Frankreich
Politische Hitzewallungen

Luft steht. Schweiß rinnt. Sauerstoff macht sich rar. Frankreich stöhnt unter einer neuen Hitzewelle. Mit Telefonketten und Visiten im Altersheim demonstriert die französische Regierungselite, dass sie aus der Hitzekatastrophe von 2003 gelernt hat. Denn seit damals 15 000 Menschen starben, reagierten Frankreichs Politiker bei Hitze fast neurotisch.

PARIS. Metro fahren ist in Paris derzeit eine Tortur. Oben in den Gassen brät die Hitzewelle Asphalt und Autofahrer. In den Röhren untendrunter gart sie Pendler und Touristen. Um den Metro-Muff zu ertragen, fächeln die Fahrgäste mit allem, was einen Luftzug erzeugt: Die Damen verschaffen dem Handfächer eine Renaissance, die Herren wedeln mit der Sportzeitung „L’Equipe“. Geschäftsleute in Anzug und Krawatte leiden mit halb geschlossenen Augen still vor sich hin. Bei jedem Zwischenstopp springen sie auf den Bahnsteig. Luft holen. Viel bringt das nicht.

Es ist wieder so weit: Frankreich stöhnt unter einer neuen Hitzewelle. In Paris stieg das Thermometer auf 37 Grad, in Bordeaux nahm das Thermometer die 40-Grad-Marke. Neun Menschen sind der großen Hitze bisher zum Opfer gefallen.

Hitzetote? Da wird es Frankreichs Regierenden gleich noch heißer – die Auswirkung einer ausgeprägten politischen Neurose. Denn das kollektive Versagen der staatlichen Autoritäten bei der Hitzewelle von 2003 haben sie nicht vergessen. Damals starben in Frankreich rund 15 000 – meist alte und gebrechliche – Menschen an den Folgen der Dauerhitze.

Präsident Jacques Chirac weilte zum Urlaub in Kanada, Premierminister Jean-Pierre Raffarin in den Alpen. Eine vorzeitige Rückkehr hielten sie nicht für nötig – das war einer der schwersten politischen Fehler, seit die Konservativen Frankreich alleine regieren dürfen. Umso emsiger ist Raffarins Nachfolger Dominique de Villepin nun bemüht zu zeigen, dass die Regierung in der Hitze kühlen Kopf bewahrt und alles im Griff hat.

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