Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Frankreich-Wahl
Macron und Le Pen – überraschend im Nahkampf

Macron verhandelt in Amiens mit Arbeitern, denen die Entlassung droht. Ihr Werk soll geschlossen werden. Plötzlich fährt Le Pen vor das Tor – und 290 Mitarbeiter geraten ins Zentrum des Wahlkampfs. Ein Stimmungsbericht.
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AmiensDer Frankreich-Wahlkampf zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron ist zur direkten Auseinandersetzung am selben Ort geworden: Macron war am Mittwoch in seine Heimatstadt Amiens gekommen, um mit den von Entlassung bedrohten Arbeitnehmern eines Whirlpool-Werks zu verhandeln. Noch während er drinnen die Gespräche führte, fuhr kurzerhand Le Pen vor das Werkstor. Bei ihrem kurzen Auftritts vor laufenden Kameras versprach die rechtsextreme Kandidatin: „Falls ich gewählt werde, wird das Werk nicht geschlossen.“ Macron kam später auch zu den Streikenden – und wurde erst einmal ausgebuht.

Der Wahlkampf erfährt nun elf Tage vor der Stichwahl am 7. Mai eine seltsame Wendung: Plötzlich steht das Schicksal eines lediglich 290 Arbeitnehmer betreffenden Werks im Mittelpunkt der Kampagne. Le Pen nutzt den Streit für ihre Botschaft: Macron sei der Kandidat der reichen Globalisierer, der hinter verschlossenen Türen Gespräche führe, während sie an der Seite der Arbeiter stehe.

Nach seinen Verhandlungen mit den Gewerkschaften trat Macron zunächst vor die Presse und sagte, er würde sich für „eine faire Übernahme des Werks durch einen anderen Investor und für echte Verhandlungen zwischen der Unternehmensleitung von Whirlpool und den Arbeitnehmern“ einsetzen. Die Resultate des Werks rechtfertigten keine Schließung. Er werde sich für eine Übernahme durch einen seriösen Investor einsetzen.

Dann sprach er sogar eine direkte Warnung oder auch Drohung an die Adresse des Unternehmens aus: „Wenn die Firma eine Lösung verweigert, wird das Image von Whirlpool in Frankreich Schaden nehmen und man wird sie nicht mehr wie einen guten Bürger behandeln können, sollte ich Präsident werden, werde ich diese Konsequenzen dann unterstützen.“ Das Management verweigere jeden Dialog, die Arbeitnehmer hätten sich sehr verantwortungsvoll verhalten und Opfer gebracht.

Die Gewerkschaften sind sich untereinander nicht eins, was die Bewertung des Auftritts von Macron und Le Pen angeht. Cécile Delpirou von der gemäßigten CFE/CGC wertet die Zusagen von Macron als ein Hoffnungszeichen, Le Pen dagegen habe lediglich eine Show für ihre Kampagne abgezogen. Patrice Sinoquet von der linken Gewerkschaft CGT ist dagegen negativer: „Wir haben keine Garantien von Macron.“ Beiden gehe es vor allem darum, die Wahl zu gewinnen.

Die Diskussion mit den Vertretern der Streikenden Arbeitnehmer des Whirlpool-Werks kann für den sozialliberalen Kandidaten entscheidenden Einfluss auf seinen Wahlkampf haben. Nichtstun würde ihm als Kaltherzigkeit und Arroganz ausgelegt; doch eine zu intensive Beschäftigung mit dem Werk würde die Frage aufwerfen, warum er in den alten Fehler der Politiker verfällt, Einzelfälle zu nationalen Angelegenheiten hochzuschaukeln.

Le Pen versucht seit der Vorwahl vom vergangenen Sonntag, Macron als den Vertreter der reichen Eliten zu diskreditieren. Vor zwei Wochen hatte ihn ein Mitglied der linksextremen Bewegung „Die Aufsässigen“ im französischen Fernsehen herausgefordert. „Herr Macron, warum kommen sie nicht nach Amiens, in ihre Heimat, um den Arbeitern von Whirlpool Rede und Antwort zu stehen?“ Damals antwortet Macron noch, er werde sich nicht „auf einen Lastwagen stellen und Zusagen machen, die sich nicht einhalten lassen.“ Nun hat er sich umentschieden – vielleicht auch wegen der Vorwürfe, er habe am Sonntagabend in einem Restaurant bereits seien Sieg gefeiert und lasse den Wahlkampf schleifen.

Um jedes Risiko ungünstiger Bilder von wütenden Arbeitern auszuschließen, traf er sich mit den Gewerkschaftern aber in der Handelskammer von Amiens und nicht im Werk. Vor dem großen Gittertor stand massives Polizeiaufgebot, aber kein einziger Gewerkschafter war zu sehen.

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„Ich glaube an sie“

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