Frankreich
Segolene Royals Wirtschaftsberater geht im Streit

Die französische Sozialistin Segolene Royal hat in ihrem Kampf um die Präsidentschaft einen neuerlichen Rückschlag erlitten. Ihr Wirtschaftsberater Eric Besson kündigte im Streit über die Wahlkampfstrategie seine Mitarbeit auf. Damit verliert die vor allem in der Regionalpolitik profilierte Kandidatin eine wichtige Stütze.

HB PARIS. Besson sei wegen eines Streits mit Parteichef Francois Hollande gegangen, sagte Jean-Louis Bianco, ein enger Berater Royals am Donnerstag. „Es war eine Sache zwischen diesen beiden. Es ging um die Methoden, die Taktik in bestimmten Momenten des Wahlkampfs.“ Hollande ist zugleich der Lebensgefährte Royals und der Vater ihrer vier Kinder. Zum Nachfolger Bessons wurde der frühere Finanzminister Michel Sapin ernannt.

Besson fiel der Diskussion über die Kosten der „100 Vorschläge“ zum Opfer, die Royal am Sonntag in großem Rahmen als ihr Präsidentschaftsprogramm Rahmen präsentiert hatte. Von den Konservativen als verschwenderisch kritisiert, nannte Besson am Montag einen Finanzrahmen von 35 Milliarden Euro für die Umsetzung der Pläne. Dafür erntete der oberste Wirtschafts- und Steuerexperte der Sozialisten wiederum scharfe parteiinterne Vorwürfe. Die Diskussion darüber überschattete schnell die eigentlichen Inhalte des Programms.

Royals Kritiker fühlen sich durch die Personalie Besson in dem Vorwurf bestätigt, die linke Spitzenpolitikerin sei zu unprofessionell, um eine ernsthafte Herausforderung für den konservativen Rivalen Nicholas Sarkozy zu sein. Zudem zeigten vier Meinungsumfragen seit Sonntag, dass es Royal nicht gelungen ist, mit ihrer programmatischen Rede zu Sarkozy aufzuholen. Zwei Monate vor der Wahl liegt die linke Hoffnungsträgerin um sechs bis acht Prozentpunkte hinter ihrem Rivalen.

Die Affäre ist nicht der erste Ausrutscher, den sich Royal in ihrem Wahlkampf leistet. Mit widersprüchlichen Aussagen stiftete sie wiederholt Verwirrung über ihre innen- und außenpolitischen Positionen. Zudem ist der Rücktritt ein weiterer Beleg für den zerstrittenen Eindruck, den die sozialistische Partei seit Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs hinterlässt.

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