Frankreich
Proteste schlagen in Gewalt um

Die seit einer Woche andauernde Protestbewegung gegen die französische Rentenreform hat am Montag weiter an Dynamik gewonnen, mancherorts schlug der Protest in Gewalt um. In Toulouse im Südwesten des Landes versperrten Demonstranten den Zugang zu einem Busdepot. Krawalle gab es vor einem blockierten Pariser Schulzentrum.
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HB PARIS. Jugendliche Demonstranten beschädigten mehrere Autos, bevor die Polizei sie vertreiben konnte. Nach Angaben der Ölimporteure ist mittlerweile mehr als 1000 Tankstellen im Land der Treibstoff ausgegangen. Zahlreiche Lastwagenfahrer blockierten am Morgen die Auffahrt zu mehreren Treibstoffdepots und behinderten den Verkehr auf einer Autobahn in der Pariser Region. Alle zwölf Ölraffinerien in Frankreich werden bestreikt. "Solange sich die Regierung nicht bewegt, bewegen wir uns auch nicht", sagte ein Gewerkschaftsvertreter.

Der französischen Ölbranche zufolge drohen Mitte der Woche weiter Engpässe an den Tankstellen, von denen landesweit bisher nur zwei Prozent von Versorgungsausfällen betroffen waren. Auch der Bahnverkehr ist weiterhin gestört. Etwa jeder zweite innerfranzösische Zug sollte am Montag ausfallen. Die Thalys-Züge von Paris nach Köln sind ebenfalls gestrichen - allerdings wegen eines Streiks in Belgien.

Sarkozy steuert in dieser Woche auf die entscheidende Bewährungsprobe im Poker um die Anhebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre zu. Bisher hat sich der Präsident entschlossen gezeigt, die Reform auch gegen den Widerstand der Gewerkschaften durchzusetzen. Unpopuläre Maßnahmen der Regierung durch massive Straßenproteste zu Fall zubringen, hat in Frankreich Tradition.

Auch der Unterricht an den staatlichen Schulen fällt immer wieder aus. Am Dienstag wird mit weiteren Massenprotesten im ganzen Land gerechnet, bevor sich der Senat am Mittwoch abschließend mit Sarkozys Rentenreform-Gesetz beschäftigen will. Bei einer Verabschiedung des Entwurfs könnte Sarkozy das Gesetz schon am Freitag unterzeichnen.

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