Frankreichs Industrieminister
Montebourg will Mindestlohn in Deutschland

Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg ist sauer über die "unfaire Konkurrenz" aus Deutschland. Die Gefahr sei, dass sich Franzosen eines Tages keine Produkte aus Deutschland mehr leisten könnten.
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ParisFrankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg hat das Fehlen eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland scharf kritisiert. Dass es diesen nicht gibt, "schadet uns", sagte Montebourg am Mittwoch in einem gemeinsamen Interview der Nachrichtenagentur AFP, der Sender LCP und France Info sowie der Tageszeitung "Le Monde". Das Fehlen eines deutschen Mindestlohns "beschädigt in gewisser Weise die Rechte der europäischen und insbesondere der französischen Angestellten", weil sie mit "unfairer Konkurrenz" konfrontiert würden.

Es dürfe keinen "Preiswettkampf auf dem Rücken der Kaufkraft der Arbeiter" geben, sagte Montebourg. Dies mache die französische Regierung auch in ihren Gesprächen mit Berlin deutlich. Falls Deutschland keine Kunden mehr für seine Produkte finde, weil diese "zu ruiniert sind oder nicht die Mittel haben, deutsche Produkte zu kaufen", dann sei das auch schlecht für Deutschland, mahnte der Minister, der dem linken Flügel der französischen Regierung zugerechnet wird.

Die Erholung der europäischen Wirtschaft hänge unter anderem davon ab, ob "die Überschüsse" im deutschen Staatshaushalt zum Wohl Europas eingesetzt würden, führte Montebourg weiter aus. Nötig sei eine "kooperative Strategie mit Vorteilen für alle".

Die regierenden Sozialisten in Frankreich werfen der Bundesregierung bereits seit längerem vor, durch Niedriglöhne die Wettbewerbsfähigkeit anderer Länder in Europa zu schwächen. Montebourg selbst äußerte sich bereits früher sehr kritisch über die Bundesregierung. Als Oppositionspolitiker beschuldigte er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende 2011, den Euro zu "töten" und dafür zu sorgen, dass Deutschland "auf den Trümmern" der anderen Euroländer ein "Vermögen" mache.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die Deutschen Interessen sind die Aller: Wohlstand, Zukunft, Frieden!
    Oder: Wenn ich es nicht kriegen kann, warum sollte ich Dich damit durchkommen lassen?
    Meine Gören verludern auf Tankstellen und ich soll "Ihren asozial subventionierten Dreck vom Preisbrechers Gnaden (Schröder)kaufen"?
    Wissen Sie noch damals an der Somme? Eine MILLION an einem Tag, das sind doch Zahlen.
    Wollen wir noch mal? Ich werde meine Arbeitslosen los,und diesmal trifft es, falls nicht "den Verursacher" so doch "aus meiner Sicht" den "Richtigen" und hinterher können wir wieder was aufbauen.
    Denn chinesische Produkte werden wir danach nicht mehr bezahlen können, und wenn die Griechen ihre Häfen verkaufen sollen was machen wir dann wenn es uns trifft?
    Ob Helgoland, Sylt und Bayern als Bezahlung reichen?

  • Doch, mein Gehalt wurde damals auch angepasst. Ich hab ja schon ne Menge gegen den Euro gehört. Als ehemaliger Befürworter hat mich die Krise eines besseren belehrt. Aber, dass die meisten Preise gleichgeblieben sind ist (für manche: leider) so.

    Und jetzt soll auch noch das Gehalt damals nicht angeglichen worden sein?

    Ich bin gegen den Euro, weil er für uns zu schwach und für die ärmeren Staaten zu stark ist. Aber bestimmt nicht, weil er alles angeblich teurer gemacht hat. Ich befasse mich mit Lebensmittelpreisen beruflich seit Mitte der Achtziger (Lebensmittelgroßhandel). Hab mir gerade ne Dose Ravioli (bekanntes Markenprodukt) geöffnet. Kostete im Angebot 1,25 €. In den Achtzigern war der Angebotspreis 1,69 DM. Spanischer Markensekt kostete im Angebot 7,77 DM, heute 4,44 €. Das ist ungefähr das Gleiche plus Inflation.

  • Nur, dass die Niedriglöhner mit unserer Exportwirtschaft herzlich wenig zu tun haben.

    Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und dann eben, statt 13 € ein paar Euronen mehr für den Haarschnitt hinblättern.

    Als meine Frau noch nicht gut Deutsch konnte, bewarb sie sich hier in Düsseldorf bei einem Luxushotel. Nun, selbst als Putzfrau in einem Fitnessstudio und bei McDonalds verdiente sie drei Euro mehr. Pro Stunde!!!

    Und sowas bekommt auch noch die Steuern ermäßigt. Sie sollte dort übrigens fünf Tage gratis "Probe" arbeiten.

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