Frankreichs Konservative: Bewerber-Feld zeichnet sich ab

Frankreichs Konservative
Ex-Premier Fillon setzt sich in Vorwahl gegen Juppé durch

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Bewerber-Feld zeichnet sich ab

Die Frage ist nun, wie der Präsidentschaftskandidat Fillon sich verhalten wird. Bislang hat er sich so gut wie überhaupt nicht zur Zusammenarbeit mit Deutschland geäußert. Europa und die Zukunft der Eurozone waren praktisch kein Thema im Vorwahlkampf. Die Franzosen, die unter dem Eindruck einer seit Jahren anhaltenden Wirtschaftsschwäche und des Terrorismus sehr an ihrem Land zweifeln, neigen derzeit zur Nabelschau.

Die klare Sympathie Fillons für Russlands autoritären Herrscher Wladimir Putin und das Jubeln der Putin-Riege über den Erfolg Fillons in der ersten Runde der Vorwahlen haben ihm in der Stichwahl nicht geschadet. Für Frankreichs europäische Partner wird es in den kommenden Monaten besonders wichtig sein zu verfolgen, wie sich die außen- und europapolitischen Vorstellungen Fillons konkretisieren.

Nachdem seine Kandidatur klar ist, zeichnet sich das Feld der Bewerber für die Wahl 2017 bereits deutlicher ab. Auf der extremen Rechten tritt Marine Le Pen für die Front National an, auf der extremen Linken Jean-Luc Mélanchon, der auch die Unterstützung der Kommunistischen Partei hat. In der Mitte findet man Emmanuel Macron, den früheren Wirtschaftsminister von François Hollande.

Dort wird möglicherweise auch François Bayrou antreten, Vorsitzender der linksliberalen Partei Modem. Offen ist noch, wer für die Sozialisten kandidiert. Sie veranstalten erst im Januart ihre Vorwahl, um den Kandidaten zu bestimmen. Hollande hat gesagt, das sich alle dieser Prozedur unterziehen müssen, also auch er selber. Doch noch immer hat er sich nicht geäußert, ob er sich überhaupt für ein weiteres Mandat bewerben will.

Sein eigener Premier Manuel Valls baut inzwischen starken Druck auf, um Hollande davon abzuhalten. Er lässt keinen Zweifel mehr daran, dass er selber kandidieren will und Hollande für ungeeignet hält. Es gehe „nicht darum, ob Hollande Lust hat, zu kandidieren“, sagte er am Sonntag schroff in einem Interview. Die Bedingungen müssten stimmen, und Valls hat deutlich gemacht, dass sie seiner Ansicht nach nicht stimmen. „Das jüngste Buch des Präsidenten hat für sehr starke Verwirrung innerhalb der Linke gesorgt“, moniert Valls mit Verweis auf ein Interview-Buch Hollandes, in dem er sich auf bestürzend abschätzige Weise über befreundete Staatschefs und eigene Minister äußert sowie geheime Angriffspläne auf Syrien enthüllt.

Er selber, Valls, verkörpere dagegen ein gutes Verhältnis zur Linken und zu den Franzosen insgesamt, hält der Premier sich zugute. Hollandes Anhänger erwarten aber, dass der Präsident sich schon in den nächsten Tagen erklären wird – und antritt.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Frankreichs Konservative: Ex-Premier Fillon setzt sich in Vorwahl gegen Juppé durch"

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  • Lothar dM28.11.2016, 11:21 Uhr

    "Ein vergleichbarer Kandidat für das Kanzleramt wäre in Deutschland z.Zt. (noch) nicht möglich, denn er müsste vermutlich aus der AfD kommen."

    Höchstwahrscheinlich haben Sie Recht.
    Warten wir ab, was sich in Frankreich tut. Gesagt wird am Anfang immer viel, "aber wichtig ist, was hinten herauskommt" (Helmut Kohl).

  • Gute Wahl der Konservativen, ein wertkonservativer Kandidat mit Macherqualitäten. EUR-skeptisch nicht aus Dogma, sondern aus der Erfahrung. In Frankreich wird in wohl in jedem Fall ab 2017 bürgerlich-wertkonservativ regiert.

    Ein vergleichbarer Kandidat für das Kanzleramt wäre in Deutschland z.Zt. (noch) nicht möglich, denn er müsste vermutlich aus der AfD kommen.

    Entlarvend übrigens auch der aktuelle Angstschweiss der linken Großkoalition in Österreich, die jetzt schon die Wähler mit Barem lockt! Ob das hilft?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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