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Terror im Wahlkampf-Endspurt „Die Franzosen zu beschützen, ist die wichtigste Aufgabe eines Präsidenten“

Eine Gewalttat kurz vor dem Ende des Rennens um die Präsidentschaft ordnet die Wahlkampfthemen in Frankreich neu. Plötzlich spricht Macron über Terror und Bedrohung. Fillon und Le Pen nutzen den Anschlag für ihre Zwecke.
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Der Präsidentschaftskandidat war der erste prominente Kandidat, der eine Stellungnahme abgab. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Der Präsidentschaftskandidat war der erste prominente Kandidat, der eine Stellungnahme abgab.

(Foto: Reuters)

ParisAm Donnerstagabend ist geschehen, was alle Franzosen befürchtet haben: Eine neue Gewalttat kurz vor dem Ende des Präsidentschaftswahlkampfs. Nur drei Tage vor der Wahl verändert eine Schießerei auf den Champs-Elysées völlig das Umfeld, in dem am Sonntag der erste Wahlgang stattfinden wird. Die Gefährdung der inneren Sicherheit, der Kampf gegen den Terror rücken ins Zentrum der Auseinandersetzung.

Die Ankündigung einiger Kandidaten, sie würden ihren Wahlkampf abbrechen, ändert nichts daran: Die Ermordung eines Polizisten im Herzen von Paris, den Staatsanwaltschaft und amtierender Präsident François Hollande mit dem Attribut „Terrorverdacht“ belegen, wird die Franzosen wohl stark beeinflussen, wenn sie ihre Stimme abgeben. Bislang war der Kampf gegen den Terror nur eine der nachgeordneten Prioritäten, weit hinter der Sorge um Arbeitsplätze, Wachstum und Kaufkraft.

Am späten Abend kursierten von den Behörden unbestätigte Informationen, dass der Täter bereits wegen Mordes verurteilt war und noch vor wenigen Tage von der Polizei verhört wurde - offenbar weil Informanten sagten, er versuche, sich Waffen für einen Anschlag auf die Polizei zu besorgen. Dennoch sei er freigelassen worden, hieß es im französischen Fernsehen. Sollte es tatsächlich so abgelaufen sein, läge also ein schwerer Fehler der Sicherheitsbehörden vor.

Die unerwartete Wendung nur drei Tage vor der Wahl dürfte vor allem dem Konservativen François Fillon und der rechtsextremen Marine Le Pen zugutekommen. Beiden schreiben die Wähler in den Umfragen regelmäßig eine hohe Kompetenz in Sachen Sicherheit und Verteidigung zu, dem jungen Sozialliberalen Emmanuel Macron dagegen nur eine begrenzte.

Die Nachricht vom Mordanschlag platzte mitten in eine TV-Sendung hinein, die den elf Kandidaten noch einmal Gelegenheit geben sollte, ihr Programm in 15 Minuten langen Einzelinterviews darzustellen.

Der weit links stehende Jean-Luc Mélenchon, die Trotzkistin Nathalie Arthaud, der Frexit-Befürworter François Asselineau und auch die rechtsextreme Marine Le Pen hatten bereits gesprochen, als das Verbrechen auf den Champs Elysées geschah. Selbst lange nachdem die Nachrichtenagenturen bereits über einen getöteten Polizisten auf der Pariser Prachtstraße berichtet hatten, ließ der staatliche Sender France 2 die Sendung zunächst weiterlaufen.

Emmanuel Macron war der erste prominente Kandidat, der eine Stellungnahme abgab. Die Moderatoren wollten in ihrer Routine fortfahren, doch der 39-jähriger Kandidat unterbrach sie und sagte: „Als erstes will ich über die Bedrohung sprechen, die wir gerade wieder erlebt haben. Die wichtigste Aufgabe eines Präsidenten ist es, die Franzosen zu beschützen. Ein Polizist ist getötet worden, ein anderer verletzt. Diese Bedrohung wird in den nächsten Jahren nicht verschwinden.“

Fillon und Le Pen nutzen den Mordanschlag für ihre Zwecke
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10 Kommentare zu "Terror im Wahlkampf-Endspurt: „Die Franzosen zu beschützen, ist die wichtigste Aufgabe eines Präsidenten“"

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  • "Fillon und Le Pen nutzen den Mordanschlag für ihre Zwecke"

    Man könnte fast meinen, die genannten hätten den Terroranschlag zu verantworten.....

  • Wie schon zu erwarten war, nun Gewissheit. Deutschland hat dank Merkel´s Politikversagen seine Innere Sicherheit verloren:

    Der Fall Melissa S. steht offenbar vor der Aufklärung. Wie die Staatsanwaltschaft Hannover am Freitag mitteilte, wird ein 25-Jähriger Syrer verdächtigt, die 27-Jährige am Ostersonnabend auf ihrem Heimweg erstochen zu haben. Es handelt sich um denselben Mann, der am Dienstag auch einen Mann in Kleefeld getötet haben soll. Der Tatverdächtige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

  • Erst die Moerder ins Land holen und jetzt Beschuetzer spielen wollen, das sind die Richtigen.

  • Macron hat ein großes Problem...seine Unglaubwürdigkeit. Diese ist an diesen Abend zu Tage getreten.
    Wer seine Grenzen weiterhin nicht schützen will, der ist auch kein Beschützer der Gesellschaft im Inneren. Somit ist Macron wie Merkel unglaubwürdig wenn es um den Schutz und die Sicherheit vor Terror im Inneren geht.

  • Von der Grande Nation lernen heißt lernen, wie man es nicht machen soll.

    La Grande Nation hat sich massenhaft assimilationsunfähige Individuen ins Land geholt, die nun wie Metastasen das französische Gesellschaftsgefüge zerfressen.

    Mutti aus Vorpommern hätte, bevor sie idiotischwerweise die Grenzen für Leute aus aller Herren Länder öffnete, kostenlos Anschauungsmaterial in den französischen Cités sammeln können.

    Was die Grande Nation zur Zeit durchläuft, dürfte Merkelland noch bevorstehen. Dummerweise dürfte sie dann aber nicht mehr im Amt sein, wenn die Folgeschäden auftreten.

    Ein déjà-vu der CDU, Kohl wird für seinen Euro-Schwachsinn auch nicht zur Rechenschaft gezogen.

  • Köln macht es anders ;
    Die meisten Demonstranten sind für offene Grenzen in Europa und NRW plant Grenzkontrollen und Grenzschutz der offiziell nicht geht .
    Köln , die toleranteste Stadt Europas zeigt , was damit gemeint ist .
    ... und was meinen unsere Führungskräfte ?

  • Wenn man seine Außengrenzen nicht schützen will, dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn man im Inneren die Kontrolle über den Schutz und die Sicherheit der Gesellschaft an den Terror verliert.

  • Francois Hollande muß sich vollkommen beschissen fühlen. Immer wieder die gleiche Bestürzung und immer wieder die gleiche Ansprachen vor der Nation. Vielleicht dämmert ihm langsam, das er der Präsident war. Und er hat nichts dagegen getan.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es ist gut wenn dieser Terroranschlag die Wahlpräferenzen der Franzosen neu aufzumischen vermag.

    Der Kandidat Macron hat öffentlich die Einwanderungspolitik von Fr. Merkel gelobt. Deshalb wird er von den hiesigen Qualitätsmedien bejubelt. Sachlich steht er für ein sozialistisches Weiter - So, Aufstände der nordafrikanischen Einwanderer in den Vorstädten, Sozialismus....für Frankreich sicherlich keine gute Wahl.

    Fillon, der konservative Kandidat geriet ins Hintertreffen. Er verspricht eine liberalere Wirtschaftspolitik (wird von vielen Franzosen weniger geschätzt), eine Revision der Einwanderungspolitik, etc. Für Frankreich sicherlich die beste Wahl. Fillon könnte Le Pen in der Stichwahl als "Kleineres Übel" schlagen.

    Le Pen, ist für die hiesigen Qualitätsmedien der Teufel in Person. Sie verspricht eine Politik von Franzosen für Franzosen. Ihre Kernkompetenz liegt in der Einwanderungspolitik. Die Wirtschaftspolitik ist nicht die Stärke der Dame.

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