Frankreich verlangt Aufklärung über die Ereignisse in Beslan
Putin gegen öffentliche Untersuchung

Der russische Präsident Wladimir Putin will das Geiseldrama von Beslan im Geheimen untersuchen lassen. Die Öffentlichkeit soll außen vor bleiben. Frankreich forderte Aufklärung über die Geschehnisse in der Schule.

HB PARIS/MOSKAU. Putin kündigte bei einem Gespräch mit ausländischen Korrespondenten eine interne Aufarbeitung der Tragödie an. Dies berichtete die britische Zeitung „The Guardian“. Wenn das russische Parlament eine eigene Untersuchung machen wolle, werde er sich aber nicht dagegen sträuben, sagte Putin. Er warnte jedoch, dass es zu einer „politischen Show“ werden könne. Eine mögliche Aufarbeitung der Geschehnisse in Beslan durch das Parlament würde nicht „sehr produktiv sein“.

Putin hatte am Montagabend eine Gruppe ausländischer Journalisten und Wissenschaftler mit großer Russlanderfahrung zu einem Treffen in sein Landhaus nahe Moskau eingeladen. Bei dem Gespräch habe sich der russische Präsident auch gegen Gespräche mit Führern der tschetschenischen Rebellen ausgesprochen, schreibt "The Guardian". Es gebe keine Verbindungen zwischen der russischen Tschetschenien-Politik und den Ereignissen in Beslan, betonte Putin.

Frankreich hat von Russland Aufklärung über das Ende des Geiseldramas von Beslan gefordert. „Natürlich wollen wir angesichts dieses Terroraktes gegen Russland unsere Solidarität zum Ausdruck bringen“, sagte der französische Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin am Montag dem Sender RTL. „Aber wir wollen auch alle notwendigen Informationen und wir erinnern Russland bei jedem Treffen an die Notwendigkeit, die Menschenrechte zu respektieren.“

Bereits die Europäische Union wollte von Russland wissen, „wie diese Tragödie passieren konnte“. Das russische Außenministerium reagierte darauf mit Empörung. Den russischen Behörden war vorgeworfen worden, das wahre Ausmaß des Geiseldramas vertuscht zu haben.

Das russische Fernsehen zeigte Aufnahmen von einem Mann, der als ein gefangen genommener Geiselnehmer vorgestellt wurde. Der Gefangene sagte, der Befehl zur Besetzung der Schule sei von dem flüchtigen ehemaligen tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow und dem radikalen Rebellenführer Schamil Bassajew gegeben worden. Als Ziel sei den Geiselnehmern genannt worden, „Krieg im gesamten Kaukasus anzustiften“. Der russische Präsident Wladimir Putin hat bereits in der vergangenen Woche vor dieser Gefahr gewarnt.

Maschadow bekräftigte im Internet (www.kavkazcenter.com), dass seine Anhänger nichts mit der Geiselnahme zu tun hätten. Zivilisten anzugreifen „behindert eine internationale Anerkennung eines unabhängigen tschetschenischen Staates“, hieß es in seiner Erklärung. Tschetschenische Rebellen kämpfen seit mehr als zehn Jahren für eine Unabhängigkeit der Kaukasus-Republik von Russland. Die Nord-Ossetien mit der Stadt Beslan grenzt an Tschetschenien an.

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