Frankreich
Razzia gegen mutmaßliche Extremisten

Bei zwei separaten Razzien sind in Südfrankreich zwölf mutmaßliche militante Islamisten festgenommen worden. Unter den Verdächtigen befinden sich nach Angaben der Behörden auch drei Männer, die Kämpfer für Afghanistan geworben haben sollen.
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HB PARIS/BERLIN. Bei einer Anti-Terror-Razzia hat die französische Polizei am Dienstag zwölf mutmaßliche Islamisten festgenommen. Der Einsatz richtete sich unter anderem gegen mehrere Verdächtige, die aus Afghanistan zurückgekehrten Kämpfern Papiere verschafft haben sollen, wie aus Polizeikreisen verlautete. In diesem Zusammenhang wurden zwei Männer in Marseille und einer in Bordeaux festgenommen. In Deutschland zeigte sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) unterdessen über eine gestiegene Anschlagsgefahr besorgt. Hintergrund sind Berichte über einen Raketenangriff in Pakistan, bei dem acht deutsche Islamisten getötet worden sein sollen.

Auch der Polizeieinsatz in Frankreich richtete sich gegen mutmaßliche Extremisten. Polizeikreisen zufolge sollen die in Marseille und Bordeaux festgenommenen Männer Verbindungen zu einem in Neapel festgenommenen Verdächtigen haben, der wiederum Kontakte zur Extremistengruppe Al-Kaida haben soll. Bei einer zweiten Razzia wurden demnach neun Personen gefasst, die verdächtigt werden, Waffen und Sprengstoff geschmuggelt zu haben.

Innenminister Brice Hortefeux sprach in der Nationalversammlung von einer terroristischen Bedrohung für Europa. Sie dürfe weder über- noch unterschätzt werden. Frankreich arbeite bei der Gefahrenabwehr eng mit seinen Partnern zusammen.

40 Extremisten in Camps ausgebildet

GdP-Chef Konrad Freiberg äußerte sich angesichts der zunehmenden Reisetätigkeit deutscher Islamisten besorgt über eine erhöhte Anschlagsgefahr in Deutschland. Es gebe Erkenntnisse über 130 gefährliche Personen, die zu Anschlägen bereit seien, sagte er in einem Interview von Reuters TV. 40 Personen seien in Terrorcamps ausgebildet worden und nach Deutschland zurückgekehrt. "Und die stellen natürlich eine konkrete Gefahr dar", betonte der Gewerkschaftschef. Man müsse mit Anschlägen rechnen. Allerdings sei die Bedrohungslage nicht neu.

Hintergrund der Äußerungen sind Berichte des pakistanischen Geheimdienstes, denen zufolge am Montag acht deutsche Islamisten bei einem Raketenangriff in einer Moschee in Mirali im Norden der Region Waziristan getötet wurden. Demnach feuerte vermutlich eine US-Drohne die Raketen ab. Die deutschen Behörden hatten nach eigenen Angaben auch am Dienstag noch keine Erkenntnisse über den mutmaßlichen Einsatz. "Wir gehen den Hinweisen nach", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Sicherheitsbehörden westlicher Staaten sehen in jungen einheimischen Islamisten schon länger eine große Gefahr, weil sie mit ihren Pässen einfacher reisen können. Etliche der Extremisten reisen nach Erkenntnissen der Behörden in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet, um sich dort in Lagern ausbilden zu lassen. Die US-Streitkräfte haben in letzter Zeit ihre Drohnenangriffe in dem Gebiet verstärkt.

Nach Erkenntnissen der USA ist die Anschlagsgefahr in Europa zuletzt gestiegen. Großbritannien sieht vor allem in Frankreich und Deutschland ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Französische Behörden hatten im September bekanntgegeben, einen Hinweis auf einen Selbstmordanschlag auf die Pariser U-Bahn bekommen zu haben. Westliche Geheimdienstquellen berichteten zudem von Plänen für koordinierte Angriffe auf europäische Städte.

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