Frankreich
Schlösser-Schlussverkauf

Frankreich braucht Geld – zumindest möchte das Land gerne die enorme Last der Staatsschulden verringern. Nun wird, recht klassisch, das „Tafelsilber“ verkauft: Staatseigene Immobilien, darunter prachtvolle Schlösser, werden derzeit veräußert. Gar keine schlechte Idee, denn die US-Immobilienkrise wirkt sich nicht auf Frankreich aus – im Gegenteil.

PARIS. Die blau-gelben Designersessel bilden einen feinen Kontrast zum Charme des Altertümlichen, den das große Büro in der ersten Etage im „Hôtel Montesquiou de Fézensac“ aus dem Jahr 1779 versprüht: Das Parkett knarzt bei jedem Schritt. An den fünf Meter hohen Decken glitzern Kronleuchter. Die Seitenwand füllt fast vollständig eine historische Weltkarte in Öl auf Holz. Und ihr gegenüber lädt eine Fensterfront zum Blick auf den 3 600 Quadratmeter großen Garten ein. So edel residiert Jean-Marie Bockel, Staatssekretär im Außenministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Francophonie. Noch.

Denn so frankophon Bockel auch sein mag, seinen historischen Amtssitz soll er in Kürze räumen. Er steht zum Verkauf. „Außergewöhnliche Immobilie im siebten Arrondissement – 20 rue Monsieur – 43/47 Boulevard des Invalides“ preist das Finanzministerium derzeit in ganzseitigen Anzeigen in nationalen wie internationalen Zeitungen und Magazinen an. Gebote können bis zum 27. September abgegeben werden.

Der französische Staat schiebt einen Schuldenberg von über 1 000 Milliarden Euro vor sich her; gleichzeitig besitzt Frankreich 28 000 Gebäude und Grundstücke mit einem geschätzten Gesamtwert von gut 44 Milliarden Euro. Da liegt es nahe, unnütze Liegenschaften zu Geld zu machen. Denn von einer Krise ist Frankreichs Immobilienmarkt weit entfernt. Der US-Markt mag in Trümmern liegen, in Frankreich dagegen erwarten Experten auch dieses Jahr steigende Preise.

Zeit für Sentimentalitäten ist da nicht: Das Angebotsspektrum reicht vom Stadt-Schloss wie dem „Hôtel Montesquiou de Fézensac“ über Kasernen bis hin zu Waldgrundstücken. Einziges Problem: Nicht jeder Bewohner will sich so einfach vor die Tür setzenlassen.

Allein im vergangenen Jahr brachten die Verkäufe 800 Millionen Euro ein. Der schnelle Euro sei indes nicht das Ziel, versichern die Verantwortlichen: „Die Verkäufe sind Teil der Politik, den Immobilienbestand effizienter zu verwalten“, sagt Marc Gazave von France Domaine. Seine Abteilung im Finanzministerium managt das Immobilienvermögen des Staates. Die historischen Bauten strahlen zwar Prestige aus, sind aber furchtbar unpraktisch und damit teuer, nutzt man sie als Büros.

Die Büros von Marc Gazave strahlen dagegen kein Prestige aus, dafür sind sie umso zweckmäßiger: Statt fünf Meter hohe Decken haben sie cremefarbene Seitenwände, die sich verschieben lassen. Den Blick aus dem Fenster versperrt das durchdesignte Hauptgebäude des Finanzministeriums. „15 Prozent der Verkaufserlöse gehen in den Schuldenabbau. Der Rest steht dem betroffenen Ministerium oder Verwaltungszweig zur Verfügung, um modernere und kosteneffizientere Gebäude anzuschaffen“, führt der schlanke Mittvierziger aus.

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