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Frankreich-Wahl Eine neue Chance für Europa

Marine Le Pen schafft es in die entscheidende zweite Wahlrunde – ein Schock für Berlin und Brüssel. Doch wenn Politik-Jungstar Emmanuel Macron die Oberhand behält, darf Europa wieder hoffen. Ein Kommentar.
6 Kommentare

Keine Euphorie nach Macrons Triumph

Populistin vs. Vollbluteuropäer – Thomas Hanke über das erste Wahlergebnis

ParisDie Franzosen haben Sonntag einmal mehr bewiesen, zu welchen radikalen Veränderungen sie fähig sind, wenn sie ihr Vertrauen in die politische Führung verlieren. Mit dem sozialliberalen Emmanuel Macron haben sie einen Politiker auf Platz eins des ersten Wahlgangs zur Präsidentschaft gewählt, der ein völliger Newcomer ist. Vor etwas über einem Jahr hatte er noch nicht einmal eine eigene Partei. Er verfügt lediglich über zwei Jahre Regierungserfahrung, als Wirtschaftsminister unter Francois Hollande. „Merci, la France“ möchte man da erst mal sagen.

Gerade die Tatsache, dass er nicht der traditionellen politischen Klasse angehört, war offenbar eine der Voraussetzungen für den unglaublichen Erfolg dieses erst 39 Jahre jungen Politikers. Die Mehrheit der Franzosen will die Parteien abservieren, die seit 30 Jahren nicht mit der Massenarbeitslosigkeit fertig werden. Doch sie wollen kein Abenteuer eingehen: Anders als die Amerikaner mit Donald Trump und die Briten mit dem Brexit haben sie nicht den Weg ins Ungewisse gewählt, haben sie weder den linken noch den rechten Verführern zu einem Triumph verholfen, auch wenn knapp 22 Prozent für Le Pen erschreckend viel sind.

Weniger als eine Stunde nach Schließung der Wahllokale haben sowohl Premier Bernard Cazeneuve als auch der unterlegene konservative Kandidat Francois Fillon zur Wahl von Macron aufgerufen. Was Fillon angeht, kann diese Geste gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er hätte den einfachen Ausweg wählen und zur Enthaltung aufrufen können, wie viele Parteifreunde es ihm nahelegten. Doch: „Die Enthaltung liegt mir nicht in den Genen und angesichts der Gefahr, die vom Front National ausgeht, rufe ich Sie dazu auf, für Emmanuel Macron zu stimmen“, sagte Fillon mit überraschender und mutiger Deutlichkeit. Eine große Geste.

Diese Unterstützungserklärungen wie auch sämtliche Umfragen lassen erwarten, dass Macron am 7. Mai die zweitplatzierte Marine Le Pen schlagen kann. Frankreich würde sich damit eindeutig für Europa, für den Euro und für die weitere enge Zusammenarbeit mit Deutschland entscheiden.

Die extreme Gefahr für das europäische Projekt, der seit Jahren anhaltende Aufstieg des Front National darstellt, wäre erst einmal gebannt. Allerdings nicht für immer. Falls Macron die Wahl gewinnt, erhält Europa eine neue Chance. Auch in Deutschland muss man verstehen, wie tief bei vielen Franzosen, auch bei denen, die nicht radikalisiert sind, die Enttäuschung über den Stillstand in Europa sitzt. Macron ist die beste Gelegenheit, diesen Stillstand zu überwinden.

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6 Kommentare zu "Frankreich-Wahl: Eine neue Chance für Europa"

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  • Merci la France im Namen der deutschen Regierung und Handelsleute. Wir können hier natürlich nicht für das deutsche Volk sprechen.

  • darf Europa wieder hoffen.
    Sie sollten die EU-Mafia nicht als Europa bezeichnen, das ist in jeder Weise Falsch.

  • Marcon, als ex Rothschild Azubi kennt, die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht. Er arbeitet für die Großfinanz. Le Pen wäre für die Bevölkerung sicherlich die bessere Wahl. Und so wie Marc geschrieben hat, sollte man schon längst aus den Fehlern der Vergangenheit (Euro) gelernt haben!
    Marcon wird das tote Pferd noch reiten.

  • Fortsetzung...
    Hinzu kommt, dass sich Macron auch noch als Islam-Terrorbekämpfer beweisen muss....mit offenen Grenzen und falsch verstandener Toleranz gegen über dem politischen Islam/Terror wird dies jedenfalls nicht funktionieren.
    Und dann muss sich der junge Macron auch noch gegen die etablierten Platzhirsche in der franzöischen Politik Elite durchsetzen können...diese werden nämlich weiterhin an den Rädern der Macht sitzen und wenn es schlimm für Macron kommt, dann werden die mit dem einfach Ping-Pong spielen und ihn damit in seiner politischen Handeln -Schach Matt- setzen.
    Wie man es dreht oder wendet...das beste für Le Pen ist es, wenn Macron die Wahl gewinnt damit Le Pen in den nächsten Monaten/Jahren dann ihren Sieg einfahren kann.

  • Es macht überhaupt keinen Unterschied ob Macron jetzt an die Macht kommt oder Le Pen...in beiden Fällen ist die EU und der EURO nicht mehr zu retten, weil diese Konstrukte der Eliten schon seit dem Maastricher Vertragsbruch ihr eigenes Todesurteil unterschrieben haben.
    Die Vergemeinschaftung der EU Schulden, die EURO Politik von Unternehmens- und Staatsanleihen Aufkäufe, der zu starke Euro für die Süd- und Ostländer und der zu schwache Euro für die einzigste Wirtschaftsmacht in der EU....für Deutschland...Deutschland sitzt somit mit seiner Wirtschafts- und Währungsmacht wie ein dicker Elefant auf den übrigen EU Staaten und zwingt denen eine Sozial- und Währungs-Wirtschaftspolitik und damit auch einen Innenpolitik auf, die diese EU Länder nicht haben wollen.
    Wenn also Macron weiter am Euro und der EU festhalten will, dann bleibt es im besten Falle bei den Zuständen von heute...also das Gift für Franzosen wirkt auf Raten...oder er macht einen radikalen Sozialeinschnitt (Reformen), dann wirkt das Gift für die Franzosen schneller...in beiden Fällen wird das Festhalten am Euro und der EU der Lobby-Eliten den Sozialen Frieden in Frankreich schaden und die Wirtschaft der Franzosen weiter in den Niedergang bzw. in die Abhängigkeit der Wirtschaftsmacht Deutschland bringen.
    Was Sozialeunruhen in Verbindung eines zunehmenden Islamismus-Terror für Frankreich und den Rest der EU bedeutet, dass brauch ich wohl hier keinen mehr erzählen.
    Die Deutsche Merkel und Medien Politik hat mit diesen Euro und EU der Lobby-Eliten Gruppen einen Wirtschafts- und Währungskrieg innerhalb von der EU, Europa und den Rest der Welt angezettelt...
    Macron wird den EURO und die EU für Frankreich abschaffen müssen, wenn er eine bessere, selbstbestimmte und eigenständige Französische Politik wieder haben möchte...ganz so, wie es Le Pen gefordert hat.
    Macron hat also falsche Hoffnung in seine Wähler gesetzt, in dem er diesen weiterhin ein besseres Frankreich mit dem Euro und der EU Beibehalt verspricht.

  • Es ist eine Wahl für ein sozialistisches Weiter - So

    Da sich im 2. Wahlgang alle Parteien für den Sozialisten Macron aussprechen wird dieser sehr wahrscheinlich Präsident Frankreichs werden. Dies lässt Fr. Merkel und ihre Genossen/innen in den Qualitätsmedien jubeln. Für Frankreich sollte dies kein Anlass zum jubeln sein.

    Macron hatte öffentlich Fr. Merkels Einwanderungspolitik gelobt. Insofern ist es naheliegend dass sich Merkel - Macron auf eine verstärkte Enwanderung nach Europa Umvolkung und weitere Einwandererquoten zu Lasten der restlichen Staaten Europas einigen werden.

    Macron hatte sich für die unter Hollande begonnene französische Energiewende ausgesprochen.

    Insgesamt dürfte der wirtschaftliche und gesellschaftliche Niedergang Frankreichs verziert durch ein neues, junges Gesicht weitergehen.

    Ich denke dass Grossbritannien gerade noch rechtzeitig ausgestiegen ist.

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