Frankreich
Vorstadt-Unruhen bringen Sarkozy unter Druck

Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy gerät wegen seiner Strategie der Härte gegenüber jugendlichen Randalierern zunehmend in die Kritik. Sarkozy hatte zuvor seine „totale Entschlossenheit“ im Kampf gegen die Gewalt in den Vorstädten von Paris bekräftigt.

ali/HB PARIS. „Ruhe und Ordnung können wieder einkehren, wenn man die Diskriminierung bekämpft, deren Opfer die Jugendlichen sind – nicht, wenn man mehr Bereitschaftspolizei entsendet“, sagte der Minister für Chancengleichheit, Azouz Begag. In den Vierteln, in denen viele Einwanderer leben, ist es bereits sechs Nächte in Folge zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Auch in der Nacht zum Mittwoch setzten Jugendliche dutzende von Autos in Brand. Mindestens 34 Menschen wurden festgenommen.

Auslöser der Gewaltwelle war der Tod zweier Jugendlicher im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois am vergangenen Donnerstag. Die beiden Franzosen im Alter von 15 und 17 Jahren waren malischer und türkischer Herkunft. Sie waren vor einer Polizeikontrolle in eine Transformatorenstation geflohen und an Stromstößen gestorben. In Clichy-sous-Bois ist die Polizei mittlerweile massiv präsent, die Unruhen haben sich aber auf andere Vorstädte ausgeweitet.

Für Kritiker ist das Auftreten von Frankreichs Innenminister Teil des Problems. Sarkozys regelmäßige Besuche in den Problemvierteln, die stets von einem Tross aus Kamerateams und Fotografen begleitet werden, hält Minister Begag für eine „Provokation“. Der Sozialist Malek Boutih spricht von „Zoobesuchen“.

Sarkozy kämpft indes um sein Profil als „oberster Polizist“ Frankreichs, der mit aller Härte Recht und Gesetz durchsetzt. Damit hatte er nach seinem Einzug in die Regierung 2002 schnell an Popularität gewonnen und war so zu einem aussichtsreichen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2007 aufgestiegen.

Angesichts der Probleme der Kinder aus den Einwandererfamilien, die zu großen Teilen die Sozialwohnungen in den Vorstädten bewohnen, warnen auch Oppositionspolitiker davor, die Unruhen politisch auszuschlachten: „Die politische Rechte wie Linke hat hier vor der jeweils eigenen Tür zu kehren“, sagte der sozialistische Bürgermeister von Mulhouse, Jean-Marie Bockel. Er räumte ein, dass sich die Situation in den Vorstädten von Jahr zu Jahr verschlimmere.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%