Franz Fehrenbach
Griechenland braucht einen Marshallplan

Der Bosch-Chef findet, es ist Zeit zum Handeln: Es braucht ein klares Bekenntnis zum Euro, zur europäischen Idee und einen „Marshallplan“ für Griechenland, fordert Fehrenbach in seinem Gastkommentar.
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DüsseldorfDie Lage ist ernst: Die Staatsschuldenkrise in Europa verschärft sich. Den Finanzmärkten fehlt jegliche Orientierung. Die Furcht vor einer Rezession wächst. Wir müssen erkennen: Es ist allerhöchste Zeit zum Handeln. Es ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen und das Festhalten an Dogmen, sondern der Neuorientierung und Führung. Entscheidend ist, dass wir deutlich machen: Europa braucht den Euro! Der Euro hat maßgeblich zu Stabilität und Wohlstand beigetragen. Er hat die Rolle Europas in der Weltwirtschaft gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen. Europa und der Euro sind ein Erfolgsmodell, das wir uns nicht von zögerlicher Politik und von hochriskant agierenden Finanzmarktakteuren kaputtmachen lassen dürfen.

Aber - und das ist ebenfalls Teil der Wahrheit - der Euro wurde von gravierenden Fehlentwicklungen begleitet. Regeln, allen voran die Verschuldungsgrenzen, wurden missachtet. Viele Länder sind der Verlockung des billigen Geldes erlegen und haben ihre Wettbewerbsfähigkeit vernachlässigt. Wir brauchen eine schonungslose Analyse der Fehler, aber auch visionäre Kraft, den Weg aus dieser Krise aufzuzeigen und zu gehen. Für mich steht fest: Die Bereinigung der Fehlentwicklungen bedarf großer Anstrengungen und wird sehr viel Geld kosten. Aber ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone wäre noch sehr viel teurer. Es käme zu einer schweren Wirtschaftskrise. Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte wären unberechenbar. Fest steht auch: Es gibt keine einfachen Lösungen.

Was wir brauchen, ist ein Neuanfang. An erster Stelle muss ein klares und unverbrüchliches Bekenntnis zur europäischen Idee und zum Euro stehen. Denn nur so kann das wieder neu entstehen, was in weiten Teilen verloren gegangen ist - Vertrauen in die Verlässlichkeit von Politik und in das Funktionieren der Finanzmärkte. Ein klares Bekenntnis zum Euro erfordert, zügig und mit aller Finanzkraft einer weiteren Destabilisierung entgegenzuwirken. Überschuldeten Ländern muss geholfen werden. Nur so kann der Vertrauensverlust und eine weitere Erosion der Finanzbasis vieler Länder und Finanzinstitute gestoppt werden.

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Griechenland braucht einen Marshallplan

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Europa muss seine Handlungsfähigkeit beweisen

Kommentare zu " Franz Fehrenbach: Griechenland braucht einen Marshallplan"

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  • Das wird doch schon längst umgesetzt! Griechenland erhält jährlich rund 4 Mia. Euro netto aus der EU-Kasse, die Dringlichkeitshilfen im Rahmen des Euro sind dabei garnicht berücksichtigt. Summieren sie das doch einmal über die Jahre auf?! Polen erhält ca. 8 Mia. jährlich und viele andere EU-Nehmer-Staaten Milliarden über Milliarden, jedes Jahr, unbefristet? Richtig, unbefristet! Nun kommt der ESFS hinzu, dann wahrscheinlich noch der berühmte `Schäuble-Hebel`, die ultimative Massenvernichtungswaffe gegen die eigenen Bürger, etc. etc. Armes Deutschland, arme Niederlande, arme Geberländer!

  • Aus Reportage im den Abendnachrichten des ersten griechischen Fernsehens (NET), Meldung des Parteivorsitzenden der Linken (SYRIZA), auf der Frage zu einem Kommentar eines Interviews der Bundeskanzlerin an das griechischen Fernsehen: <<die Bodenlose Dummheit europäischer Regierungen, inklusive der Deutschen Regierung...>>
    D.H. also: 1) sie wollen neue Wahlen 2) sie können die Regierung nicht zum Rücktritt zwingen 3) sie versuchen durch Beleidigungen die europäischen Regierungen zur Beendigung der Unterstützung an die griechischen Regierung zu veranlassen.
    Als Grieche und weil ich die Frechheit dieses Volkes nicht mehr hören kann, und quasi die Bundeskanzlerin offiziell zu beschimpfen, sage ich: was sie brauchen, was das Land braucht, ist ein wirklicher Schock. Sonst kommen sie aus der Krise nicht heraus, hoffen auf einen Schuldenschnitt, damit sie frei von Schulden wieder von vorne beginnen.
    Weder sie verdienen diese Hilfe noch der europäische Steuerzahler verdient es permanent für fremde Schulden und Verschwendung zu zahlen und als Dank dafür beschimpft zu werden.
    Marschallplan ja, nach dem Schock, sonst werden die europäischen Investoren am Ende noch als Räuber vom Schweiß und Blut des "armen" Griechen beschimpft. Dass es so kommt dafür verbürge ich mit meinem Kopf.
    Yannis

  • Griechenland braucht zwar einen Marshall Plan, aber nicht wirklich Geld. Davon haben die Griechen selbst genug: Hunderte Milliarde Euro halten sie auf Auslandskonten. Sobald Griechenland Strukturen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen implementiert, die den Auslandsinvestoren all das zusichern, was sie sich wünschen (Sicherheit, international wettbewerbsfähige Bedingungen, etc. etc., wird zumindest ein Teil dieser Auslandsvermögen nach Griechenland zurückfließen.

    http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

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