Frankreich ringt um seine Familienpolitik

Dem erfolgreichen Modell geht das Geld aus

Bei der Geburtenrate liegen die Franzosen in Europa ganz weit vorne. Ihre Familienpolitik gilt auf dem Kontinent als Erfolgsmodell. Nun droht sie zum Opfer der Sparpolitik der sozialistischen Regierung zu werden.
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Francois Hollande kommt nicht mehr drum herum, Sozialleistungen zu kürzen. Quelle: dpa

Francois Hollande kommt nicht mehr drum herum, Sozialleistungen zu kürzen.

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ParisZum ersten Mal seit ihrem einjährigen Bestehen hat Frankreichs sozialistische Regierung Kurs genommen auf die Kürzung einer Sozialleistung – und dann doch im letzten Moment lieber die Steuern erhöht. Wieder einmal. 56,4 Milliarden Euro hat die französische Familienkasse im vergangenen Jahr ausgegeben, im laufenden werden es voraussichtlich knapp zwei Milliarden mehr sein. Für diese Steigerung gibt es allerdings kein Geld, so dass die Regierung wieder einmal vor der Frage stand: Sparen oder mehr Steuern erheben?
Sie hat sich für beides entschieden, wobei der größere Teil auf höhere Steuern entfällt. Die Regierung fürchtete, als Totengräber der erfolgreichen Sozialpolitik zugunsten des Nachwuchses angegriffen zu werden, von der Linken wie von der Rechten. Familien mit hohem Einkommen müssen künftig insgesamt gut eine Milliarde Euro an höheren Steuern zahlen. Gleichzeitig werden aber die Leistungen für Familien gesenkt, die über eine bestimmte Einkommensschwelle kommen.
Frankreich ist stolz auf seine Familienpolitik, die in ganz Europa gerühmt wird. Deshalb bemühte Premier Jean-Marc Ayrault sich am Montag auch, sein Festhalten an dieser Politik zu unterstreichen: „Wir müssen unser französisches Modell reformieren, indem wir seine Finanzierung sichern und seine Anwendung gerechter machen.“ Gelobt wird Frankreichs Familienpolitik vor allem deshalb, weil sie zu einer guten demographischen Entwicklung beiträgt. Die Franzosen werden immer mehr, während die Deutschen eine abnehmende Spezies sind. Unser Nachbarland zählt 1,99 Geburten pro Frau, während es in Deutschland nur 1,39 sind.
Dabei ist das deutsche Kindergeld etwas großzügiger. Bis zum Alter von 25 Jahren gibt es pro Kind 184 Euro. In Frankreich sind es für das erste Kind Null, für zwei 129 und für drei Kinder 293 Euro. Allerdings kommen in Frankreich bis zum Alter von drei Jahren pro Kind noch einmal 185 Euro dazu. Frankreich konzentriert seine Förderung also auf die Familien mit kleinen Kindern, Deutschland streut sie de facto bis ins junge Erwachsenenalter.

Ins Reich der Mythen gehört dagegen die Feststellung, Frankreich verfüge über eine hervorragende Kinderbetreuung. Sie ist für Kleinkinder besser als in Deutschland, beruht aber längst nicht auf einer flächendeckenden Versorgung mit Kinderkrippen, wie in der Bundesrepublik oft angenommen wird. Nur eine von zehn Familien findet einen Krippenplatz. Die anderen behelfen sich mit anderen Methoden der Betreuung, meist mithilfe von Tagesmüttern. Um die bitteren Pillen der Steuererhöhungen und der Leistungskürzungen besser aufnehmen zu lassen hat Ayrault gleichzeitig versprochen, 275 000 zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen.
Deren Finanzierung allerdings liegt noch ein wenig im Dunkeln. Denn als Quelle werden dieselben Mittel angegeben, die bereits das Defizit in der Familienkasse schließen sollen: Die Einschränkung des Familiensplittings und die Leistungskürzungen. Die betreffen alle Alleinverdiener-Paare mit einem Einkommen über 3250 Euro im Monat und Doppelverdiener, die mehr als 4000 Euro erreichen. Wer über dieser Schwelle liegt, dessen Leistungen werden um die Hälfte gekürzt. Bei den „Besserverdienern“ kumulieren sich also die Effekte aus höheren Steuern und verringerter Familienförderung. „Wir müssen an die besonders begüterten Familien appellieren, um unser Sozialmodell bezahlbar zu halten“, drückte Ayrault sich euphemistisch aus: Der „Appell“ des Staates lässt sich nicht ablehnen.

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  • Eine Problematik die sich durch den Feminismus ergibt ist dass immer mehr Frauen einen hohen Bildungsabschluss erreichen und dann ähnlich der Männer verdienen. Die wenigsten Frauen mögen nach unten heiraten.

    Vandale, sind Sie Anhänger der Taliban? Ihre Meinung erscheint doch beinahe unterirdisch. Wollen Sie jetzt den Frauen die Ausbildung verbieten? Wie kommen Sie denn da drauf, dass die wenigsten Frauen nach unten heiraten wollen? Wenn ich in meinem Bekanntenkreis schaue, dann haben die Frauen durchschnittlich immer die bessere Ausbildung - und Sie sind verheiratet mit KIndern. Also würde ich das mal nicht so pauschlisieren. Eine Frau, die selbst vorsorgen kann, braucht nicht mehr darauf zu achten, was der Mann verdient. Dann gelten einfach andere Kriterien bei der Selektion und dass Talibananhänger da durchfallen, erscheint natürlich.

  • Merkel hat ja die Sozialleistungen anderer Länder kritisiert.Müssen sich nun die anderen Länder Deutschland anpassen, oder muss sich Deutschland den anderen anpassen??? Deutschland kann mit seiner überflüssigen Agenda 2010, mit dem Rentenbetrug, mit Leih- und Zeitarbeit, mit Niedriglöhnen, mit entwerteten Vorsorgen niemals mehr Vorbild sein. Die Rot-Grünen in Deutschland leiden heute noch massiv unter Wählerschwund wegen der Sozialbetrügereien.

  • XYZ..ich bin ein paar Jahre älter als Sie und habe 4 Kinder...Eine Problematik die sich durch den Feminismus ergibt ist dass immer mehr Frauen einen hohen Bildungsabschluss erreichen und dann ähnlich der Männer verdienen. Die wenigsten Frauen mögen nach unten heiraten. Bei gleichem Einkommen wird die Problematik des Ausfalls eines Verdieners dann schwieriger.

    Meine erste Gattin hatte seinerzeit 1/2 meines Nettoeinkommens, meine 2 Gattin 1/3. Damit war die Alleinverdienerehe dann relativ unproblematisch. Später haben wir dann in Ländern gewohnt die mein Einkommen erträglich besteuert haben. Das war der Alleinverdienerehe sehr zuträglich.

    Vandale

  • @xyz: Sie unterstellen mir, dass ich für Vollzeit plädiere. Dies habe ich jedoch nicht getan. Ich habe für Kinderbetreuung plädiert, so dass Frauen arbeiten gehen können.

    Dann Zitat: Die meisten Frauen verdienen selbst mit Vollzeit nicht mal 1200 Euro netto -- vergessen sie das nicht. Die fallen so oder so in Altersarmut und brauchen dringend das Kindergeld.

    Altersarmut bei Frauen lässt sich nicht mit Kindergeld lösen. Wenn Sie sich jedoch was auf die Seite legen können, dann schon eher. Warum veridienen Sie so wenig? Hat das nicht auch teilweise mit kinderbedingten Brüchen im Lebenslauf zu tun?

    Natürlich braucht es Löhne, die ausreichen, um Kinder grosszuziehen und die Substitution mit Hartz4 ist eine perfide Sache. Genau davon muss man weg, wenn man unter normalen Umständen Kinder im Land möchte. Es kann doch nicht sein, dass Leute zum Sozialfall werden, weil sie Kinder bekommen. So ein System ist doch pervers.

    Frage: würden Sie evtl. auch ohne Partner Kinder bekommen, wenn Sie wüssten, dass es finanziell machbar wäre, also wenn die Kombination arbeiten und Kinder erziehen relativ problemlos mÖglich wäre?

  • Nimm dir nen schwulen, anonymen Samenspender. Bist du alle Probleme los ;-)

  • Das sind aber größtenteils Migrantenkinder. Fraglich ist, ob das für Frankreich so "erfolgreich" ist, oder ab das in den Vororten nicht Folgekosten nach sich zieht. Denn die Integration klappt in Frankreich noch weniger als in Deutschland. Abschauen muss man sich das nicht.

  • die Zeiten sind für einen Verdiener nicht mehr gegeben:

    wissen sie, wer in DE noch viele Kinder hat? Die Gutverdiener und die Hartzer! Bei beiden kann es sich die Mutter leisten, nur Teilzeit oder gar nicht zu arbeiten.

    in Ost-DE hingegen, wo man ihr bevorzugtes Modelll (beide Vollzeit) lebt, dominiert mittlerweile die alleinerziehende EinKindFamilie.

    der Einfluss scheint also nicht so groß zu sein: dort gibt es flächendeckende VollzeitKitas und Vollzeitmütter. Wieviele Kinder haben diese?!

    Es liegt dort an den finanziellen Gründen! Die Einkommen sind zu niedrig.

    Die meisten Frauen verdienen selbst mit Vollzeit nicht mal 1200 Euro netto -- vergessen sie das nicht. Die fallen so oder so in Altersarmut und brauchen dringend das Kindergeld.
    Die Sorgen dieser Frauen sind finanzieller Natur.

    wissen sie, wer in Frankreich die meisten Kinder bekommt?!

    1. Frauen mit Teilzeitarbeit im Öffentlichen Dienst.
    2. Frauen mit gutverdienenden Männern.

    nicht viel anders als hier --- hinzu kommen dann die, die eh von Sozialhilfe leben. Die Mitte dazwischen bleibt öfter kinderlos.

    Alleinerziehende brauchen dringend das Kindergeld - es ist das steuerliche Existenzminimum des Kindes und hat selbstverständlich auch mal zu steigen.

  • vergessen sie aber nicht: die meisten Mütter wollen nur Teilzeit arbeiten. Jemanden Ganztagssschulen und Ganztagsplätze aufzudrängen bringt nix!!!! Selbst meine Bekannten die Akademikerinnen sind - egal ob alleinerziehend oder nicht WOLLEN TEILZEIT arbeiten!!! Sonst holt man sich keine kinder, wenn man keine Zeit damit verbringen kann.

    ich kenne nicht eine Frau in meinem Bekanntenkreis - die mit Ausnahme von der Rentennot - freiwillig Vollzeit arbeitet, wenn sie mutter ist. Alle wollen ZEIT mit den Kindern verbringen ODER müssen noch den Haushalt führen --- eine Dreifachbelastung: Kind, Haushalt und Vollzeitarbeit will fast niemand!

    hier im ort gab es eine gebundende! Ganztagsschule bis 16.30 h -- das konzept lief nicht, kaum einer meldetete sein kind dort an: der Grund: bis 16.30 h war den Eltern zu lang. Die wollten eine offene Schule und nachmittags ZEIT mit den Kindern verbringen.

    auch in Frankreich wollen immer mehr Frauen wieder Teilzeit arbeiten. Vollzeit in FRankreich ist 35 StdWoche, nicht 42.

    Vorbildlich ist Holland: Teilzeit als Rechtsanspruch, immer mehr Männer UND Frauen machen Teilzeit UND Familienbetreuung. Man muss den menschen kein Lebensmodell aufdrängen, das machen die da freiwillig. Hat den angenehmen Nebeneffekt, dass eh nicht mehr genug Arbeit vorhanden ist und so umverteilt werden kann.

    Wie sollen denn alle Vollzeitarbeit finden?? Im ländlichen Raum arbeitet jede 2. Frau nur noch Minijobs, weil nicht genug zu tun ist.

    es gbit nicht genug Arbeit für alle - erst Recht nicht Vollzeit. Dann hätten wir 13-14Mio offen arbeitslose.

  • Durch Kinderbetreuuung wird auch nicht ein kind mehr geboren in DE. DE hat grundsätzlich einen niedrigeren Kinderwunsch. Es gibt eine Umfrage dazu: über 60% sind kinderlos, nicht weil Kinderbetreuung fehlt, sondern schlichtweg der GEEIGNETE Partner. Nur 11% sagten, sie würden bei besserer Kinderbetreuung NOCH ein Kind bekommen.

    in keinem Land bleiben so viele Frauen grundsätzlich kinderlos wie in DE.

    Die Franzosen können besser flirten und sich besser liieren. Die Deutschen finden keine Partner. Banaler kann ein Grund nicht sein, warum viele kinderlos sind.

    ich hätte schon längst ein Kind gehabt, mir fehlt der Partner!!

    w, 35, kinderlos, schlank

    (in DE hilft nicht mal gutes Aussehen, es scheint hier auch Männerunterversorgung im urbanen Raum zu geben)

  • Vandale,

    Ihr Kommentar der Promotion eines Modelles das bis in die 60'er Jahre gültig war, ist doch reichlich veraltet und schliesst nicht mehr an die heutige Zeit an. Damals gab es zB. auch wesentlich weniger Scheidungen, Verhütungsmittel wie Pille war erst im Kommen.

    Was auch falsch ist, ist die Geburtenrate in F ausschliesslich den nordafrikanischen Einwanderern zuzuschreiben.

    Alle Leute, die ich in Frankreich kenne (und das sind doch etliche) haben Kinder. Alle Leute, die ich in Deutschland kenne, ausser einer Ausnahme, haben keine Kinder. Das hat alles mit KInderbetreuung zu machen. Zumindest ist dies, was mir die Leute erzählen. Ja, es gibt auch in Frankreich Engpässe und die Schulen könnten auch in Frankreich besser sein, aber im Vergleich zu Deutschland ist es das Paradies für Familien. Somit stimme ich in diesem Punkt dem Artikel ausdrücklich nicht zu. Tagesmütter sind keine Behilfsmassnahme, sondern eine äquivalente Art der Kleinkindbetreuung im Vergleich mit Kribben sogar oft besser.

    Diese ganze Kindergelderhöhungsgeschichte ist Unfug, wie eben auch der länderübergreifende Vergleich des Kindergeldes zeigt, weil viele Länder mit wesentlich niedrigerem Kindergeld höhere Geburtenraten haben. Doch was gibt es da? Kinderbetreuung. Entweder durch die Familie oder aber in Kindergärten oder Kribben/Tagesmütter.

    Wenn Deutschland wieder mehr Kinder will, dann ist an diesem Punkt anzusetzen. Die Zeiten um mit einem Verdiener rumzukommen, sind für viele Familien nicht mehr gegeben. Es ist oft eine Notwendigkeit, dass Frauen hinzuverdienen müssen oder aber sich bewusst für eine Arbeit entscheiden, weil die Scheidungsquoten doch beträchtlich sind. Immerhin haben viele Frauen lange und hart dafür gelernt. Es gibt keinen Grund, diesen Frauen das Kinderbekommen zu verbieten oder mies zu machen. Intelligenz hat ja auch eine erbliche Komponente, neben der sozialen. Und viele intelligente Frauen finden es zu Hause einfach zu langweilig.

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