Frankreichs Außenminister Kouchner
„Ich bin kein Kriegstreiber“

Mit seinem unermüdlichen Kampf für die Menschenrechte erwarb sich Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner viele Sympathien. Doch die scheint er sich langsam zu verscherzen. Seit Kouchner Mitte Mai ins Außenministerium einzog, häufen sich die diplomatischen Pannen.

PARIS. Bernard Kouchner kommt nicht zur Ruhe. Nächtelang habe er nicht geschlafen, klagt der gestresste französische Außenminister. Am Montag war er noch in Moskau, jetzt weilt er in Washington, und am Wochenende geht es weiter zur Uno-Vollversammlung nach New York. Die nächsten Reisen plant der umtriebige Minister auch schon – nach Teheran zum Beispiel. Wenn die iranische Regierung ihn einlade, werde er gerne kommen, ließ Kouchner das Mullah-Regime wissen.

Die Franzosen reiben sich verwundert die Augen. Schon wieder schlägt ihr Chefdiplomat eine halsbrecherische Volte. Erst vor vier Tagen hatte Kouchner gewarnt, die Welt müsse sich im Atomkonflikt mit Iran auf „das Schlimmste“ vorbereiten, nämlich auf „Krieg“.

Jetzt schwenkt der Minister gelenkig ins andere Extrem: Plötzlich will er dem Land, das US-Präsident George W. Bush als „Terrorstaat“ einstuft, einen Besuch abstatten. Er sei „kein Kriegstreiber“ und habe nur eines im Kopf: „verhandeln, verhandeln, verhandeln“, beteuerte der Mann, der einst die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ gründete und sich mit seinem unermüdlichen Kampf für die Menschenrechte viele Sympathien erwarb.

Wäre Kouchner nicht so außergewöhnlich populär in Frankreich, dann würde der Staatspräsident vielleicht schon über seine Ablösung nachdenken. Zwar pflegen der Neogaullist Nicolas Sarkozy und der Sozialist Bernard Kouchner denselben rabiaten Politikstil. Doch die dramatische Kriegswarnung des Ministers ging dem Präsidenten zu weit. Kouchner musste zurückrudern. Sarkozys Sprecher formulierte das so: „Der Minister hatte die Gelegenheit, seine Äußerungen zu präzisieren.“

Es war nicht die erste Gelegenheit. Seit Kouchner Mitte Mai ins Außenministerium einzog, häufen sich die diplomatischen Pannen. Kaum im Amt, löste er mit der Forderung nach einem „humanitären Korridor“ für die Bürgerkriegsprovinz Darfur einen internationalen Proteststurm aus – und ließ das Vorhaben fallen. Nach seinem spektakulären Besuch im Irak forderte er den irakischen Premierminister Nuri el Maliki per Interview zum Rücktritt auf. Der Iraker schäumte und zwang Kouchner zu einer offiziellen Entschuldigung – eine Demütigung für das ganze diplomatische Corps der Grande Nation.

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