Franziskus: Papst ermahnt Kirche zu Rückbesinnung auf ihre Wurzeln

Franziskus
Papst ermahnt Kirche zu Rückbesinnung auf ihre Wurzeln

Papst Franziskus' erste öffentliche Messe war eine der klaren Worte. Wer die Botschaft Jesu Christi nicht verkünde, riskiere, zu einer „mitfühlenden Nicht-Regierungsorganisation“ zu werden.
  • 0

Vatikan-StadtPapst Franziskus hat in seiner ersten Messe die katholische Kirche zur Rückbesinnung auf ihre religiösen Wurzeln und zur Abkehr von weltlichen Versuchungen aufgefordert. Wenn die Kirche nicht die Botschaft von Jesus Christus verkünde, riskiere sie zu einer „mitfühlenden Nicht-Regierungsorganisation“ zu verkümmern, erklärte der 76-Jährige am Donnerstagabend in der Sixtinischen Kapelle.

Nach seiner überraschenden Wahl am Mittwochabend hatte der Argentinier Jorge Mario Bergoglio der Muttergottes Maria für seine Wahl gedankt und um Beistand gebeten. Ein Besuch bei seinem Vorgänger Benedikt XVI. in Castel Gandolfo ist für die kommenden Tage geplant.

Franziskus' erste öffentliche Messe stand im deutlichen Gegensatz zu der von Benedikt. Der Argentinier sprach ohne Textvorlage auf Italienisch und benutzte dabei zahlreiche Anspielungen auf die Bibel und schlichte Bilder. Benedikt hatte 2005 seine Vision für die Kirche auf Latein abgelesen. Zwar könne man viele Dinge erschaffen, sagte Franziskus am Donnerstag vor den 114 Kardinälen, die ihn am Vortag im Konklave gewählt hatten.

„Aber wenn wir die Botschaft von Jesus Christus nicht verkünden, läuft etwas falsch. Wir würden zu einer mitfühlenden Nicht-Regierungsorganisation werden und nicht eine Kirche sein, die die Braut Christi ist.“ Wer nicht zu Gott bete, bete zum Teufel, sagte der Papst weiter. Wer sich auf weltliche Werte stütze statt auf spirituelle, sei wie ein Kind, das Sandburgen am Strand baue. „Dann stürzt alles ein.“

Am Morgen hatte der neue Papst in der römischen Marienbasilika einen Blumenstrauß vor dem Altar abgestellt, war niedergekniet und verweilte einige Minuten in Stille. „Er sprach herzlich zu uns wie ein Vater“, sagte der Priester Ludovico Melo, der gemeinsam mit dem Papst betete. Franziskus hatte nach seiner Wahl angekündigt, dass er sich als erstes bei Maria bedanken wolle. Anders als ursprünglich verlautet, reiste Franziskus noch nicht in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo südlich von Rom, um seinen Vorgänger zu besuchen. Die beiden hatten aber bereits am Mittwochabend nach der Wahl telefoniert.

Der Deutsche Benedikt hatte Ende Februar als erster Pontifex seit 600 Jahren sein Amt niedergelegt und dies mit seinen nachlassenden Kräften begründet. Bergoglio war am Mittwochabend überraschend vom Konklave schon im fünften Wahlgang zum Nachfolger gewählt worden. Die Messe zur offiziellen Amtseinführung steht für Dienstag an. Dazu werden auch zahlreiche Staats- und Regierungschefs erwartet. Aus Deutschland wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert nach Rom reisen. Bundespräsident Joachim Gauck befindet sich zu der Zeit auf einer Afrika-Reise. Am Mittwoch folgt dann die erste Generalaudienz des neuen Papstes.

Mit Bergoglio steht zum ersten Mal in der 2000-jährigen Geschichte der römisch-katholischen Kirche ein Lateinamerikaner und ein Jesuit an ihrer Spitze. Dort ist er zugleich der erste Nicht-Europäer seit rund 1300 Jahren. Der 266. Papst gilt als bescheiden, volksnah und theologisch konservativ. In seiner Heimat wird er auch als „Anwalt der Armen“ bezeichnet, prangerte Korruption und soziale Ungerechtigkeiten an. Kritiker werfen ihm eine zu große Nähe zur Militärdiktatur in den 70er und 80er Jahren vor.

Mit dem Namen Franziskus stellt er sich in die Tradition des Heiligen Franz von Assisi (1181-1226). Dieser verkaufte als Sohn reicher Eltern allen Besitz, um in kompletter Armut zu leben. Als Gründer des Bettelordens der Franziskaner predigte er die Botschaft vom Ideal eines einfachen Lebens. Erwartet wird, dass der neue Papst durch die Wahl dieses Schutzpatrons die Kirche stärker auf die außereuropäischen Probleme - vornehmlich in Afrika und Lateinamerika - ausrichten wird. Das neue Oberhaupt der 1,2 Milliarden Katholiken tritt ein schweres Erbe an: Sexueller Missbrauch von Kindern und der Verrat von Geheimnissen innerhalb des Vatikans haben die Kirche in eine tiefe Krise gestürzt.

Kommentare zu " Franziskus: Papst ermahnt Kirche zu Rückbesinnung auf ihre Wurzeln"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%