Frankreichs Sozialisten
„Wenn ich Staatspräsident wäre...“

Frankreichs Sozialisten streiten in ihrer dritten und letzten Fernsehdebatte um die Kandidatur für das höchste politische Amt. Ségolène Royal bleibt zwar die Königin der französischen Meinungsumfragen. Sicher in der Tasche hat sie die sozialistische Spitzenkandidatur für die Präsidentschaftswahl dennoch nicht.

PARIS. Die Favoritin ist am Ende einigermaßen zufrieden. „Ich gehe gestärkt aus unserer internen Kampagne hervor“, sagt Ségolène Royal und klingt dabei erleichtert. Die Sozialistin hat überstanden, „was nicht dazu gedacht war, mir zu helfen“: Drei lange TV-Debatten mit ihren Konkurrenten Dominiques Strauss-Kahn und Laurent Fabius.

In insgesamt fast sechs Fernsehstunden versuchten die beiden sozialistischen Altstars, die Königin der französischen Meinungsumfragen vom Thron zu stürzen – vergeblich. Immer noch wünschen rund 60 Prozent der sozialistischen Wähler, dass die 53-jährige Politikerin im nächsten Frühjahr Staatspräsidentin wird. Nur rund 30 Prozent wollen Strauss-Kahn im Elysée-Palast sehen, Fabius gar nur zehn Prozent.

Sicher in der Tasche hat Royal die sozialistische Spitzenkandidatur für die Präsidentschaftswahl dennoch nicht. Denn der frühere Finanzminister Strauss-Kahn hat Boden gut gemacht. In Wirtschaftsfragen halten die Wähler ihn für kompetenter als Royal. Hinzu kommt die begrenzte Aussagekraft der Umfragen. Die Meinungsforscher befragen stets die potenziellen sozialistischen Wähler. Deren Präferenzen müssen sich aber nicht decken mit jenen der rund 220 000 sozialistischen Parteimitglieder, die ihren Spitzenkandidaten am 16. November wählen. Das Ergebnis bleibt deshalb unkalkulierbar. Gut möglich, dass keiner der drei Kontrahenten im ersten Anlauf die absolute Mehrheit erreicht und die beiden Bestplatzierten eine Woche später in die Stichwahl gehen müssen.

Diese Aussicht zerrt sichtbar an den Nerven. Das Lächeln der Kandidatin Royal bekommen die Zuschauer bei der letzten Fernsehdebatte am Dienstagabend deutlich seltener zu sehen als sonst. „Ségolène Royal blieb etwas hinter ihren vorherigen Leistungen zurück“, urteilt tagsdrauf die der Kandidatin prinzipiell sehr freundlich gesonnene linke Tageszeitung „Libération“. Auch das Boulevard-Blatt „Le Parisien“ findet sie „nicht so strahlend und souverän wie die vorherigen Male.“

Vielleicht liegt es am Diskussionsthema: In der Außen- und Europapolitik ist Royal, die als Ministerin mal für Umwelt, mal für Bildung zuständig war, nicht selbstverständlich zu Hause. Fabius hingegen glaubt, aus dem reichen Erfahrungsschatz als Ex-Regierungschef schöpfen zu können. Flink teilt er die Welt in gut und böse ein. „Wenn ich Präsident wäre, würde ich den iranischen Präsidenten nicht empfangen“, verkündet er.

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