Frankreichs kränkelnde Wirtschaft: Der französische Patient

Frankreichs kränkelnde Wirtschaft
Der französische Patient

Die Grande Nation schwächelt: Den Unternehmen fehlt es an guten Ideen und Exportschlagern. In vielen Industriezweigen sind die Probleme offenkundig. Selbst Frankreichs Winzer stecken in der Krise - was diese aber wenig kümmert. Lieber brennen sie aus ihrem Wein Alkohol, wenn er sich nicht verkauft.

PARIS. Der Schriftzug „Bata“ am weiß lackierten Eingangstor hat Rost angesetzt. Auf dem Gelände dahinter verfallene rote Backsteinbauten, die Scheiben sind eingeschlagen, die Türen eingetreten. Auch innen haben Randalierer Spuren hinterlassen: Alte Matratzen, zerfetzte Kartons und Zeitungen liegen herum.

Ein Stück französischer Industriegeschichte geht hier zu Ende in Moussey nahe der deutschen Grenze: Vor rund 75 Jahren hat der tschechische Kaufmann Thomas Bata auf dem zwei Hektar großen Gelände eine der größten und modernsten Schuhfabriken Europas gebaut sowie Miethäuser für einen Großteil seiner 2 000 Arbeiter. „Bataville“ ist entstanden, eine Arbeiterstadt mit Kino, Geschäften und Schwimmbad.

Davon ist heute nicht mehr viel übrig: Die Marke „Bata“ und die Läden gibt es zwar noch in ganz Frankreich. Aber die Produktion wurde bereits 2001 nach Asien verlegt. Zum Jahreswechsel hat Bata auch sein letztes Depot in Bataville geschlossen und damit endgültig die Kleinstadt verlassen. Die letzten 40 Mitarbeiter stehen nun auf der Straße.

Die Grande Nation im Abwärtssog – das lässt sich nicht nur am Beispiel Bata beobachten. Auch in anderen Industriezweigen sind die Probleme unübersehbar. Die Autokonzerne PSA Citroën und Renault verlieren Marktanteile. Der Chemiekonzern Arkema hinkt in Sachen Rentabilität der Konkurrenz hinterher. Der Flugzeugbauer Airbus hat zwar volle Auftragsbücher, kämpft aber mit ineffizienten Produktionsstrukturen.

Selbst die Überlegenheit der Franzosen in der Luxusgüterindustrie und der Weinherstellung ist nicht mehr selbstverständlich. Französische Weine finden zunehmend den Weg in die Destillation statt ins Glas der Exportkunden. Und französische Luxusmarken bekommen neue Konkurrenten aus dem Ausland.

Experten schlagen Alarm: „In den meisten Industriesektoren verzeichnet Frankreich seit einem Jahrzehnt einen Rückgang bei Beschäftigung, Margen und Investitionen“, warnt McKinsey in einer Studie, „und das Produktivitätswachstum hat sich verlangsamt.“ Nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft hat diese Entwicklung 700 000 Arbeitsplätze gekostet. Sie hätten erhalten werden können, wenn Frankreichs Unternehmen nicht derart an Wettbewerbsfähigkeit verloren hätten.

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