Frankreich
Sarkozys Traum von „Grand Paris“

Frankreichs Präsident stellt seine Pläne für eine Umgestaltung der Hauptstadt vor – und verheddert sich im Klein-Klein der Gebietskörperschaften. Hat Nicolas Sarkozy genug Macht, um Paris zu modernisieren?

PARIS. Hinter grünen Bäumen einer parkähnlichen Landschaft lugen moderne Wolkenkratzer empor. Ihre Außenwände schmücken bepflanzte Balkons, auf der Spitze des Dachs dreht sich hier und da ein Windrad. Dieses neue Geschäftsviertel thront auf einer künstlichen Insel mitten in der Seine bei Vitry, im Süden von Paris – so jedenfalls stellt sich das Roland Castro vor.

Castro ist einer von zehn renommierten Architekten, die bei Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ihre Vorstellungen eingereicht haben, wie aus der französischen Hauptstadt „Grand Paris“ werden soll. Der Staatschef trommelte zehn Teams aus Architekten, Stadtplanern, Meteorologen und Künstlern zusammen; sie sollten sich Gedanken darüber machen, wie eine „Nach-Kyoto-Metropole“ aussehen kann.

Paris solle „voll und ganz seinen Platz unter den Weltstädten einnehmen, die Motor der Entwicklung sind“, begründete Sarkozy den Vorstoß. Gestern eröffnete er die Ausstellung, auf der die Entwürfe zu sehen sind, wie Paris 2030 aussehen könnte. Doch keiner der Entwürfe wird umgesetzt – Sarkozy sammelt erstmal nur Ideen. Konkret gebaut werden soll aber unter anderem eine Art Super-Metro, die auf 130 Kilometern ganz Paris umkreist. Kosten: rund 21 Mrd. Euro. Baustart: 2012.

Paris zur Welthauptstadt zu machen – diesen Traum haben Frankreichs Staatslenker seit der französischen Revolution. Napoleon dachte noch daran, als er längst auf Sankt Helena in der Verbannung schmorte.

Sein Neffe Napoleon III. war es dann, der diesem Ziel am nächsten kam. Er war beeindruckt von den großen, sauberen Straßen Londons. In Paris dagegen waren die Straßen eng und muffig. Gemeinsam mit dem Pariser Präfekten Georges Eugène Haussmann ging der Regent daran, von 1850 bis 1870 Paris ein neues Gesicht zu geben. Haussmann war ein Fan von großen, geraden Achsen, die der Stadt Struktur geben. Ohne Rücksicht ließ er dafür alte Viertel und auch Kirchen abreißen, um Platz für breite Boulevards zu schaffen, wie die berühmte Prachtmeile „Champs-Elysée“. Neubauten mussten fortan einer einheitlichen, schlichten Architektur folgen. So verwandelt, bezeichnete der Philosoph Walter Benjamin Paris später als „Hauptstadt des 19. Jahrhunderts.“

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