Frankreich und das Geschäftsklima: Mittelmäßige Aussichten

Frankreich und das Geschäftsklima
Mittelmäßige Aussichten

Deutsche Unternehmen haben zwar ein besseres Frankreich-Bild als noch vor zwei Jahren. Doch nur die Hälfte würde sich wieder für ein Investment dort entscheiden. Ein altbekanntes Thema trübt die Geschäftsaussichten.
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ParisDie in Frankreich vertretenen deutschen Unternehmen beurteilen die wirtschaftliche Lage des Landes in diesem Jahr deutlich besser als noch 2014. Wirklich gut ist die Bewertung aber noch lange nicht. 41 Prozent halten die Lage für gut oder befriedigend. Vor zwei Jahren waren es nur 19 Prozent. Für die nächsten sechs Monate sehen 70 Prozent „ermutigende“ oder stabile Aussichten, vor zwei Jahren waren das nur 48 Prozent.

Alle zwei Jahre befragt die deutsch-französische Handelskammer in Paris in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung EY rund 900 deutsche Unternehmen, die in Frankreich investiert haben. Insgesamt sind es gut 3.000, die im Nachbarland ansässig sind. Seit 2011 gab es 445 größere Investitionsprojekte in Frankreich, damit ist Deutschland nach den USA der zweitgrößte Investor im Nachbarland.

Doch längerfristig haben sich die Erwartungen nicht wirklich verbessert. 2014 sahen 35 Prozent der in Frankreich vertretenen deutschen Unternehmen ermutigende Perspektiven, heute sind es nur noch 34 Prozent. Um sieben Prozentpunkte auf 50 Prozent gestiegen ist die Zahl derer, die stabile Erwartungen haben.

Trotz der insgesamt verbesserten Beurteilung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwarten nur 37 Prozent der Unternehmen höhere Gewinne, nur ein knappes Drittel rechnet mit steigenden Investitionen und Einstellungen. Auffällig ist, dass ein sehr großer Anteil der insgesamt vertretenen deutschen Unternehmen bereits sehr lange – seit 1970 oder früher – in Frankreich arbeitet. „Frankreich ist den deutschen Unternehmen schwer zu erklären“, urteilt Jörn Bousselmi, Hauptgeschäftsführer der Kammer.

Doch seit der Jahrtausendwende ist nur ein knappes Viertel neu dazugekommen. Wer einmal im Land arbeite, sehe aber, dass es funktioniere und bleibe. Alarmierend ist allerdings eine Zahl: Nur gut die Hälfte derjenigen, die den Sprung über die Grenze gewagt haben, würde es heute wieder tun.

Die Vorteile, die deutsche Firmen Frankreich zubilligen, haben sich kaum verändert: Ein großer, homogener Markt für technologisch anspruchsvolle Güter mit ausgezeichneter Infrastruktur, sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte und ein hohes technologisches Niveau. In den eigenen Unternehmen arbeiteten die französischen Teams „reaktionsschnell und flexibel“. Es sei leicht, hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu rekrutieren. Auf besonderes Interesse stößt mittlerweile die lebhafte französische Start-up-Szene, aus der mögliche Kooperationspartner für deutsche Unternehmen entstehen. In der Kombination von gebremstem Lohnanstieg und den für bestimmte Unternehmen etwas gesenkten Sozialabgaben habe Frankreich der Umfrage zufolge kostenmäßig an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland gewonnen.

Dagegen werden dem Nachbarland sein insgesamt unflexibler Arbeitsmarkt, vor allem was die Arbeitszeit angehe, und ein sehr teures Sozialsystem angekreidet, das keine bessere Wirkung erziele als andere Länder, die mit geringeren Kosten auskommen. Die berufliche Bildung entspreche immer noch nicht den Anforderungen. Wirtschaftliche Fragen würden zu oft ideologisch und nicht genügend pragmatisch behandelt, werfen viele Unternehmen dem Land vor.

In der Gesamtbewertung der Standorte ist Frankreich 2016 im Vergleich zu 2014 sogar noch einen Rang zurückgefallen – nämlich auf Position elf und rangiert damit nun hinter Italien. Allerdings ist es kompliziert, diese Zahlen richtig zu interpretieren. Der Grund: Wahrgenommene Attraktivität und tatsächliche Investitionsentscheidungen klaffen auseinander. Bei wichtigen Industrieprojekten entschieden sich die Investoren 2011 bis 2015 in 212 Fällen für Frankreich als Standort, danach rangierte Großbritannien mit 183 und erst dann Deutschland mit 142.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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