Frankreich und USA rüsten auf
„IS will die Europäer in einen Bodenkrieg zwingen“

Lässt sich der Westen zu einem Krieg hinreißen? Nahostexperte Lüders warnt davor, dem IS in die Falle zu laufen. Schon rüstet Frankreich auf, und die USA lassen ihre Sorge um Zivilisten ein gutes Stück sausen.

Berlin/Mannheim/Washington/VersaillesDer Islamwissenschaftler und Nahostexperte Michael Lüders hat vor der Entsendung von Bodentruppen im Kampf gegen die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien und dem Irak gewarnt.

"Der IS will die Europäer in einen Bodenkrieg zwingen und hofft, dass die Nato so unbedacht ist, mit Bodentruppen in diese Länder hineinzugehen", sagte Lüders am Montagabend im Fernsehsender Phoenix. "Wenn das geschehen sollte, hat der IS genau das erreicht, was er erreichen wollte, und kann sich als Märtyrerbrigade stilisieren, die dem westlichen Imperialismus die Stirn bietet."

"Der IS hat eine klare Strategie, sucht den Showdown mit den westlichen Gesellschaften und will, dass wir Geiseln der Angst werden", sagte Lüders. Über die Anschläge von Paris vom Freitagabend sagte er, diese seien "eine neue Dimension des Terrors".

Erstmals sei eine europäische Metropole gezielt von Selbstmordattentätern heimgesucht worden, die nichts anderes im Sinn gehabt hätten, als möglichst viele Menschen zu töten. "Aber wir sollten uns sehr davor hüten, den Terroristen den Gefallen zu tun, mit einer Kriegsrhetorik nun aufzurüsten".

Der Sicherheitsexperte Henning Riecke von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) hält Bodentruppen im Kampf gegen den IS für erforderlich. "Luftschläge und Distanzwaffen werden jedenfalls nicht reichen", sagte Riecke dem "Mannheimer Morgen" (Dienstagausgabe). Damit könnten zwar Camps und Fahrzeuge zerstört werden.

"Aber letztlich geht es ja auch darum, Kämpfer sicher auszuschalten oder dingfest zu machen", sagte Riecke. "Daher glaube ich, dass man die militärische Auseinandersetzung zumindest partiell auch am Boden führen muss."

Er gehe davon aus, dass die Anschläge von Paris einen Strategiewechsel nach sich ziehen, sagte Riecke der Zeitung. Er rechne damit, dass Frankreich zusammen mit einigen Verbündeten wie den USA nun in Syrien am Boden militärisch gegen den IS vorgehe.

Im Kampf gegen den IS sei allerdings auch ein stärkeres politisches Engagement des Westens erforderlich. "Kurzfristig ist es sicher sinnvoll, Stellungen und Ausbildungslager der Terrormiliz zu zerstören. Aber auf Dauer kann wohl nur eine Stabilisierung der Konflikte in Syrien und im Irak dem IS den Nährboden entziehen."

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