Frankreich
„Wir werden nicht zurückweichen“

Die Streiks in Frankreich nehmen kein Ende. Doch Staatspräsident Nicolas Sarkozy besteht auf seinen Sozialreformen. Nach einer Woche des Schweigens hat er sich nun wieder zu Wort gemeldet – und las den Gewerkschaften der Verkehrsbetriebe die Leviten.

PARIS. Hénin-Beaumont, Normandie: Das Internat Pasteur setzt 120 Internatsschüler völlig überraschend auf die Straße. Weil das Aufsichtspersonal streikt, müssen die Gymnasiasten nach Hause fahren und dort übernachten. „Das ist nicht lustig, denn die Züge verkehren doch nicht. Man hätte uns wenigstens vorwarnen können“, beschwert sich eine Schülerin.

Paris, Nordbahnhof: Streikende Eisenbahner beschimpfen Kollegen, die zur Arbeit gehen wollen. „Verräter, Streikbrecher“, rufen die Streikposten vor dem Bahnhof. Der Zorn richtet sich vor allem gegen die Lokführer-Gewerkschaft FGAAC, die sich nicht an dem Ausstand beteiligt. „Sie zerschneiden unsere Autoreifen, sie stellen uns bei Betriebsversammlungen namentlich an den Pranger, und sie bedrohen uns am Telefon“, berichtet ein FGAAC-Mitglied. Viele Eisenbahner würden nur deshalb beim Streik mitmachen, weil sie Angst vor Repressalien hätten.

Nizza, Côte d’Azur: Die neue Straßenbahn der südfranzösischen Stadt wird bestreikt – dabei fährt sie noch gar nicht. Erst am Samstag soll die Tram feierlich ihren Betrieb aufnehmen. Die Fahrer legen die Arbeit schon mal vorab nieder, „aus Solidarität mit der nationalen Protestbewegung“, sagt ein Gewerkschafter.

Mal kurios, mal brutal – der Streik in Frankreich kennt viele Facetten. Seit nunmehr einer Woche legen Lokführer, Bahn- und Busfahrer den Verkehr aus Protest gegen die geplante Reform ihrer Rentenkasse lahm. Gestern griff der Ausstand auf den gesamten öffentlichen Dienst des Landes über. Schulen und Kindergärten blieben geschlossen, Krankenhäuser behandelten Patienten nur im Notfall, an den Flughäfen kamen es zu Verspätungen, und in den Pariser Ministerien blieben rund die Hälfte der Beamten ihrem Arbeitsplatz fern. Eine schwere Prüfung für den Rest der Bevölkerung: Viele berufstätige Mütter und Väter mussten zu Hause den Nachwuchs hüten. Das hatte immerhin auch ein Gutes:Weil weniger Berufspendler unterwegs waren, fiel das Verkehrschaos nicht ganz so dramatisch aus wie an den Tagen zuvor.

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