nantes - hier wurde der technikbegeisterte Schriftsteller geboren - rekrutiert seit drei Monaten unter der Leitung von Stéphane Cassereau sein Personal.

„Das Ansehen der Industrie hat in den vergangenen 15 Jahren extrem gelitten, das ist eines unserer Probleme“, bedauert Cassereau, der die „Ecole des Mines“ absolviert hat. „Gut ausgebildete Jugendliche wollen nicht mehr in der Industrie arbeiten, sondern im Finanzsektor, wo sie mindestens 15 Prozent mehr verdienen.“

Cassereau hat erreicht, dass das Forschungszentrum weitestgehend unabhängig vom Staat arbeiten kann. Der sichert die Hälfte der Finanzierung - 350 Millionen Euro für zehn Jahre -, nimmt aber keinen Einfluss auf die Arbeit.

In drei Jahren sollen die ersten Ergebnisse erreicht werden

Das Forschungsprogramm bestimmt der Aufsichtsrat des IRT, der zu zwei Dritteln mit Industriellen und zu einem Drittel mit Wissenschaftlern besetzt ist. 32 Unternehmenspartner hat das IRT bereits gewonnen, von Airbus bis zur Schiffswerft STX. Insgesamt sollen es 50 werden.

In Nantes wollen die industriellen Forscher - 250 werden es am Ende der Aufbauphase sein - an verschiedenen Querschnittstechnologien arbeiten. Leichtbau ist das wichtigste Gebiet, etwa karbonfaserverstärkte Kunststoffe, wie sie im Flugzeugbau und in Sportwagen bereits eingesetzt werden.

Hier geht es darum, die langwierige und energieaufwendige Herstellung zu vereinfachen. Auf dem „Technocampus“ in Nantes, Vorgänger des IRT, steht in einer Halle eine gut acht Meter hohe Maschine, die große Strukturen aus Karbonfasern herstellen kann.

Die komplette Nase samt Cockpit für einen Airbus A 320 haben die Techniker damit gebaut, sie wiegt nur ein Drittel desselben Bauteils aus Aluminium. „Aber die Herstellung ist noch zu teuer und kompliziert“, sagt Pascal Dublineau, der von Airbus zum IRT gekommen ist. Sie rentabler zu machen wird eine der Aufgaben des IRT sein. Dabei geht es nicht nur um Flugzeug- und Fahrzeugbau, sondern auch um Komponenten für Windräder und für Wasserkraftwerke im Meer.

Die Kunst besteht darin, nicht nur Großkonzerne wie Airbus zu gewinnen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen. „Sie haben zu wenig finanzielle Mittel, um sich eine eigene Forschung und Entwicklung leisten zu können“, erläutert IRT-Chef Cassereau. Ein Lockmittel sind günstige Gebühren: KMU als Kunden können die Anlagen des Instituts samt Forschern „mieten“.

Das IRT kooperiert mit den Fraunhofer-Kollegen, die den Forschern in Nantes ein Empfehlungsschreiben geschickt haben, um sie in ihren Verhandlungen mit dem Wissenschaftsministerium zu unterstützen. Cassereau weiß, dass die Renaissance der französischen Industrie ein Mammutprogramm ist, aber seinen persönlichen Ehrgeiz mindert das nicht: „In drei Jahren wollen wir in Nantes die ersten praktischen Ergebnisse erreichen“.

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3 Kommentare zu "Frankreich: Paris will Fraunhofer nacheifern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "...denn Innovationen wurden in Frankreich lange vernachlässigt..."
    ______________________________________________________

    Ja wo denn nicht?
    Und überhaupt: dieses Innovations(Erneuerungs-)geschwefel geht einem langsam aber sich auf die Testikeln: Neues will doch gar keiner: zu unsicher, zu doof.

    +++ Beitrag von der Redaktion editiert+++

  • @Analyst: Unter aller Kanone

  • +++Beitrag von der Redaktion gelöscht+++

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