Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Dax-Ausblick
Die Märkte im Frankreich-Bann

Börsianer schauen gespannt nach Frankreich. Bei der Präsidentschaftswahl geht es um viel: Bricht die Euro-Zone auseinander? Die EU? Der Wahlausgang entscheidet, ob der Dax einen neuen Angriff auf sein Allzeithoch nimmt.
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DüsseldorfFrankreich wählt und Börsianer halten den Atem an. Die Franzosen haben es in der Hand, ob die internationalen Börsen wieder auf Rekordkurs gehen. „Ein europafreundliches Wahlergebnis in Frankreich könnte den Dax schnell wieder auf Kurs in Richtung Allzeithoch bringen“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Sollten sich in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl allerdings zwei europakritische Kandidaten durchsetzen, droht ein Absturz. Die Volatilität ist im Vorfeld der Frankreich-Wahl deutlich angestiegen. „Sollte sich wie vom Markt erwartet Macron und Le Pen im ersten Wahlgang durchsetzen, dürfte sich die Aufregung an den Märkten in Grenzen halten“, schreiben die Experten der DZ Bank in ihrem Wochenausblick.

Am letzten Handelstag vor den mit Spannung erwarteten Präsidentschaftswahlen hatte die Nervosität an den Märkten zugenommen. Der Dax kam am Freitag kaum vom Fleck. Der Euro Stoxx 50 verlor unter anderem wegen Verlusten in Paris, wo der CAC 40 nachgab. Für zusätzliche Verunsicherung sorgte der möglicherweise islamistisch motivierte Anschlag auf dem Pariser Boulevard Champs-Elysees. Diese könnten nach Meinung von Börsianern die erste Runde der Wahlen am Sonntag beeinflussen.

Glaubt man den jüngsten Umfragen, liefern sich die vier Kandidaten, Emmanuel Macron, Marine Le Pen, Francois Fillon und Jean-Luc Mélenchon ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie liegen nur wenige Prozentpunkte voneinander entfernt, wobei der parteiunabhängige Kandidat und Börsenliebling Macron die besten Chancen hat, zusammen mit der rechtsextremen Le Pen in die Stichwahl am 7. Mai zu gehen. Nach Ansicht von Stefan Kreuzkamp, Chefanlage-Stratege der Deutschen Asset Management, dürften in diesem Fall die Märkte zügig die erhöhten Überlebenschancen der Euro-Zone begrüßen. Allerdings bleibt die Ungewissheit weiter hoch. Zuletzt haben der konservative Kandidat François Fillon und der linke Kandidat Jean-Luc Mélenchon deutlich aufgeholt.

Kreuzkamp hat die verschiedenen Szenarien und was diese für die Finanzmärkte bedeuten würden analysiert. Hauptszenario ist dabei, dass die Märkte die Aussicht auf eine Präsidentschaft Macrons unmittelbar nach der ersten Runde – weitgehend unabhängig von den genauen Ergebnissen – einpreisen werden. Das dürfte dazu führen, dass der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen schnell wieder dort ankommen dürfte, wo er war, bevor an den Märkten Ängste wegen eines möglichen Ausscheidens Frankreichs aus der Euro-Zone unter Le Pen geschürt wurden. „Der Euro dürfte leicht Aufwind erhalten“, sagt Kreuzkamp. „Auch die Aktienmärkte dürften profitieren, wenn auch der unmittelbare Spielraum nach oben begrenzt sein könnte.“ 

Und wenn es doch anders kommt? Das für die Börsen ungünstigste Szenario wäre, wenn sich in der ersten Wahlrunde Le Pen und ihr linksaußengerichteter Rivale Mélenchon durchsetzen. „Die Wähler in Frankreich hätten dann nur noch die Wahl zwischen zwei Übeln“, sagte LBBW-Volkswirt Uwe Burkert. Beide Kandidaten stehen für einen Anti-EU-Kurs. Le Pen hat mehrfach betont, sie wolle Frankreich aus der Euro-Zone herauslösen. Die Märkte würden ein solches Ergebnis am Sonntag mit Verkäufen von französische Staatsanleihen, dem Euro und Risikopapieren aller Art quittieren, sagte Burkert.

Im nach Ansicht der Deutschen Asset Management für die Märkte negativsten aber sehr unwahrscheinlichen Szenario würde die Front-National-Politkerin bei einer hohen Wahlbeteiligung die Präsidentschaftswahl deutlich gewinnen. Dies könnte der rechtspopulistischen Partei auch Rückenwind für die anstehenden Parlamentswahlen geben. Stefan Kreuzkamp sagt: „Die etablierten Mitte-Rechts-Parteien würden dadurch noch stärker ins Chaos gestürzt. Würde Fillon dazu noch in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen nicht nur geschlagen, sondern als Vierter nach Mélenchon regelrecht degradiert, wären die Chancen außerordentlich gering, dass die Eurozone die gesamte Amtszeit von Le Pen überlebt. Die Märkte haben sicherlich genügend Gründe, beunruhigt zu sein.“

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Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen im Blick

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