Frankreich
Versammlungsverbot verhindert Krawalle nicht

Die Pariser Polizei hat wegen befürchteter Krawalle für das Wochenende ein Versammlungsverbot verhängt. Per SMS und im Internet sollen Aufrufe zur Randale kursieren. Ein Ende ist nicht abzusehen. Im gesamten Land haben in der vergangenen Nacht die Ausschreitungen wieder zugenommen. Mehr als 500 Autos wurden angezündet.

HB PARIS. In der französischen Hauptstadt ist aus Sorge vor Gewaltausbrüchen um 10.00 Uhr ein Versammlungsverbot in Kraft getreten. Es gilt nach Angaben der Pariser Behörden bis Sonntag um 8.00 Uhr und wird begleitet von einem massiven Einsatz der Polizei. Die Behörden wollen damit vermeiden, dass sich an dem langen Wochenende nach dem Feiertag am Freitag durch Versammlungen neue Unruhen - auch tagsüber - entzünden. Nach Polizeiangaben hatte es im Internet und per SMS für das Wochenende Aufrufe zu Gewalt in der Hauptstadt gegeben. Besonders scharf überwacht werden der öffentliche Nahverkehr und die Vorortzüge nach Paris. Hintergrund sind Aufrufe zu Krawallen in der Hauptstadt, die bisher von Randale weitgehend verschont geblieben war. Zu dem Fußballklassiker Deutschland gegen Frankreich am Abend halten sich auch zahlreiche deutsche Fans in Paris auf.

Trotz Notstandsmaßnahmen und erhöhter Wachsamkeit der Polizei haben in der Nacht zum Samstag Randalierer 502 Autos angezündet. 206 Personen seien in dieser 16. Unruhenacht in Folge vorläufig festgenommen worden, teilte die Polizei in ihrer Bilanz mit. In der Vornacht hatte die Polizei mehr als 460 abgebrannte Autos gezählt.

„Heute Abend ist es etwas schlimmer als gestern“, sagte ein Polizeisprecher. Der Schwerpunkt der Randale lag dabei weniger im Umland von Paris als in Vorstädten um Rennes in Westfrankreich, im Elsaß und in Lothringen sowie in Toulouse, wo 33 Autos in Flammen aufgingen. In Saint-Quentin in Nordfrankreich wurde ein Beamter durch ein Molotow Cocktail im Gesicht verbrannt.

In Savigny-Le-Temple südöstlich von Paris wurde in der Nacht zum Samstag eine Grundschule angegriffen. Die angeschlossene Kinderkrippe wurde zerstört. In Amiens beschädigten Randalierer einen Transformator, was im Norden der Stadt zu einem Stromausfall führte.

Im südfranzösischen Carpentras warf ein Unbekannter zwei Feuerbomben auf eine Moschee. Es entstand geringer Sachschaden, verletzt wurde niemand. Den Angriff auf die Moschee beobachteten Augenzeugen, die in dem Gotteshaus waren. Der Täter sei mit einem Motorrad vorgefahren und nach dem Anschlag geflüchtet, teilte die Polizei mit. Es war unklar, ob die Tat in Zusammenhang mit den Krawallen stand oder einen ausländerfeindlichen Hintergrund hatte. Staatspräsident Jacques Chirac und Innenminister Nicolas Sarkozy verurteilten den Anschlag mit scharfen Worten.

Für das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich am Abend im Pariser Stade de France wurden die Sicherheitsvorkehrungen nicht zusätzlich erhöht. Das Spiel war vom Französischen Fußball-Verband (FFF) ohnehin schon in die höchste Sicherheitskategorie eingestuft worden. Das Stadion liegt im Vorort Saint-Denis, der in den vergangenen zwei Wochen von Unruhen erschüttert wurde. In unmittelbarer Umgebung der Arena war es jedoch ruhig geblieben.

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