Frankreichs neuer Außenminister Ayrault
Die Rückkehr des Intimfeindes

Frankreichs Präsident erklärt im TV-Interview, wie glücklich er mit dem neuen Außenminister Ayrault ist. Doch mit der Benennung verärgert Hollande viele aus seinem Kabinett – nicht zuletzt seine Ex-Lebensgefährtin.

ParisFrançois Hollande hat die Umbildung der Regierung genützt, um seinen alten Freund Jean-Marc Ayrault sofort wieder an Bord zu holen. „Ich wollte einen Außenminister, der sooft, aus dem Stand, einsetzbar ist“, sagte der Präsident am Donnerstagabend in einem TV-Interview. Die Neubesetzung war notwendig geworden, weil Laurent Fabius das Außenministerium verlassen hat. Der 69-Jährige wird künftig den Verfassungsrat leiten – eine prestigeträchtige, aber wenig anstrengende Aufgabe.

Vor knapp zwei Jahren hatte Hollande den heute 66-jährigen Ayrault als Premier vom Hof gejagt weil er glaubte, dadurch den Zusammenhalt der Exekutive und seine eigenen Zustimmungswerte verbessern zu können. Nach mehreren Wahlbiederlagen, zuletzt bei den Regionalwahlen, und zahlreichen Konflikten im Kabinett muss er feststellen, dass Ayraults Nachfolger Manuel Valls zwar energischer auftritt, aber keine besseren Resultate erreicht, weder am Arbeitsmarkt noch bei Urnengängen. Für Valls ist die Rückkehr seines Intimfeindes Ayrault eine Ohrfeige. Aber ihm blieb nichts anderes übrig, als tapfer die Fassade zu bewahren: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass Jean-Marc Außenminister wird, das zeigt, dass wir alle Strömungen und Kräfte sammeln.“ sagte er am frühen Abend.

Wenig zufrieden dürfte Hollandes Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal sein. Sie hatte gehofft, selber die Nachfolge von Fabius antreten zu können. Daraus wurde nichts, Royal bleibt Umweltministerin, erhält als Trost aber die Zuständigkeit für die Klimakonferenz dazu – eine weitgehend formale Aufgabe, da die Ministerkonferenz bereits im Dezember in Paris stattgefunden hat, noch unter Fabius‘ Leitung.

Zurück in der Regierung sind nun auch drei Vertreter der Grünen, zwei als Staatssekretäre, eine als Ministerin für Wohnungsbau. Hollande hatte seit Längerem versucht, die 2014 ausgeschiedenen Grünen wieder in seine Exekutive zu holen. Formal ist ihm das gelungen, doch sind alle drei nicht oder bald nicht mehr in der grünen Partei EELV. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2017, bei der Hollande antreten will und im ersten Wahlgang die Zersplitterung der Linken vermeiden muss, bringt ihm diese Ernennung wenig.

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