Frankreich
Sarkozy macht den Schröder

Am Dienstag verlässt Nicolas Sarkozy den Elysee-Palast. Dann kann er sich ganz Carla Bruni und der Mehrung seines Vermögen widmen. Als erstes lässt er seine Anwaltslizenz aufleben. Aber das ist nur der Anfang.
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ParisWenn Nicolas Sarkozy nächste Woche aus dem Amt scheidet, wird er tun, was schon so viele ehemalige Staatschefs vor ihm getan haben: sich der Mehrung seines Vermögens widmen. Der erste Schritt: Er lässt seine alte Anwaltszulassung in Paris wieder aufleben, wie sein Kommunikationschef Franck Louvrier bestätigt hat. Die Lizenz musste er ruhen lassen, als er politische Ämter übernahm. Behalten aber hat er die ganzen Jahre lang über seine Beteiligung an der Kanzlei seines Partners Arnaud Claude, die auf Immobilien- und Handelsrecht spezialisiert ist. Claude lehnt es ab, sich über seine mögliche künftige Zusammenarbeit mit Sarkozy zu äußern.

Ob der sich mit einem reinen Anwaltsdasein begnügen wird, ist zweifelhaft. In Paris nimmt man an, dass der frühere Staatspräsident dies nur als Standbein nutzt und eine Tätigkeit für eine der großen französischen Gruppen sucht.

Martin Bouygues, Chef des gleichnamigen Konglomerats, das mit dem Fernsehsender TF 1, Bouygues Télécom und dem in den Schwellenländern sehr gut vertretenen Baugeschäft in vielen Branchen aktiv ist, kennt Sarkozy seit seinen ersten Schritten in der Politik als Bürgermeister von Neuilly.

Einen sehr ähnlichen Weg war Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gegangen, der seit seiner Abwahl als Rechtsanwalt und Vertreter internationaler Verlage, Banken und Energiekonzerne aktiv ist.

Eine weitere Alternative für Sarkozy ist die Gruppe von Vincent Bolloré. Auf dessen Yacht hatte Sarkozy ein paar Tage Urlaub verbraucht, nachdem er 2007 frisch gewählt war. Diesen Ausflug hat ihm die französische Öffentlichkeit nie verziehen, doch in seinem neuen Leben ist die Freundschaft Gold wert. Bollorés Gruppe - Logistik, Energie und Medien sind nur einige ihrer Aktivitäten - zählt zu den 500 größten der Welt und kauft sich derzeit bei Vivendi ein.

Der baldige Ex-Präsident ist nicht um Gelegenheiten verlegen, künftig deutlich mehr Geld zu verdienen als die 18?700 Euro monatlich, die ihm der Staat zahlte. Seinen Wechsel bereitet er allerdings geschickter vor, als man hätte vermuten können: Er lässt immer noch offen, ob er sich wirklich völlig aus der Politik zurückziehen wird, und tritt damit dem Verdacht entgegen, "künftig nur noch dick Kohle machen" zu wollen, wie seine Kritiker, etwa der Grüne Daniel Cohn-Bendit, es ihm schon vorwerfen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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