Frankreich und der nächste Anschlag

„Wir sind untröstlich – aber auch stark“

Frankreichs Präsident Hollande spricht von einem Terroranschlag in Nizza. Er kündigt Härte an, um die „Geißel des Terrorismus“ zu bekämpfen. Frankreich werde die Angriffe auf den IS in Irak und Syrien ausweiten.

Hollande will Luftangriffe in Syrien fortsetzen

ParisEin Wort taucht am Freitag morgen auf Frankreichs Tageszeitungen auf: „Horror.“ Es beschreibt das Gefühl in Frankreich nach dem grausamen Anschlag in Nizza mit bisher 84 Toten und 18 Schwerverletzten. „Horror in Nizza“, schreibt „Le Parisien“ auf der Titelseite und „Horror, schon wieder“, heißt es bei „Le Figaro“. Die Tageszeitung aus Nizza, „Nice Matin“, titelt „Massaker“. Eine ganze Nation steht unter Schock.

Nachdem die Fußball-EM mit höchsten Sicherheitsmaßnahmen überstanden war, ohne dass es zu Attentate auf Menschenmengen gekommen war, atmeten alle auf. Doch nun, ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, kam es zu einem neuen Anschlag.

Die Brutalität des Anschlags – dass der Lastwagenfahrer zwei Kilometer durch eine Menschenmenge auf der Strandpromenade rast – entsetzt alle. Die Menschen hatten vorher den Nationalfeiertag gefeiert, als es nach 22.30 Uhr nach dem Feuerwerk zur Katastrophe kam.

Frankreichs Präsident François Hollande hat sich noch in der Nacht in einer Fernsehansprache zu Nizza geäußert und sprach von einem Terroranschlag. Er war sichtlich schockiert, als er sagte: „Frankreich wurde an seinem Nationalfeiertag getroffen, dem Symbol der Freiheit.“

An dem Tag wird der Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 gedacht, die als Beginn der französischen Revolution gilt. Hollande betonte den terroristischen Charakter des Anschlages und erklärte: „Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terrorismus zu bekämpfen.“ Der Ausnahmezustand, der eigentlich am 26. Juli enden sollte, soll um drei Monate verlängert werden. Soldaten und Reservisten sollen zusätzlich für ganz Frankreich mobilisiert werden. Das Personal an französischen Grenzen soll aufgestockt werden. „Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht.“

„Ein Tag des Stolzes ist ein Tag der großen Trauer geworden“
Frankreichs Präsident François Hollande nach den Attentaten
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„Frankreich wurde an seinem Nationalfeiertag angegriffen, der die Freiheit symbolisiert. Nichts kann uns dazu bringen, im Kampf gegen den Terrorismus nachzulassen. Wir werden unsere Aktionen im Irak und in Syrien stärken. Wir werden diejenigen treffen, die uns auf unserem eigenen Boden angreifen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel
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„Deutschland steht im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs. Wir alle sind vereint in der Fassungslosigkeit über den mörderischen Anschlag in Nizza“, sagte Merkel. Frankreich sei am Nationalfeiertag vom Terror getroffen worden, einem Tag, „der ein Tag des Stolzes ist und nun ein Tag der großen Trauer geworden ist“.

Bundespräsident Joachim Gauck
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„Der 14. Juli, der Tag an dem Frankreich seinen Nationalfeiertag begeht, steht für die Werte der Französischen Revolution, die auch unsere Werte sind. Ein Angriff auf Frankreich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière
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„Dieses barbarische Morden muss endlich ein Ende haben. Unsere Freundschaft zum französischen Volk wird in Trauer, Zorn und Entschlossenheit noch tiefer.“

SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf Twitter
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„Es sind furchtbare Bilder, die uns aus Nizza erreichen. Unsere Gedanken sind bei den Freunden und Angehörigen.“

Außenminister Frank-Walter Steinmeier über das Auswärtige Amt
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Ein Tag, der der Freude und dem Stolz auf die französische Nation gewidmet war, ist tragisch zu Ende gegangen und hat viele Menschen sinnlos in den Tod gerissen. Friedlich feiernde Menschen mussten sterben oder ringen ums Überleben. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und dem ganzen französischen Volk. Wir trauern mit Frankreich und stehen in diesen schweren Momenten fest an seiner Seite.“

US-Präsident Barack Obama in einer Mitteilung des Weißen Hauses
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„Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten. ... Wir wissen, dass das Wesen der französischen Republik lange über diesen verheerenden und tragischen Verlust von Leben hinaus andauern wird.“

Auf Twitter sagte Hollande, Frankreich sei untröstlich und traurig – aber auch stark. Frankreich werde immer stärker sein als die Fanatiker, die das Land treffen wollten. Der Präsident will heute nach Nizza reisen. Er kündigte auch an, die französischen Angriffe auf den Islamischen Staat im Irak und Syrien auszuweiten.

Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve reiste nach Nizza und sagte: „Wir sind in einem Krieg mit Terroristen, die uns um jeden Preis wehtun wollen.“ Der Präsident der Region und ehemalige Bürgermeister von Nizza Christian Estrosi beschrieb die Tat als „größte Tragödie in der Geschichte von Nizza.“ Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo twitterte, dass die Städte Nizza und Paris vereint sein. „Im Namen aller Pariser, unsere brüderliche Unterstützung gilt den Menschen von Nizza.“ Paris wurde 2015 von zwei Terroranschlägen getroffen, zuletzt am 13. November.

Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron twitterte: „Von ganzem Herzen bei den Opfern und ihren Angehörigen nach der niederträchtigen Attacke in Nizza. Wir werden nicht nachgeben. Mut.“
Auch der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy äußerte sich auf Twitter: „Tiefes Mitgefühl und unendliche Traurigkeit angesichts der Attacke in Nizza. Solidarität gegenüber den Bewohnern von Nizza und den Einwohnern (des Departements) Alpes-Maritimes.“

Der ehemalige Außenminister und Bürgermeister von Nizza Alain Juppé twitterte: „Fassungslosigkeit gegen über der terroristischen Barbarei, die Nizza und Frankreich im Herzen trifft. Wir sollten eine Front dagegen bilden.“

Augenzeugen des Schreckens
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