Frankreich und die Magermodels

„Size 0“ war gestern

Dünn, mager, Model: Wer in Paris, Mailand, London oder New York auf die Laufstege will, muss dürr sein. Doch Frankreich macht Schluss mit dem Magerwahn. Und führt eine ärztliche Attestpflicht ein.
Frankreich will, dass seine Models nicht mehr so dürr sind. Quelle: dpa
Magermodel beim Umziehen

Frankreich will, dass seine Models nicht mehr so dürr sind.

(Foto: dpa)

ParisOb in Paris, Mailand, London oder New York – selten sieht man so viele dürre Frauen wie bei den Fashion-Weeks. Viele Modeschöpfer weltweit schwören auf die Magermodels mit maximal „Size 0“ weil an ihnen ihre Kreationen perfekt wirken. Doch in Frankreich sollen die Storchenbeine, die man heute mit „Thigh Gap“, der Lücke zwischen den Oberschenkeln umschreibt, von den Laufstegen verschwinden. Die Nationalversammlung hat ein Gesetz dazu verabschiedet.

Die Models brauchen eine ärztliche Bescheinigung, dass sie nicht krankhaft mager sind. Wenn Dior, Louis Vuitton, Chanel, Armani oder die anderen Großen der Branche in Zukunft in Paris nicht darauf bestehen, drohen sechs Monate Gefängnis und eine Geldstrafe von 75.000 Euro. Das dürfte viele abschrecken. Nicht nur auf dem Laufsteg wird gegen die Klappergestelle mobil gemacht. Werden Fotos retuschiert und Models optisch dünner oder dicker gemacht, muss das auf den Fotos in Zukunft vermerkt werden.

Strandgefühle und irre Blicke
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US-Designer Tommy Hilfiger hat auf der New York Fashion Week mit Dünenlandschaft und Neoprenlook für Strand-Gefühle gesorgt. Die Modewoche ist bereits am 06. September gestartet und dauert noch bis zum 12. September an.

Tommy Hilfiger - Runway - New York Fashion Week Spring 2014
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Hilfiger schickte seine Models in Neopren-Anzügen, die man von Wassersportarten kennt, auf den Laufsteg.

Tommy Hilfiger - Runway - New York Fashion Week Spring 2014
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Die Badeanzüge verzierte der Designer mit einem Reißverschluss. Kontrastfarben machen jedes Teil zum Hingucker.

Thom Browne Women's - Front Row - Mercedes-Benz Fashion Week Spring 2014
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Die Shows von Designer Thom Browne sind immer etwas ganz Spezielles. Diesmal sahen die Models aus wie eine Mischung aus Comic-Bösewicht Joker und einem Zebra.

Thom Browne Women's - Front Row - Mercedes-Benz Fashion Week Spring 2014
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Um den Charakter der Outfits besonders hervorzuheben, wählte der Designer für die Vorführung einen Raum, der ebenfalls völlig in weiß gehalten war. Den Zuschauern sollte so das Gefühl einer psychiatrischen Anstalt vermittelt werden.

A model presents a creation from the Y-3 Spring/Summer 2014 collection during New York Fashion Week
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Kultdesigners Yoji Yamamoto vermischte japanische Sensibilitäten mit amerikanischen Klassikern.

K. Nicole - Runway - Mercedes-Benz Fashion Week Spring 2014
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Die Fashion-Designer Kera Anderson and Nicole Styer zeigten sich ebenfalls auf der Modewoche. Sie liefen bei der K.Nicole-Modeshow über den Laufsteg.

Das neue Gesetz ist Teil einer Gesundheitsreform in Frankreich. Es ist allerdings weniger streng ausgefallen als ursprünglich geplant. Eigentlich sollte sogar ein Body-Mass-Index (BMI) von den Behörden festgelegt werden, der das Verhältnis von Gewicht zur Körpergröße festlegt. Darauf wurde verzichtet.

Die WM der Supermodels
Supermodel-WM
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Die Victoria’s Secret Fashion Show ist so etwas wie die Weltmeisterschaft der Supermodels. Etwa zwei Dutzend junge Frauen – alle möglichst unter 30 Jahren und definitiv unter 60 Kilo – laufen ein paar Meter, und die ganze Welt schaut zu.

Jubiläum
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Einmal im Jahr schickt Victoria’s Secret seine „Engel“ kurz vor Weihnachten ins Licht der Scheinwerfer und einmal im Jahr steht die Branche Kopf wegen der Frauen, der Unterwäsche oder einfach der Show mit viel Glitzer und noch mehr Prominenz. In diesem Jahr wurde die „Victoria's Secret Fashion Show“ 20 Jahre alt.

Das „Apple“ der Unterwäsche
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Im Grunde ist es einfach nur ein Einzelhändler, der seine Produkte zeigt. Doch ähnlich wie Apple hat es Victoria’s Secret geschafft, aus der jährlichen Präsentation ein Weltereignis zu machen – und Prominente, Medien und nicht zuletzt Zuschauer und Kunden machen gern mit.

Kult trotz Kritik
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Selbst wenn es Vorwürfe über angebliche Kinderarbeit bei Zulieferern oder Schadstoffe in den Textilien gibt (vor Gericht abgewiesen), selbst wenn es Klagen über mangelnde Qualität oder wie jüngst schlecht manipulierte Werbefotos gibt, auf denen eine Frau nur eine Pobacke hatte (im Internet nachgewiesen) – „VS“ ist Kult und nichts besseres kann einer Marke passieren.

Problematisches Frauenbild
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Das Paradoxe ist, dass die selben Kreise, die die Modenschauen als Hochämter zelebrieren, auch die sind, die sich über ein angeblich unrealistisches Frauenbild in den Modenschauen erregen.

Dünner als der Durchschnitt
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Tatsächlich hat die Universität von Kalifornien herausgefunden, dass die Models in der Regel satte 13 Zentimeter größer (1,78 Meter) und trotzdem ebenso satte 13 Kilo leichter (53,5 Kilo) sind als die Durchschnittsamerikanerin.

Kaum jemand isst zu wenig
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Aber überrascht es wirklich jemanden, dass man zur Präsentation seiner Waren, zumal Unterwäsche, die Schönsten nimmt? Freunde von Victoria’s Secret, ebenso wie die von Barbie und Miss-Wettbewerben, erinnern zudem daran, dass Fehlernährung zwar Dutzende Millionen Menschen betrifft – aber nur ein verschwindender Bruchteil von ihnen isst zu wenig, jedoch mehr als jeder dritte Amerikaner viel zu viel.

Schon lange erhitzt die Debatte die Gemüter in Paris und Politiker aller Parteien wollten die Magermodels verbieten. Bereits 2007 sprach sich das deutsche Topmodel Claudia Schiffer dagegen aus und erzählte, dass sie Extremdiäten ablehne. Auch Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier hat nicht viel für die spitzen Knochen übrig und zeigte auch mal dicke Models. „Nicht nur dürre Frauen sind schön“, lautet sein Credo. Der deutsche Designer Karl Lagerfeld, der für Chanel arbeitet, sah das bisher immer anders. Er war gegen ein Gewichtsdiktat. Die Models seien nicht mager, sondern hätten einfach nur einen schmalen Körperbau, glaubt er.

Schluss mit Kurven
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