Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Frankreich
Macron rettet Europa – und verzichtet auf Euphorie

Als der Wahlsieger vor seine Anhänger tritt, erklingt die Ode an die Freude. Eine wunderschöne Geste an Europa. Doch die Feier vor der Pyramide im Louvre ist nicht überschwänglich. Gründe für Macrons Nachdenklichkeit.
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ParisDie rechtsextreme Marine Le Pen geschlagen, Europa gerettet, allen Zweifeln zum Trotz mit der erst vor einem Jahr entstandenen Bewegung „En Marche!“ gewonnen: Wenn das kein magischer Moment im Leben dieses Landes, des ganzen Kontinents ist! Doch das Eis beginnt erst zu Schmelzen, als die vier Sänger von „Magic Système“ den Macronisten von der Bühne aus einheizen.

Man muss einräumen: Emmanuel Macrons TV-Ansprache am frühen Abend ist kein Stimmungsknüller. Es wirkt, als sei dem jungen Sieger schlagartig klargeworden, dass er nun wirklich für alles verantwortlich ist, was das Land zweifeln, verzagen oder zu den Extremen abrutschen lässt. Verantwortlich nicht in dem Sinn, dass er die Ursache wäre – aber verantwortlich für die Lösung. Bewusst ist ihm nun wohl auch, dass der Weg zu einer Mehrheit in der Nationalversammlung ebenfalls lang sein könnte.

Mit ernster Miene versprach der neue Präsident: „Ich werde Frankreich verteidigen, seine vitalen Interessen, sein Ansehen.“ Er werde auch „Europa verteidigen, unsere Zivilisation steht auf dem Spiel, unsere freie Lebensweise“. Dem Rest der Welt sende er „die Grüße des brüderlichen Frankreichs“. Er wisse um die „Wut, die Zweifel, die Ängste, die einige von euch ausgedrückt haben.“ Es sei seine Verantwortung, „euch zu hören und gegen jede Form von Ungleichheit zu kämpfen, für eure Sicherheit zu sorgen und die Einheit der Nation zu garantieren.“

Auf dem Platz vor der Pyramide müssen die Macron-Anhänger lange ausharren. Von Ausgelassenheit ist nicht viel zu spüren, die Stimmung ist komplett anders als 2012 auf der Place de la Bastille, als zehntausende Hollande-Begeisterte sich in den Armen lagen und den Sieg über Nicolas Sarkozy feierten. Aber klar: Damals gab es noch die seit der Kommune bestehende Vorstellung eines geeinten „Peuple de Gauche“, des Volks, dessen Herz links schlägt. Diese Illusion ist in den vergangenen fünf Jahren geplatzt. Die Sozialisten sind zerstritten. Sie und die Anhänger des Linksaußen Jean-Luc Mélenchon haben sich nichts mehr zu sagen – die Kommunistische Partei, die Mélenchon im Wahlkampf gestützt hat, streitet sich nun sogar vor Gericht mit ihm.

Die Menschen, die am Abend auf ihren neuen Präsidenten warten, sind es nicht gewohnt, zusammen zu feiern. Die einen waren links, die anderen konservativ, manche wählten zum ersten Mal. Macrons neue Bewegung muss erst noch wirklich Wurzeln schlagen im Volk. Dann werden auch die Anhänger nicht mehr miteinander fremdeln. Die Stimmung ist ähnlich wie bei den Meetings von Macron: entspannt, fröhlich, sehr zivilisiert. Von der militanten Energie, die bei anderen Parteien wahrzunehmen ist, liegt aber nichts in der Luft.

Als Macron endlich die Esplanade du Louvre betritt, ist es schon halb elf. Die Ode an die Freude erklingt, eine wunderschöne Geste an Europa. Macron erklimmt die Bühne, er wirkt weniger verspannt als vorher bei seiner ersten Rede. „Ich danke Euch allen, ich danke für Euer Engagement und für die Risiken, die Ihr eingegangen seid“, da brandet Jubel auf. Als Macron sagt, er „werde Eure Hoffnungen, Euren Schwung weitertragen in den nächsten fünf Jahren“, wird die Menge noch lauter. „Frankreich wird weiter die Botschaft der Aufklärung in die Welt tragen“, verspricht der neue Präsident.

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Macron rettet Europa – und verzichtet auf Euphorie

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Nachdenklicher Ton des neuen Präsidenten

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  • Nachtrag zu meinem Kommentar von 14:08 Uhr:

    Es kann und darf heute, im digitalen Zeitalter, nicht mehr sein, dass politische Entscheidungen, die alle Bürger betreffen von einigen wenigen „Vertretern“ getroffen werden, die dabei zu allem Überfluss auch noch von einem wahren Lobbyistenauftrieb massivst unter Druck gesetzt werden.

    Es müssen endlich die nötige Infrastruktur und die nötigen Institutionen geschaffen werden, die es den Bürgern ermöglichen, alle Angelegenheiten von öffentlichem Interesse s e l b s t untereinander zu regeln. Was natürlich, um die Bürger in die Lage zu versetzen, innerhalb einer solchen digitalen Demokratieinfrastruktur Entscheidungen zu treffen, zuverlässige, ihrerseits demokratisch legitimierte (und somit zwangsläufig transparente) Informationsquellen voraussetzt.

    Die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, ist nun mal unabdingbar mit der Übernahme der Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen verbunden. Dies gilt jedenfalls für alle erwachsenen Menschen, die im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind.

  • @Herr Vinci Queri, 08.05.2017, 16:39 Uhr

    Ihre Quelle: http://www.anonymousnews.ru ("ru" steht für "Russland). Alles klar.

  • http://www.anonymousnews.ru/2017/05/07/gigantischer-leak-ueber-macron-waffenhandel-drogen-schwarzgeld-medien-schweigen/

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