Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Ex-Atari-Chef Bruno Bonnell
„Macron ist ein Mann des 21. Jahrhunderts“

Bruno Bonnell hat mehr als 30 Unternehmen gegründet. Nun unterstützt er den Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron. Im Gespräch erklärt er, warum Frankreich Europa braucht – und was Macron alternativlos macht.
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LyonBruno Bonnell kommt mit dem Telefon in der Hand und etwas verspätet ins Café L’institution, mitten im Zentrum Lyons. Der 58-Jährige ist vielbeschäftigt und in der ostfranzösischen Metropole bekannt wie ein bunter Hund. Er spricht von sich als „Multi-Entrepreneur“, mehr als 30 Unternehmen hat er in 35 Jahren gegründet. Das Berühmteste war der französische Videospielhersteller Infogrames. Bonnell war Chef der Computerspiellegende Atari, sitzt seit mehr als einem Jahrzehnt im Verwaltungsrat des Lebensmittelkonzerns Danone, ist ehrenamtlicher Präsident der Wirtschaftshochschule „EM Lyon“ und hat sich nebenbei dem Ziel verschrieben, den Industriezweig der Robotik blühen zu lassen. 

Aber auch das war ihm noch nicht genug. Seit einigen Monaten ist der Unternehmer einer der führenden Kampagnenmanager des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron. Nicht nur, weil Lyons Bürgermeister Gérard  Collomb einer der ersten prominenten Unterstützer Macrons war. Die Gründe sind differenzierter. Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht der Mann, der sich den Kandidaten der Mitte im Élysée-Palast wünscht, über seine Motivation. Und was Macron seiner Meinung nach zum besten Kandidaten für ganz Europa macht. 

Monsieur Bonnell, bisher waren Sie als Unternehmer bekannt, nicht als Wahlkampfmanager. Was hat Sie zur offenen Unterstützung Emmanuel Macrons bewegt?
Da müssen wir zunächst über Lyon reden.

Müssen wir?
Ja, die Entwicklung Lyons in den vergangenen 15 Jahren hat dank Gérard Collomb einen Weg aufgezeigt, der auch für Frankreich gangbar ist. Von meinem politischen Verständnis ist das, was hier in Lyon funktioniert, genau das, was Macron mit ganz Frankreich vorhat.

Das müssten Sie erläutern.
Zu der Zeit, als Collomb Bürgermeister wurde habe ich Lyon als eine Art Dornröschen gesehen. Eine Stadt, die auf jemanden wartet, der sie wachküsst. Und dieser Kuss war die Erkenntnis, dass Wirtschaft und Politik keine Feinde sind. Das Verständnis, dass man zusammenarbeiten kann und muss, war ein großer Schritt, um Lyon die Dynamik zu verleihen, die wirtschaftliche Revolution und um den Umbruch der vergangenen zwei Jahrzehnte zu verarbeiten.

Inwieweit hing das an der Person?
Collomb war weitsichtig genug, verschiedenste Unternehmer und Gründer, darunter auch mich, zusammenzubringen und genau zuzuhören, was wir zu sagen hatten. Dabei ging es um Themen wie Digitalisierung, Robotik oder Systementwicklung. Daraufhin hat er eine Strategie entwickelt, um die klassische Industrie und das Industrienetzwerk der Stadt mit diesen neuen, großen Trends aufzufrischen.

Nun ist Monsieur Collomb einer der Gründervater der Sozialistischen Partei…
Der einzige Weg, um all das zu erreichen, war weder links noch rechts zu sein – und erst recht nicht ideologisch verbrämt. Es geht um Pragmatismus, darum, die Energie auf eine Vision, ein Projekt zu bündeln. Dieser Ansatz Collombs hat mich überzeugt, mich abgeholt. 

Liegt dort die Parallele zu Emmanuel Macron und der „En Marche!“-Partei, zu deren ersten prominenten Unterstützern Collomb zählte?
Wissen Sie, ich habe Macron vergangenes Jahr hier in Lyon gesehen. Da war er noch Wirtschaftsminister und hielt eine flammende Rede über die Unverzichtbarkeit Europas, den Zusammenhalt gehalten. Ich habe damals gesagt, ich fühle mich an Napoleon bei der Schlacht um die Brücke von Arcole erinnert. 

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