Frankreich
Verloren im Dickicht der Vorstädte

Sieben Jahre nach den Krawallen sucht die Regierung Hollande nach einer neuen Politik für benachteiligte Banlieue. Etwa für Clichy-sous-Bois: ein Vorort von Paris, der so leblos wirkt wie ein Ort im tiefsten Brandenburg.
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ParisDie sozialistische Regierung nimmt am Dienstag einen neuen Anlauf, um die Chancen der Bevölkerung in den benachteiligten Vororten zu verbessern. Premier Jean-Marc Ayrault fuhr nach Clichy-sous-Bois in der Banlieue von Paris, von wo 2005 die Aufstände in den Vorstädten ausgingen und wo es die größten Zerstörungen gegeben hatte. Zwei Jugendliche waren auf der Flucht vor der Polizei in einem Transformaturschuppen verbrannt. Das war das Fanal für den Beginn der Randale, bei der in zahlreichen Vororten insgesamt 10 000 Autos angezündet und zahlreiche Schulen, Kindergärten sowie Einkaufszentren zerstört wurden. 

Nicolas Sarkozy, damals Innenminister,  kündigte an, er werde die Banlieue „mit dem Kärcher“ von Kriminellen säubern. Als Präsident startete er dann aber eines der teuersten Renovierungsprogramme, mit dem der Staat in einem Jahrzehnt 12 Milliarden Euro für die Stadterneuerung im ganzen Land ausgibt.

Fährt man heute nach Clichy-sous-Bois, das als Kommandantur der Templer entstand und im Mittelalter ein Jagdsitz von Fürsten war, findet man hübsche, geschmackvoll designte neue Häuser neben seelenlosen Plattenbauten. Auch bei strahlender Sonne wirkt die Kleinstadt, von der aus man auf Paris hinunterschauen kann, so leblos wie ein Ort im tiefsten Brandenburg.

Ayrault hat diesen Ort mit 30 000 Einwohnern und einer Arbeitslosigkeit von 22 Prozent  gewählt, um seine neue Stadtpolitik vorzustellen. Doch die Straßen sind zunächst menschenleer, nur ein paar Bauarbeiter schauen belustigt auf den Pulk von Journalisten, der mit dem Premier in der Mitte wie eine Riesen-Tarantel langsam über den Asphalt kriecht. Hier wird Realität inszeniert, es geht um Bilder.

Der Bürgermeister Olivier Klein erläutert Ayrault, was sich alles getan hat, und der redet befriedigt in die Kameras: „Ah, da hinten fährt ja auch ein Bus, sehr gut.“ Busse fahren, aber eine S-Bahn-Verbindung mit der nur 15 km entfernten Metropole hat die Kleinstadt immer noch nicht.

Ich frage eine junge Frau, was sich getan habe seit 2005. „An der Oberfläche viel, aber im Kern wenig. Um mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Paris zu kommen, brauche ich immer noch 1 ¾ Stunden.“

Kommentare zu " Frankreich: Verloren im Dickicht der Vorstädte"

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  • Es ist die Jugend!
    Frankreichs Segen und Frankreichs Zukunft, die junge Bevölkerung, hat eben auch eine Schattenseite. Wie bei einem geschlossenen Behälter, in welchem die Moleküle eines erhitzten Gases zunächst ziellos hin und her rasen, so genügt es auch bei einer hinreichenden Konzentration junger Männer, dass sich irgendwo ein Ventil öffnet (durch eine Polizeiaktion beispielsweise), um aus der chaotischen Bewegung eine gerichtete Bewegung zu machen. Das war beispielsweise der Fall bei den sogenannten Rassenunruhen in England und den USA und auch bei den Krawallen in den Vorstädten Frankreichs. Und noch etwas virulenter als junge Männer sind unbeschäftigte junge Männer (vgl. Jugendliche Expressiviät und soziale Dynamik).

  • Jeder weiß es und....verschweigt es.

  • …..so leblos wie ein Ort im tiefsten Brandenburg (Zitat)?
    Na – wo soll denn dieser Ort in Brandenburg aber sein? Nach dem Satz sind es gleich viele Orte?
    O.K. ich kenne zwar keine Pariser Vorstädte – aber dass dort alles wie Orte in Brandenburg aussehen? Welche Pariser Ecke ist denn da in Brandenburg nun gemeint. Aber Schwamm drüber - das ist jetzt nicht so wichtig.

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