Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

François Fillon
Der Traum vom Elysée-Palast zerplatzt?

Bis zum Januar war Fillon Favorit auf das Präsidialamt. Dann fiel er durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre zurück. Die Ermittlungen der Justiz laufen. Trotzdem gibt der ehemalige Ministerpräsident nicht auf. Ein Porträt.
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ParisFrançois Fillon hat bereits an der Macht geschnuppert und strebt nach den höchsten politischen Weihen in Frankreich. Obwohl eine Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau die Wahlkampagne überschattet, will der Konservative seinen Kampf um die Präsidentschaft nicht aufgeben. Der passionierte Motorsportfan aus Le Mans ist im Rennen um den Elysee-Palast nach einem Blitzstart jedoch weit zurückgefallen. Doch der 63-Jährige gibt sich kämpferisch. „Falls ich nur den geringsten Zweifel an meiner Unschuld hätte, würde ich nicht bei der Präsidentschaftswahl antreten“, beteuert er im Fernsehen. Trotz laufender Ermittlungen der Justiz, die nur bei einem begründeten Anfangsverdacht eingeleitet werden, sieht er sich und seine Frau Penelope als Opfer einer Verleumdungskampagne.

Für zusätzliche dunkle Flecken auf der weißen Weste des langjährigen Berufspolitikers könnten Untersuchungen zu Vorwürfen sorgen, wonach er teure Anzüge als Geschenk angenommen haben soll. Fillon sieht sich als Opfer einer „Manipulation“. Zuletzt verschärfte er auch in der politischen Debatte den Ton und warb mit drastischen Vergleichen für den von ihm propagierten Sparkurs. Seinem Land drohe dasselbe Schicksal wie dem schuldengeplagten Griechenland. Frankreich als Staat stehe vor dem Scheitern. Wenn es um die von ihm angestrebte radikale Reform seines Landes geht, ist Fillon knallhart in der Sache, aber sanft im Ton. Er wirkt wie ein Gegenentwurf zum einstigen Förderer Nicolas Sarkozy, der als Präsident wegen seiner Umtriebigkeit den Spitznamen „Speedy-Sarko“ erhielt.

Fillon würde wohl nur zu gerne aus dem Schatten des Mannes heraustreten, der ihn einst etwas despektierlich seinen „Mitarbeiter“ nannte. Dies war in der Zeit, als Fillon Ministerpräsident (2007 bis 2012) unter Sarkozy war.

Der mit einer gebürtigen Waliserin verheiratete Vater von fünf Kindern gilt als wirtschaftsliberal und großer Fan der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Fillons Vorschläge bergen Sprengstoff. 500.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst sollen dem Rotstift zum Opfer fallen. Dies kommt in dem zentralistisch geführten Frankreich einer Revolution gleich.

Fillon macht zudem aus seiner religiösen Überzeugung keinen Hehl. Der praktizierende Katholik hält beispielsweise nichts davon, dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren. Fillon verwahrte sich jedoch vor Abgeordneten gegen Vorwürfe, er vertrete ein verstaubtes Weltbild. Auch mit seinen Ansichten zum Umgang mit Russland eckt er an. So hat Fillon den scheidenden sozialistischen Präsidenten François Hollande dafür kritisiert, bei den Sanktionen nach der russischen Annexion der Krim zu stark den Schulterschluss mit Deutschland und den USA zu suchen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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