Frankreich
Tourismus in Not

Leben wie Gott in Frankreich: Beim Tourismus-Weltmeister ging es stets bergauf. Doch nun macht die Terrorserie dem Land einen Strich durch die Rechnung. Wer zahlt die Zeche?

ParisVor den Pariser Hotelpalästen drängeln sich immer noch die Luxuslimousinen. Doch Tourismus-Verantwortlichen der stolzen und vielbesungenen Hauptstadt ist überhaupt nicht zum Jubeln zumute, sie sprechen von einer Krise, einer Katastrophe. Nach einer beispiellosen Terrorserie im Land mit vielen Toten machen insbesondere US-Amerikaner, Briten, Italiener, Deutsche oder Chinesen einen Bogen um die französische Kapitale.

Im ersten Halbjahr gab es bei den Ausländern im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 9,9 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht. Die Region will nun international in die Offensive gehen.

„Sicherheit ist Thema Nummer Eins“, resümiert der Präsident des regionalen Tourismus-Ausschusses, Frédéric Valletoux. „Wir wollen zeigen, dass Paris eine sichere Stadt ist. Ausnahmezustand bedeutet nicht Kriegszustand.“ Schnäppchen können vielleicht helfen: Hoteliers senken Zimmerpreise, bei Fünf-Sterne-Häusern - der obersten Kategorie – winken Rabatte von 25 bis 45 Prozent. Verantwortliche sorgen sich vor allem um die zahlungskräftige Kundschaft aus Übersee. Denn Franzosen und Europäer halten oft an ihren Reisen fest.

Nadine Kahnt und Clemens Hötzer aus der Schweiz haben im Innenhof des Louvre-Museums bei über 30 Grad Hitze eine Pause eingelegt. Kahnt war zuletzt vor zwei Jahren in Paris. „Es ist schon anders“, meint sie. Hötzer weist auf häufige Taschenkontrollen an öffentlichen Orten hin. Eine Absage der Reise kam aber für sie nicht in Frage, auch nicht für eine Studentengruppe aus der Schweiz, die Kahnt betreut.

Den Großraum Paris trifft es bei der Tourismus-Bilanz besonders hart. Die Provinz mit langer Mittelmeer- und Atlantikküste hat die Anschläge in Paris vom November 2015 mit 130 Toten und das Nizza-Attentat vom Juli mit 86 Opfern offensichtlich besser überwunden.

Seit Jahresanfang verringerte sich die Zahl der ausländischen Gäste im ganzen Land um sieben Prozent, rechnet Außenminister Jean-Marc Ayrault laut Nachrichtenagentur AFP vor. Der Ex-Premier führt nicht nur die Terrorfolgen an, sondern auch Streiks und das schlechte Wetter in der ersten Jahreshälfte.

Ayrault will Anfang September erneut den neu geschaffenen Tourismus-Notausschuss zusammenrufen, um über die Lage zu beraten. Fremdenverkehr ist Chefsache, denn es geht um Einfluss und viel Geld.

Die Branche bietet zwei Millionen Arbeitsplätze und trägt rund acht Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Noch im vergangenen Jahr schnitt Frankreich bestens ab - und verteidigte seinen weltweiten Platz Eins mit 84,5 Millionen ausländischen Besuchern.

Nun hofft die Branche nun auf Hilfe; versprochen sind schon länger Fristverlängerungen für das Zahlen von Sozialabgaben und Steuern und die Möglichkeit von Teilzeitarbeit.

Bisher sucht das terrorgeplagte Frankreich allein nach Rezepten, um die Folgen der Terrorattentate zu überwinden. Vielleicht würde sich eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit anbieten, denn auch Brüssel klagt über einen Tourismuseinbruch. In der belgischen Hauptstadt hatten islamistische Selbstmordattentäter im März 32 Menschen ermordet. Der Pariser Tourismus-Experte Valletoux meint, dass Touristen aus Asien ohnehin wenig auf europäische Binnengrenzen achten. „Nizza, Paris, Brüssel, für sie ist das derselbe Bereich.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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