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Macron gegen die Rechtspopulisten Eine gewaltige Aufgabe für Frankreich

Emmanuel Macron setzt sich in der ersten Wahlrunde in Frankreich durch. Der Sieg gegen Le Pen in der Stichwahl ist noch unsicher. Macron muss das Land gegen Rechts vereinen – und nicht alle Gegner sind gute Verlierer.
80 Kommentare

Das sagen unsere Korrespondenten zur ersten Wahlrunde

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ParisEs war, als hätten die Macron-Anhänger in der großen Messehalle an der Porte de Versailles von Paris etwas geahnt: Schon eine Viertelstunde vor der Schließung der Wahllokale und der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung befanden sie sich in ausgelassener Feierstimmung. Tausende Europa- und Frankreichfahnen wurden geschwenkt, immer wieder wurden Sprachchöre laut – „on a gagné“ („Wir haben gewonnen“) oder „Macron président“. Dann kam um 20 Uhr die erste Hochrechnung: Sie zeigte Macron mit klarem Abstand vor der rechtsextremen Marine Le Pen auf dem ersten Platz.

Der Saal tobte. Darauf hatten sie gehofft, doch die Unsicherheit über die Umfragen war bis zuletzt so groß gewesen, dass wohl die wenigsten wirklich damit gerechnet hatten. Die Anhänger des 39-jährigen Überraschungssiegers mussten sich aber noch gut zwei Stunden gedulden, bis Macron endlich zu einer kurzen Ansprache in den Saal kam.

Zwischenzeitlich erlebte man ein neues Beispiel der Desinformationskampagne, die diesen Wahlkampf begleitet hat. Etwa anderthalb Stunden nach Schließung der Wahllokale machten Meldungen die Runde, in Wirklichkeit liege Marine Le Pen vorne und die FN-Chefin habe bereits den Sieg für sich in Anspruch genommen. Dabei sahen alle Hochrechnungen der unterschiedlichen Institute Macron in Führung und Le Pen selber deutete in ihrer Rede mit keinem Wort an, dass sie am besten abgeschnitten habe.

Macron jedenfalls wollte absolut sichergehen, dass seine Führungsposition stabil war und wartete wohl auch deshalb so lange mit seiner Rede. Die begann er mit einem Dank an alle anderen Kandidaten. Besonders hob er François Fillon hervor, der schon kurz nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnung dazu aufrief, jetzt gegen die „extreme Rechte, die eine Geschichte der Gewalt und des Chaos hat“, zu stimmen und Macron zu wählen. Doch nicht alle seine Anhänger, das wurde im Laufe des langen Wahlabends deutlich, wollen ihm dabei folgen. Einige Politiker der Konservativen kündigten an, sie würden Macron nicht wählen. Dennoch, in einem seltenen Zeichen von Fairness applaudierten die tausenden in der Messehalle versammelten Macron-Fans auch den übrigen Bewerbern.

Triumphgefühle oder auch nur Euphorie waren Macron nicht anzumerken. Er schaukelte die Stimmung nicht noch weiter hoch, sondern kühlte sie eher herunter. Noch hat der 39-Jährige den Sieg nicht in der Tasche, er ist aber nun der haushohe Favorit. Doch gerade in der Stunde dieses unerwarteten Sieges dürfte dem jungen Politiker klar geworden sein, wie groß die Aufgabe ist, die auf ihn wartet.

Er deutete das mit den Worten an: „Eine gewaltige Aufgabe liegt vor uns, wir müssen ein System überwinden, das seit 30 Jahren die Hoffnungen der Franzosen enttäuscht hat, in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht.“ Macron dankte seinen Anhängern und erklärte, dass er auch in Zukunft auf sie angewiesen sei, nun aber die Unterstützung aller Franzosen sammeln wolle.

Dann machte er eine überraschende Andeutung, die als Hinweis auf eine Koalition gewertet werden kann: Er wolle eine Mehrheit bilden mit allen Franzosen, die sich für die Überwindung der Krise am Arbeitsmarkt und der Hoffnungslosigkeit einsetzten.

„Dabei ist mir egal, woher sie kommen und welche politische Orientierung sie in der Vergangenheit hatten“, sagte der Sozialliberale in einer überraschenden Geste der politischen Öffnung. Bislang hat er in seinen Reden stets hervorgehoben, er setze auf eine absolute Mehrheit für die Kandidaten seiner eigenen Bewegung „En Marche!“.

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80 Kommentare zu "Macron gegen die Rechtspopulisten: Eine gewaltige Aufgabe für Frankreich"

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  • Lieber Herr Nüller,

    vielleicht können Sie sich mal entscheiden, was überhaupt Ihre Zielsetzung ist? Wollen Sie anderen Ländern helfen (Sie waren doch gegen Globalisierung?) oder beschweren Sie sich darüber, dass es den Leuten in Deutschland nicht gut genug geht? Und wenn es den Deutschen doch soooo schlecht geht, wovon sollen sie dann mehr importieren? Aber ich gebe Ihnen eine Tipp. Sie müssen dafür nicht an Währungen rumspielen. Sie müssen lediglich da Lohnniveau in Deutschland anheben und dabei wünsche ich Ihnen gegen den Widerstand des Großkapitals mal eben richtig viel Spaß. Denn die Arbeitnehmer in Deutschland sind sich ja leider auch nicht einig und spielen sich sogar gegenseitig gegeneinander aus. Dabei sollten die Gewerkschaften, wenn sie wirklich noch die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, vielmehr endlich mal zu einem Generalstreik aller Arbeitnehmer aufrufen. Stattdessen wählt man AfD, eine Partei, die nicht einmal Absicht hat, in einer Regierung mitzuwirken. Dumm, dümmer, Deutschland!

  • Und diese Negativentwicklung haben sie dann Europaweit. Schon heute gibt es in vielen europäsichen Mitgliedsländern verlorene Generationen junger Leute, welche seit Jahren erwerbslos sind. Allein in der EU sind über 24 Mio. Menschen ohne Perspektive und Beschäftigung.
    Und wenn sie doch beschäftigt sind, dann zu niedrigen Löhnen oder als Minijobber ohne jegliche Absicherung.
    Allein bei uns in D arbeiten Millionen von Menschen ungewollt als 400 Euro Jobber, weil sie nichts mehr anderes finden, oder als Scheinselbstständige, die noch mit Hartz IV aufstocken müssen, um überhaupt ein überlebensfähiges Einkommen zu erzielen.

  • Das Problem ist aber nicht durch eine Agendareform zu lösen.
    Dadurch werden nämlich die Probleme nur in die Zukunft verschoben und schlagen dort dann um so heftiger durch. Deutschland dient da als Blaupause, wie man ein gutes Sozialsystem und einen tarifbertraglich geregelten Arbeitsmarkt immer weiter schwächen kann. Heute haben wir millionenfache Minijobber und Leiharbeiter, die zukünftig in der Altersarmut landen werden, weil ihre Bruttolöhne zu niedrig sind, um jemals bei der Rente über die Grundsicherung zu kommen.
    Diese Menschen werden irgendwann auf die Barrikaden gehen und sich gegen ihre Ausbeutung wehren!

  • Lösen können sie es nur, indem D eine andere Wirtschaftspolitik fährt, mit höherer Importquote, also mehr vom Ausland einkauft, oder eben zur D-Mark zurückkehrt und dadurch aufwertet.
    Dadurch würde im Ausland Nachfrage und Arbeitsplätze entstehen, die Wirtschaft würde dort wieder wachsen, die Schulden könnten wieder bedient werden, die Jugendarbeitslosigkeit würde sinken.
    Wenn D nicht jetzt umsteuert, wird der Euro crashen und dann die deutschen Exportüberschüsse über Nacht durch die Devisenmärkte durch Aufwertung der neuen Deutschen Mark eindampfen.
    Der Tag wird kommen, weil sich seit 2008 in der Eurozone nichts geändert hat, kein Problem wurde angegangen, nichts wurde gelöst. Nur die Schulden sind seit 2008 weiter exponentiell angestiegen!

  • Zudem wird privatisiert, was wieder die das Staatsvermögen, welches für Einkünfte sorgt, zu den Privaten umverteilt. Schauen Sie doch nach Griechenland, dort wird ein ganzes Land ausverkauft.
    Und auch hier in D wird seit vielen Jahren umverteilt und privatisiert. Die Deutsche Post oder die Deustche Telekom ist dafür ein gutes Beispiel, alles mittlerweile privatisiert zum Nachteil der Kunden.
    Heute finden sie in kleinen Orten nicht mal mehr eine Poststelle, trotz viel höherer Preise für Porto und Versendung.
    Das zieht sich durch alle Lebensbereiche, nichts hat sich großartig für den Normalbürger verbessert.
    Alles wurde stressiger, kundenunfreundlicher, teurer!

  • Der Euro ist ein Fehlversuch, er kann nur durch Strukturreformen, sprich massive Kürzungsprogramme in vielen Euroländern weiter funktionieren. Und wenn diese Länder sich dann zu Tode gespart haben und wieder konkurrenzfähig sind, wird bei uns im Land wieder die Reformkeule durchgezogen.
    Ziel eines Landes muß zudem eine ausgeblichene Handelsbilanz sein. Wenn wir in D dauerhaft massive Handelsbilanzüberschüsse erwirtschaften, verschuldet sich das Ausland bei uns. Die kommen dadurch als reine Defizitländer niemals mehr auf einen grünen Zweig, geschweige denn, dass diese Länder ihre Target 2 Verbindlichkeiten jemals an uns zurückzahlen können.
    Wie wollen sie dieses deutsche Leistungsbilanzproblem lösen, dass ursächlich mit für die Probleme und europäischen Ungleichgewichte ist?

  • @ Tante Mila

    Die deutschen Exportüberschüsse sind uneinbringbare Forderungen gegen das Eurosystem.
    Die Bundesbank bezahlt die Unternehmen aus, die zu ihrem Geld kommen, aber gleichzeitig setht in der Bilanz der Deutschen Bundesbank eine Forderung von aktuell 829.7 Milliarden Euro
    (Stand: 31. März 2017) gegen das Eurosystem.
    Über eine 3/4 Billion EURO an Forderungen gegen die EZB!
    Ich sage es Ihnen heute und hier voraus, der Euro ist bereits 2008 krachend gescheitert und wird nur durch immer neue Bürgschaften und Schuldenpakete vor dem sofortigen Untergang gerettet.
    Diese Währung befindet sich seit Jahren im Dauerrettungsmodus, desweiteren sind viele europäische Großbanken pleiter als pleite. Gleiches gilt für viele Millionen Privatehaushalte und viele Unternehmen, welche sich in der Niedrigzinsphase mit Krediten vollgessaugt haben.

  • Ohne offene Grenzen hätte es keine millionenfache Zuwanderung nach Europa, hauptsächlich in die nordeuropäischen Länder und nach D gegeben.

  • Und was hat die Integration von den Migranten mit den EURO oder den gemeinsamen Markt zu tun?

    Einen gemeinsamen Markt kann es nur bei offenem Binnenmarkt ohne geschlossene nationale Grenzen geben. Wenn die Zuwanderung wie in 2015 und 2016 weitergeht, dann ist Schengen tot, somit auch der Euro.
    Schauen Sie aktuell nach Italien, dort nehmen die Flüchtlingszahlen aus Afrika wieder massiv zu.
    Wenn die Türken Merkels Flüchtlingsdeal aufkündigt, ist hir eh Ende Gelände, dann sind die Grenzen dicht! Zudem kosten die Zuwanderer die Deutschen Steuerzahler jährlich bisher über 20 Milliarden Euro, die den Inlämdern im Sozialbereich, bei den Renten, bei der Gesundheitsversorgung selbst fehlen. Natürlich haben die Zuwanderer etwas mit dem Euro und dem gemeinsamen Markt zu tun > nämlich die weiterhin offenen Außengrenzen!

  • Lieber Herr Nüller, Sie als "kleiner Arbeitnehmer" werden sich entweder den Speilregeln anpassen oder untergehen. Und zwar mit und ohne Euro / Globalisierung. Sie bilden sich allen Ernstes ein, Sie könnten so mir nichts dir nichts zur alten DM zurückkehren und wie durch ein Wunder wird sofort für alle alles besser?! Raten Sie doch erstmal, was wohl mit den deutschen Exportüberschüssen in einem solchen Fall passiert. Und wie sich das dann auf die "kleinen Arbeitnehmer" auswirkt. Und welch tolle Karten ein rohstoffarmes Land wie Deutschland in einem Handelskrieg hat, dürfen Sie sich auch selbst ausmalen. Grenzen wieder hochziehen, ist das eine. Aber viele werden schon bald darauf feststellen, dass ihnen diese Grenzen zu eng sind. Und was dann passiert in einer Welt, in der jedes Land "den größten hat", ist hinlänglich bekannt.

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