Frankreich
Pariser Vorstadtunruhen flammen wieder auf

Unmittelbar vor dem ersten Jahrestag der Vorstadtunruhen in Frankreich hat es in Pariser Banlieues wieder nächtliche Ausschreitungen und Übergriffe gegeben: Jugendliche attackierten Autos und Busse mit Steinen; nur mühsam gelang es der Polizei, die Randalierer in Schach zu halten. In Nanterre erlebten Busfahrgäste eine Fahrt des Schreckens

IN PARIS. In der westlichen Pariser Vorstadt stürmten Maskierte nach Angaben der Behörden des Départements Hauts-de-Seine einen Linienbus der Linie 258 und verschütteten brennbare Flüssigkeit. Passagiere und der Busfahrer seien gezwungen worden, das Fahrzeug zu verlassen. Die Angreifer setzten das Fahrzeug in Brand. Die Flammen hätten sich schnell ausgebreitet, teilten die mit. Zwei Feuerwehrwagen eilten zu dem Brandort, konnten aber nicht mehr verhindern, dass der Bus völlig zerstört wurde. Die Maskierten entkamen.

Auch in Grigny im Département Essonne südwestlich von Paris, wo am Sonntag ein Bus in Brand gesteckt worden war, registrierte Polizei Zwischenfälle. Etwa 50 Personen hätten vorbeifahrende Autos mit Steinen beworfen. Mehrere Jugendliche hätten versucht, einen Autobus zu attackieren, der aber von Sicherheitskräften geschützt werden konnte.

Wegen der wiederholten Angriffe von Jugendlichen wurde der Nachtbusverkehr in den Vorstädten südlich von Paris bis auf weiteres eingestellt. Die Verkehrsbehörde der Gemeinde Essone begründete die Entscheidung am Mittwochabend mit Sicherheitsgründen und zahlreichen Zwischenfällen der jüngsten Vergangenheit.

Erst am Mittwoch sei in einem Bus eine Tränengasgranate gezündet worden, sagte der Präsident der Gesellschaft Transports Intercommunaux Essonniens (TICE), Stéphane Beaudet. Auch seien Busfahrer in Problemvierteln wiederholt bedroht worden. Der Busverkehr wird jetzt bereits mit Anbruch der Dunkelheit eingestellt. Außerdem soll die Linienführung so geändert werden, dass Siedlungen mit besonders hohem Gewaltpotenzial nicht mehr angefahren werden.

Am Freitag jährt sich zum ersten Mal der Beginn der dreiwöchigen Vorstadtunruhen in Frankreich. Auslöser war am 27. Oktober 2005 in Clichy-sous-Bois der Tod von zwei Jugendlichen auf der Flucht vor der Polizei. Die Krawalle hatten sich von Paris auf das ganze Land ausgebreitet und wochenlang angehalten. In 300 französischen Städten gingen 10 300 Fahrzeuge sowie 300 Schulen, Bibliotheken und andere öffentliche Gebäude in Flammen auf.

Wegen der angespannten Atmosphäre wird eine Wiederholung der gewaltsamen Proteste gegen die staatliche Ordnung für möglich gehalten. In „sensiblen Bereichen“ der Vorstädte Essonne, Grigny, Evry und Corbeil-Essonnes wurden am Mittwochabend Bereitschaftspolizisten stationiert, wie die Präfektur von Essone mitteilte.

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