Frankreich
Protest der Generationen

Die Rentenreform von Präsident Nicolas Sarkozy hat die Franzosen auf die Barrikaden gebracht. Seit anderthalb Wochen blockieren die Streikaktionen die Republik und treffen den Wirtschaftsstandort Frankreich. Protest hat in der Grande Nation Tradition - über die Generationsgrenzen hinaus.
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HB MARSEILLE. Der Einsatz für Arbeitnehmerrechte und soziale Leistungen hat bei den Gillys Tradition, so wie bei vielen anderen französischen Familien auch. Urlaubstage, Krankenversicherung und frühe Rente betrachten sie als hart erkämpftes Recht, das es zu verteidigen gilt. Der Protest gegen die Anhebung des Renten-Mindestalters auf 62 Jahre hat besondere Bedeutung für die fünf Mitglieder der Familie, die vorige Woche in Marseille auf die Straße gingen.

„Wir wollen mit 60 aufhören zu arbeiten, weil das etwas ist, für das unsere Eltern, unsere Großeltern und sogar unsere Urgroßeltern schon gekämpft haben“, erklärt Eric Gilly, 50 Jahre alt und Gewerkschaftsvertreter der Beschäftigten des Saint-Pierre-Friedhofs. „Über die Jahre kann man sehen, dass wir alles verlieren, wofür sie gekämpft haben. Und das ist unannehmbar.“ Als Protest gegen die Rentenreform wurden in Marseille seit Anfang September die Docks und die Müllabfuhr lahmgelegt, an drei Demonstrationen nahmen jeweils Zehntausende Menschen teil.

Die Trommel schlagend, marschierte Gilly am Montag für die Gewerkschaft Force Ouvrière vorweg. Nicht weit hinter ihm folgten seine Schwester, zwei Töchter und ein Neffe. „Die Gewerkschaftsbewegung liegt im Blut“, sagte er der Fernsehnachrichtenagentur APTN. „Das ist mehr als eine Leidenschaft. Wenn was falsch läuft oder nicht in Ordnung ist, muss es geändert werden.“ Die Rentenreform trifft da besonders einen Nerv bei vielen, denen der Vorruhestand womöglich noch mehr am Herzen liegt als eine Gehaltserhöhung.

„Frankreich zeigt einige seiner alten kulturellen Reflexe“, sagt der Wissenschaftler Etienne Schweisguth vom Zentrum für europäische Studien der Stiftung für Politische Wissenschaften. „Wenn uns etwas nicht passt, müssen wir protestieren.“ Das Mindestalter für den Renteneintritt war 1982 unter Präsident Francois Mitterrand von 65 auf 60 Jahre gesenkt worden. Seither ist die 60 zur Symbol geworden und zum Schlachtruf all derjenigen, die um selbstverständlich gewordene Errungenschaften fürchten - so wie die Gillys

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