Frankreich
Saboteure legen TGV-Strecken lahm

In Frankreich haben Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch zeitgleich vier Bahnstrecken des Hochgeschwindigkeitszuges TGV sabotiert - kurz vor Wiederaufnahme des streikbedingt lahm liegenden Betriebes. Selbst die Gewerkschaft ist entsetzt.

HB PARIS. Weil Stromkabel gekappt und Signalanlagen beschädigt wurden, kam es zu ein- bis dreistündigen Verspätungen auf den Strecken von Paris nach Straßburg, zum Atlantik, nach Norden und in den Südosten. Die Bahngesellschaft SNCF sprach von unverantwortlichen Aktionen gegen die Wiederaufnahme des Verkehrs und erhob Anzeige. Auch der Chef der Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault, verurteilte die „untragbaren Sabotageakte“ während des laufenden Konfliktes.

Am Mittwochmorgen starteten bei der Pariser Verkehrsgesellschaft RATP die lange erwarteten Verhandlungen unter Beteiligung eines Regierungsvertreters. Darin soll es um Kompensationen für die Anhebung der Lebensarbeitszeit der Bahn-Beschäftigten um zweieinhalb auf die üblichen 40 Jahre gehen. Alle Gewerkschaften bis auf Sud-Rail beteiligten sich. Allerdings folgten sie der Aufforderung von Arbeitsminister Xavier Bertrand zunächst nicht, ihre Mitglieder zur Rückkehr an die Arbeit aufzurufen. Trotz allmählich sinkender Streikbereitschaft ist der Verkehr weiterhin massiv gestört. In Paris fielen zahlreiche Metros aus. Am achten Tag in Folge bildeten sich lange Staus im Land.

Am Vorabend hatte sich Präsident Nicolas Sarkozy erstmals seit Tagen öffentlich zum Streik geäußert. Er signalisierte den Gewerkschaften Unnachgiebigkeit bei den Reformen, zeigte sich aber offen für Ausgleichsregelungen. Vor seinen Mitarbeitern äußerte sich Sarkozy nach einem Bericht des Enthüllungsblatts „Le canard enchaîné“ deutlicher: „Wenn der Konflikt sich zuspitzt, was ich nicht glaube, dann wird es eben Krieg geben. Es ist mir egal, ob man mich mit (der früheren britischen Premierministerin) Margaret Thatcher vergleicht. Immerhin wurde sie drei Mal in Folge gewählt“, sagte er.

Bisher können Lokführer im Schnitt mit 50, Angestellte anderer Staatsunternehmen mit 55 in Rente gehen. Die Gewerkschaften verteidigen diese Privilegien mit dem Hinweis auf niedrige Löhne und harte Arbeitsbedingungen.

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