Frankreichs Schicksalswahl
Großes Schauspiel in Paris

Deutschlands wichtigster Handelspartner steht vor einer Schicksalswahl. Frankreichs wirtschaftliche Lage ist so kritisch, dass das Land in den nächsten fünf Jahren „die letzte Chance zu friedlichen Reformen“ hat, glaubt zumindest der bekannte Ökonom Nicolas Baverez. Ohne Veränderungen droht Frankreich der ökonomische Niedergang.
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PARIS. François Bayrou ist kein Revolutionär. Der 55-jährige Katholik ist ein Pferdezüchter aus dem Pyrenäen-Vorland. Und doch könnte der Kandidat der bürgerlich-liberalen Partei für die französische Demokratie (UDF) das in Frankreich seit fünf Jahrzehnten dominierende Zwei-Parteien-System umstürzen, wenn er im ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 22. April auf einen der ersten beiden Plätze kommt.

Jüngsten Umfragen zufolge liegt der Außenseiter aus der Provinz nur knapp hinter der an zweiter Stelle liegenden Sozialistin Ségolène Royal. Kann er sie überholen, hat er die besten Chancen, im zweiten Wahlgang am 6. Mai zum neuen französischen Präsidenten gewählt zu werden. Denn in der Stichwahl hat er nach allen Umfragen einen Vorsprung von fast 20 Prozentpunkten - sowohl gegenüber Royal wie auch dem Gaullisten Nicolas Sarkozy.

Lange sah es im Wahlkampf wie ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Royal und Sarkozy aus. Mit Bayrous Aufholjagd ist es auf einmal wieder spannend geworden. Doch politische Inhalte spielen eine eher untergeordnete Rolle. "Dieser Wahlkampf ist wieder einmal ein großes Schauspiel", sagt Isabelle Bourgeois vom französischen Forschungsinstitut Cirac. "Jeder weiß, dass die Situation ernst ist, aber niemand spricht die wichtigen Themen an."

Tatsächlich ist die wirtschaftliche Lage so kritisch, dass das Land in den nächsten fünf Jahren "die letzte Chance zu friedlichen Reformen" habe, sagt der bekannte Ökonom Nicolas Baverez, ansonsten drohe "Gewalt und Aufruhr".

Das mag auf den ersten Blick übertrieben klingen. Frankreich hatte über ein Jahrzehnt hinweg ein höheres Wirtschaftswachstum als Deutschland. Mittlerweile ist die Geburtenrate mit mehr als zwei Kindern pro Frau die höchste in ganz Europa. Schon überbieten sich französische Politiker mit Prognosen, wann Frankreich eine größere Bevölkerungszahl haben wird als Deutschland.

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