Frankreich zieht mehr Direktinvestitionen an als jedes andere europäische Land
Investitionschancen vor der Haustür

Aufmüpfige Gewerkschaften, eine gesetzliche Arbeitszeitbegrenzung von 35 Stunden und eine Wirtschaftspolitik, die mit Händen und Füßen versucht, ihre „nationalen Champions“ vor dem Zugriff des Auslands zu schützen. Beurteilt man Frankreich nach den Schlagzeilen, erscheint das Land nicht gerade als verlockende Top-Adresse für Investoren. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus.

PARIS. „Frankreich lag im vergangenen Jahr bei den ausländischen Direktinvestitionen auf Rang zwei nach China“, sagt Clara Gaymard, Präsidentin der Agence française pour les investissements internationaux, AFII. Ihre Agentur ist der zentrale Ansprechpartner für ausländische Investoren, die in Frankreich unternehmerisch tätig werden wollen. Damit diese nicht das Interesse an Frankreich verlieren, hat die AFII in diesen Tagen eine breit angelegte Werbekampagne („The new France“) gestartet.

Im vergangenen Jahr flossen rund 47 Mrd. Euro Direktinvestitionen nach Frankreich. In Deutschland waren es gerade 13 Mrd. Euro. Die AFII bilanziert diese Engagements der Ausländer primär danach, wie viele Jobs durch den Geldzufluss geschaffen wurden. Nach dieser Rechenart liegen US-Unternehmen mit 6 570 neuen Arbeitsplätzen im Jahr 2003 auf Platz eins, gefolgt von deutschen Gesellschaften, die rund 5 100 Arbeitsplätze in Frankreich haben entstehen lassen.

Die stärksten Zuwächse verzeichneten die Automobilindustrie, der Maschinenbau, Beratungsdienstleistungen und die Pharmabranche. „Deutsche Investoren kehren verstärkt nach Westeuropa und nach Frankreich zurück“, beobachtet die AFII-Präsidentin. So ist die Zahl der von deutschen Unternehmen geschaffenen Jobs im vergangenen Jahr um 77 Prozent gestiegen. Gaymards Erklärung: „Nachdem die wichtigsten Investitionen in den Boomregionen China und Osteuropa getätigt worden sind, wenden sich die Deutschen wieder stärker ihrem Nachbarmarkt zu.“

Frankreich biete den „kaufkräftigsten und größten Markt in unmittelbarer Nähe“, ergänzt Heinrich Lieser, Geschäftsführer der deutsch- französischen Auslandshandelskammer. Traditionell ist Frankreich Deutschlands wichtigster Handelspartner, daher will er nicht von einer Rückkehr der deutschen Investoren sprechen. Aber auch der Experte der Handelskammer hat ein verstärktes Interesse an Frankreich bemerkt. „Hier sind es die klassischen Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, in denen die Deutschen in Frankreich erfolgreich sind“, sagt Lieser. Beide Länder würden sich gut ergänzen: Vereinfacht ausgedrückt: Konsumgüterlastiges Frankreich, investitionsgüterlastiges Deutschland.

AFII-Chefin Gaymard nennt vier Gründe, warum Frankreich so viel Geld aus dem Ausland anzieht: Zum einen beherbergt Frankreich mit LVMH, Axa, Total, Renault und PSA Peugeot Citroën viele Unternehmen, die in der Weltspitze ganz vorn mitspielen. „Das lockt Zulieferer an“, sagt Gaymard. Darüber hinaus nennt sie klassische Gründe wie die gut ausgebaute Infrastruktur, eine effiziente Wirtschaftsförderung und neue Regierungsinitiativen, die ausländische Unternehmen ins Land locken sollen. Beispiel: Start-up-Unternehmen werden für mehrere Jahre von Steuern und Abgaben befreit.

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