Franziskus im Porträt Der stille Jesuit aus Buenos Aires

Jorge Mario Bergoglio ist der erste Papst aus Lateinamerika. Er reist nicht gern, gilt in der Öffentlichkeit als unauffällig. Sein Ton ist es nicht – wenn er sich mit Argentiniens Regierung anlegt. Seine Heimat jubelt.
Update: 14.03.2013 - 09:10 Uhr 17 Kommentare
Jorge Bergoglio in seiner Heimat in Buenos Aires: Ein Mann des Volkes. Quelle: AP/dpa

Jorge Bergoglio in seiner Heimat in Buenos Aires: Ein Mann des Volkes.

(Foto: AP/dpa)

Buenos AiresMit Jorge Mario Bergoglio kommt zum ersten Mal ein Papst aus Lateinamerika. Bereits beim letzten Konklave 2005 war der argentinische Jesuit der stärkste Kontrahent Joseph Ratzingers gewesen. Mit 76 Jahren und seiner etwas gebrechlichen Gesundheit ging er in die neue Papstwahl eher als Außenseiter. Er wird oft auch „Kardinal der Armen“ genannt.

Der Erzbischof von Buenos Aires und Primas Argentiniens bevorzugt ein möglichst unauffälliges Auftreten in der Öffentlichkeit. So konnte er bereits als Kardinal öfters in der U-Bahn auf dem Weg in die Kathedrale an der Plaza de Mayo beobachtet werden. Auch in Rom geht er lieber in einem dunklen Mantel und ohne Kardinalshut.

In den letzten Jahren kollidierte Bergoglio mehrfach mit den Regierungen von Néstor und Cristina Kirchner. Er kritisierte Korruption und Armut, außerdem wandte er sich erfolglos gegen die Legalisierung der Homo-Ehe in Argentinien.

Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Sein Vater war Bahnangestellter in der argentinischen Hauptstadt. Dort ging er auf eine technische Schule, die er als Chemie-Techniker absolvierte. Mit 21 Jahren ging er ins Priester-Seminar. Nach seiner Priesterweihe 1969 folgte er Theologiestudien und wurde 1973-1979 zum Provinzial des Jesuitenordens berufen. In diesen schwierigen Jahren Argentiniens, in denen nach sozialer Aufruhr das Militär die Staatsmacht übernahm, führte Bergoglio mit Strenge seine Ordensbrüder in strikt religiöse Aufgaben zurück.

Der einzige Jesuit im Konklaven übernahm 1998 das Erzdiözese von Buenos Aires und wurde 2001 zum Kardinal berufen.

Als Papst Franziskus wird er viel unterwegs sein – auch wenn ihm das nicht unbedingt behagt wie der Weihbischof von Buenos Aires, Eduardo García, verriet. „Ich sehe ihn nicht als einen Papst, der reist – tatsächlich reist Bergoglio nicht gerne“, sagte García dem argentinischen Sender Todo Noticias. Franziskus werde ein Papst sein, „der eine Kirche fördert, die über gewöhnliche Grenzen hinausgeht, um – wie er selbst sagt – existenzielle Grenzen zu erreichen, in denen das Evangelium nicht präsent ist“, sagte García. Bergoglio sei seiner Meinung nach zum Papst gewählt worden, „weil wir in Lateinamerika intensiv in unserer Mission und der Evangelisierung arbeiten“.

Bereits kurz nach der Wahl des Papstes wurde am Mittwochabend der päpstliche Twitter-Account @pontifex wiedereröffnet. „Habemus Papam Franciscum“ twitterte das neue Kirchenoberhaupt auf Latein in einer ersten Botschaft.

Das Twitter-Konto war seit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. vorerst gesperrt worden. Das Konto gibt es seit dem 12. Dezember. Seitdem verfolgten rund 2,5 Millionen Menschen die dort veröffentlichten Kurzbotschaften des Papstes in neun Sprachen. Da Benedikt über den Kurznachrichtendienst auch viele hämische Kommentare erreichten, war das Twittern des Papstes innerhalb der Kirche nicht unumstritten.

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17 Kommentare zu "Franziskus im Porträt: Der stille Jesuit aus Buenos Aires"

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  • @Holla-die-Waldfee
    Es wundert mich immer wieder, die gleichen, ziemlich banalen Argumentationsketten zu hören, die sich aber dann aber um den eigentlichen Kern herumdrücken.
    Ich versuche, es einmal, auf den Punkt zu bringen:
    a) Niemand in der Kirche, hat ein Problem damit, Jesus auch als Mensch zu sehen.
    b) In ihm war also ein Mensch (nur der konnte am Kreuz sterben) aber eben auch Gott. Dies ist der entscheidende Punkt, und hier bedarf es Beweise.
    c) Zunächst gibt es eine ganze Reihe von Indizien; zu nennen wären hier vor allem, die Prophezeihungen aus dem Alten Testament, die er erfüllt hat (das Neue Testament ist deshalb voller Hinweise auf das Alte) oder auch z.B. seine eigene Prophezeihung, dass die Kirche nicht untergehen wird.
    c) Beweise können nur Wunder sein, sozusagen eine göttliche Bestätigung durch eine temporäre Aufhebung der Naturgesetze. Jesus hat viele gewirkt, was auch von den Juden i.d.R. nicht bestritten wird, manche sagen allerdings, er habe in seiner Jugend in Aegypten Zaubertricks gelernt.
    Das eigentliche Bestätigungswunder ist aber die Auferstehung. Diese wurde von vielen ernsthaften Menschen bezeugt. Und viele dieser Zeugen waren bereit, für ihr Zeugnis ihr Leben zu geben (von den Aposteln starb nur Johannes eines natürlichen Todes!)
    Mehr Beweise sind nicht möglich!

  • „Heiliger Vater“ schreibt Sarina hier und auch in Talkshows hören wir es immer wieder.

    Gott bedarf keiner Vertreter. Eben deshalb aber ist christlich ein Hauptfehler des römischen Katholizismus, dass er Gott bindet an ein paternales Amt mit Anspruch auf Gottähnlichkeit und ausgestattet mit Unfehlbarkeit in allen Fragen, die menschlich relevant sind. (Das sagte Drewermann vor einigen Jahren.)
    Was uns die katholische Kirche anbietet ist oft abgestandenes Wasser. Auch brauchen viele Menschen die Vermittlung dieser Kirche nicht mehr. Dafür brauchen wir viel Religiösität und jeder hat die Aufgabe, seine eigene Quelle mit lebendigem Wasser zu finden.
    Das Christentum ist wissenschaftlich kaum zu begründen. Jesus wollte weder Kirche noch Papst. Einige Exegeten halten den vermeintlich einzigen! Beleg im Neuen Testament für gefälscht.
    (Eine junge Gläubige meinte gestern spontan: „Ich find es geil!“ Jeder darf und soll sich freuen und an Papst, Auferstehung oder an den Osterhasen glauben. Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier.)

    Wer oder was hindert uns eigentlich daran, Jesus als Menschen zu sehen und ihn nicht durch Zerrspiegel zu betrachten, die den Menschen seit Jahrhunderten vorgehalten werden?

    Noch einmal Drewermann:
    Am Abend der wunderbaren Brotvermehrung fragt Jesus:
    »Was habt ihr zum Essen dabei?«
    »Nicht genug!« sagen seine Jünger.
    »Ich habe Brot und zwei Fische«, sagt plötzlich ein Kind.
    Es rechnet nicht wie die Erwachsenen.
    Es gibt, was es hat und das ist das WUNDER. Und wenn jeder das Wenige gibt, was er hat, reicht es für alle.
    Und so sollte jeder handeln, schon heute Nachmittag sollte sich etwas ändern, damit es zur wunderbaren Brotvermehrung kommt.

    Die Kirche kann sich nicht und will sich nicht reformieren und wird sich zu einer Großsekte entwickeln.

    Genauso wenig gibt es übrigens einen Ausweg aus der Finanzkrise. Auf der Titanic werden die Liegestühle umgestellt und sicher finden Sie da noch einen schönen Platz, wo die Sonne noch hinscheint.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Brav Petersnr1, brav.
    Hätte er sich in der "dunklen Zeit Argentiniens" mit der "Regierung", die eine Junta war, so angelegt, wie Sie es vielleicht von jemandem erwartet hätten, dem, wie Sie schreiben, "Eier nicht fehlten", hätte er vlt auch riskiert, dass noch mehr Schaden angerichtet worden wäre, als damals schon von der Junta angerichtet wurde.

    Vergleichbare Vorwürfe hört man auch von Vielen in unterschiedlichsten Zusammenhängen im Zusammenhang mit kirchlichem Wirken im Umgang mit defacto Mörderbanden, die die Regierung eines Staates bilden können, wenn das Volk es will - oder eben auch nicht.

    Nicht dass ich dem Klerus nahe stehe, indes, alles was Recht ist: wenn schon Fairness, dann aber auch richtig bitte.

  • es gibt wohl Menschen die nie begreifen werden, daß Homosexualität eine Ausnahme ist und bleiben wird. Egal was
    die manipulierten Umfragen sagen. Die Gesellschaft und die Kirche werden nur dadurch moderne, daß sie diese tolerieren
    und nicht ausgrenzen. Das Befürworten von Homosexualität
    wird jedoch von der großen Mehrheit der Menschheit nicht geduldet!

  • Das neunsprachige Twitter-Profil des Papstes (u. a. @pontifex | @pontifex_de) ist wiedereröffnet. Am 16. April 2013 stellt sich der "Social-Media-Guru" des Papstes, Monsignore Paul Tighe den Interview- und Teilnehmerfragen der PR Report Konferenz im Platinum-Club der ESPRIT arena Düsseldorf. Msgr. Tighe ist Sekretär des Päpstlichen Rates für Social Communications.

  • gegen Homo diskriminierung bin ich auch,selbst für die heirat. nur darf es nicht Ehe heißen! Die Ehe ist ein Sakrement des Katholischen Glaubens. Der seid 2000 Jahren die zusammenkunft zwischen Mann und Frau beschreibt.

    Klar sind wir heute moderner als vor 2000 Jahren, nur wer sagt uns nicht, das es in 100 Jahren nicht normal ist, Tiere zu heiraten?

  • @Katharina
    In gewisser Weise hat es sehr wohl mit dem Thema zu tun:
    Die Homosexualität ist doch zur Zeit DAS grosse gesellschaftliche Thema in der westlichen Welt. In Deutschland werden sogar schon Medizinstudenten und Homoaktivisten in Grundschulen geschickt, um den Kinder die (den meisten angeborene ?) Abscheu gegenüber Homosexualität auszutreiben.
    Und dass in der westlichen Welt schon seit 40 Jahren die Institution der Ehe rechtlich ausgehöhlt und letztendlich faktisch abgeschafft wird, dürfte in einem inhaltlichen Zusammenhang dazu stehen.
    Die katholische Kirche ist wohl die einzige Institution, die versucht, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen. Und dafür wird sie gehasst.
    Wenn man aber einmal Kirche, Ehe und Familie abgeschafft hat, wird der Mensch den Machtansprüchen des Staates noch wehrloser asgeliefert sein.
    Am Anfang dieses grundlegenden Disputes, steht aber eine Grundentscheidung, die jeder einmal treffen muss: Ob er den Sinn seines Lebens darin sieht, zu fressen und zu vö..n, oder ob er als Geschöpf auf der Pilgerfahrt zu seinem Schöpfer ist, vor dem er sich eines Tages wird verantworten müssen und wo allein seine wahre Erfüllung zu finden ist.

  • Mehrfach legte er sich mit der Regierung in seiner Heimat an.

    Dafür fehlten ihm in der dunklen Zeit Argentiniens wohl die Eier.

    Ganz große Oper, sonst nichts

  • ich habe gelesen (zwar auf Wikipedia, aber vielleicht stimmt's ja trotzdem), dass er sich mehr Verständnis und Respekt für Homosexuelle wünscht, die Legalisierung der Homo-Ehe aber dennoch strikt ablehnt.

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