Französischer Sozialist
Kanzlerin Merkel will „den Euro töten“

Kanzlerin Merkel erregt mit ihrem Kurs in Sachen Schuldenkrise immer mehr Unmut im Nachbarland Frankreich. Nun wird ihr aus dem Lager der französischen Sozialisten vorgeworfen, sie betreibe eine „Bismarcksche Politik“.
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ParisIn Frankreich wächst der Unmut über den Euro-Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Kanzlerin versuche, „ein europäisches Modell durchzusetzen, das nicht notwendigerweise das Unsere ist“, kritisierte der sozialistische Spitzenkandidat, François Hollande, am Mittwoch in Brüssel. Sein Parteikollege Arnaud Montebourg warf der Kanzlerin gar vor, sie wolle „den Euro töten“ und betreibe eine „Bismarcksche Politik“.

Seit einigen Monaten entscheide Merkel, während der französische Staatschef Nicolas Sarkozy ihr folge, sagte der Kandidat der Sozialisten bei den Präsidentschaftswahlen 2012 nach einem Treffen mit dem Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, in Brüssel. Als Präsident werde er für ein „ausgeglichenes Verhältnis mit Deutschland“ sorgen, sagte Hollande. Er machte für das derzeitige Ungleichgewicht vor allem Sarkozy verantwortlich.

Zudem wandte sich Hollande gegen die deutsche Forderung, Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof gegen Defizitsünder zu ermöglichen. Die Haushaltspolitik eines souveränen Staates dürfe niemals von einem Gericht entschieden werden, sagte Hollande. Er forderte zudem eine „aktive Rolle“ für die Europäische Zentralbank (EZB). Sie müsse „massiv auf den Finanzmärkten intervenieren, um die Spekulation zu beenden“, sagte Hollande.

In einem Interview mit mehreren Medien warf Montebourg derweil Merkel vor, sie wolle für Deutschland ein „Vermögen“ auf den „Ruinen“ der anderen Länder im Euro-Raum machen. Montebourg zählt zum linken Flügel der Sozialisten und hatte bei den Vorwahlen seiner Partei überraschend gut abgeschnitten. In dem Interview plädierte er für eine harte Konfrontation mit Deutschland und verwies dabei auf die deutsche Weigerung, ein stärkeres Eingreifen der EZB zuzulassen.

Die Kanzlerin wolle ihre „deutsche Ordnung“ den anderen überstülpen und strebe ein „deutsches Diktat“ in der Euro-Zone an, nachdem die Länder hinausgedrängt worden seien, die sich nicht selbst hatten helfen können, sagte Montebourg. Es sei nun der Moment gekommen, „die politische Konfrontation mit Deutschland zu suchen“ und „unsere Werte“ zu verteidigen. Wenn es Deutschland gelinge, auch anderen Ländern Auflagen wie Griechenland aufzuzwingen, dann werde dies zum Anstieg des Nationalismus und der extremen Rechten führen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Französischer Sozialist: Kanzlerin Merkel will „den Euro töten“"

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  • Gel(i)ebte Eurozone!!! Wir hatten die OST-ZONE (DDR, Warschauer Pakt)und seit 2001 haben wir die EU-dSSR. Seit dem Römischen Reich immer nur historisch kurzjährig; Napoleon od. Hitler bleibt sich gleich ... Mal sehen, die Armedei leidet eh darunter. ----> sind auch alle Taschen kahl, Hauptsache der Blutdruck bleibt normal :-)

  • @rainer_j

    Mein G*tt, Sie waren damals ein nicht gedachter Gedanke in den Lenden einer zweijährigen - sie haben den "fliegenden Holländer" nicht libe bei seinen Flügen über den Platz bewundern dürfen, himmeln jetzt aber den Abstauberkönig Müller und den "sittlich verwahrlosten" Beckenbauer an, weil sie Deutsche sind?

    Nope, selbst in den finsteren 70ern herrschte in der Kneipe, in der ich damals mit meinem kleinen oranje-Fähnchen saß, herrschte mehr Toleranz als in Ihren vernagelten Hirn.

    Drei Jahrzehnte später saß ich in einer französischen Bar und die Franzosen um mich herum feuerten die deutsche Mannschaft an ...

    _So_ ist die Welt: Es geht um die _Besseren_ und nicht um die "Übersprungideen", mit denen Sie sie sich zurechtkonstrzieren. Ach, Sie wissen nicht, was das ist, eine "Übersprungidee"?

    Lassen Sie es sich von Dr Henning Saß erklären

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/01/drw_201112011602_unzurechnungsfaehig_-_gespraech_m_3c889068.mp3

  • @hardy aber herzlich
    Zitat"ich hab' mich damals ziemlich geärgert, daß die Oranjes die WM nicht gewannen"

    Für diesen Frevel sollte man sie selbst jetzt noch für ein halbes Jahr bei Wasser und Brot einsperren und dreimal am Tag müssen sie die Nationalhymne singen. Natürlich die erste Strofe und wenn es nicht emotional genug rüberkommt, dann gibt es extra Tage.

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