Französische Schulen
Paris und Berlin streiten ums Deutschlernen

Frankreich plant die Einschränkung des Deutschunterrichts an seinen Sekundarschulen – zum Ärger der Bundesregierung. Nun sollen die Außenminister gemeinsam eine Lösung finden. Doch das Thema ist politisch aufgeladen.
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ParisIm Streit um die Einschränkung des Deutschunterrichts an den französischen Sekundarschulen könnte es Mitte der Woche durch das Eingreifen der Außenminister eine Entspannung geben. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hat seinem Kollegen Frank-Walter Steinmeier zugesagt, das Thema auf der nächsten Kabinettssitzung anzusprechen.

Die Bundesregierung hatte verärgert darauf reagiert, dass Frankreich im Rahmen der Reform seiner Collèges (Sekundarschulen) zweisprachige Klassen abschaffen will. Die wurden 2004 eingeführt und kombinieren Englisch mit Deutsch oder Spanisch. Dieses „Deutschlernen im Huckepack“ hatte die Zahl der jungen Franzosen, die unsere Sprache lernen, nach einem kontinuierlichen Rückgang stabilisiert.

In beiden Ländern hält man das Erlernen der jeweils anderen Sprache für wichtig. Erfahrungsgemäß verstehen die Menschen die Besonderheiten der Partnernation am besten, die auch ihrer Sprache mächtig sind. Viele Klischees und Besorgnisse verflüchtigen sich dann schnell. Umso bedenklicher ist es, dass junge Deutsche und Franzosen statt Französisch oder Deutsch immer häufiger Spanisch als zweite Fremdsprache neben Englisch wählen.

Ende vergangener Woche schrieb Außenminister Frank-Walter Steinmeier an seinen französischen Kollegen Laurent Fabius: „Erlaube mir, meine Besorgnis über die derzeitigen Pläne zur Abschaffung der classes bilangues und sections europeennes an den französischen collèges zu äußern.“

Falls sie entfielen, drohe „mittelfristig ein Einbruch der Deutschlerner-Zahlen.“ Das hätte negative Auswirkungen auf zahlreiche weiterführende Schul-und Hochschulangebote, „die deutsch-französische Hochschule, ebenso wie auf die vielen Austauschprogramme und Städtepartnerschaften“. Aktuell lernen 87.000 Franzosen in 3580 zweisprachigen Klassen Deutsch. Das sind 88 Prozent aller Franzosen, die in der Sprache Goethes unterrichtet werden.

Die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem begründet ihre Pläne damit, dass die zweisprachigen Klassen nur einer kleinen Elite zugutekämen und ihr Wegfall finanzielle Mittel freisetze, mit denen allgemein der Sprachunterricht gefördert werden könnte.

Steinmeier kritisiert die Ministerin nicht frontal, sondern zeigt Verständnis für ihr Anliegen einer breiten Sprachförderung. Geschickt stellt er den Deutschunterricht in diesen Kontext und zeigt Bereitschaft, von deutscher Seite aus ebenfalls zu fördern: „Wir sind bereit, die Weiterentwicklung des Deutschunterrichts an den Grundschulen wie auch in den Sekundarschulen verstärkt mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen.“

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  • Man kann über die Franzosen denken, was man will, aber die dt. / franz. "Freundschaft" ist die zentrale Achse von Europa. auch wenn die aktuelle Regierung in Paris das Land aushungern lässt, so müssen wir auch in Zukunft viel Rücksicht auf die Interessen der anderen Seite nehmen.

    Wie auch mit Russland, bekommt es uns nicht gut, wenn wir mit unseren Nachbarn nicht freundschaftlich umgehen. Deutschland ist eine Drehscheibe zwischen West und Ost und das wird nur funktionieren, wenn wir rücksichtsvoll mit einander umgehen.

  • Das einzige, was Steinmeier wieder einfällt, ist anzubieten, "dass Deutschland dann notfalls gerne das Geld zur Verfügung stellt". Das ist armselig. Wenn die Franzosen (die in puncto Fremdsprachen sowieso in ihrer ganz eigenen Welt leben) Deutsch als Fremdsprache nicht mehr erstrebenswert finden, dann sollen sie's halt lassen. Es gibt gleichzeitig ja anderswo in Ost- und Süd-Europa eine Menge Menschen, die mehr Interesse an Deutsch als Fremdsprache haben: Die sollte man stattdessen fördern, also Rumänien oder Spanien.

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